2. Konzert beim Dillinger Orgelsommer mit dem Würzburger Domorganisten Stefan Schmidt

Der Domorganist aus Würzburg Stefan Schmidt gestaltete mit atemberaubender Virtuosität, mit Individualität und Originalität das Konzert in der Basilika

Dillingen an der Donau: Basilika St. Peter | Achtzig Zuhörer erlebten eine Sternstunde am 2. Samstag des diesjährigen Orgelsommers. Sie bejubelten hinreißende Interpretationen einer Partita von J.S.Bach und der 5. Suite des Franzosen Maurice Duruflé durch den Würzburger Domorganisten Stefan Schmidt. Was der Orgelvirtuose aus seinem Instrument "herausholte", ließ selbst die Fachleute ins Schwärmen geraten. Intonateur Norbert Bender, der bis kurz vor Konzertbeginn die Orgel auf Hoch-Klang stimmte, rühmte Stefan Schmidts Fähigkeit, die vielschichtige Satztechnik Duruflés exemplarisch darzustellen. Basilikaorganist Axel Flierl schätzte die feinnervige Auslegung der ruhigen Passagen, die an die Begleitkunst Schmidts erinnerte, während Orgelbauer Hubert Sandtner bei den Bach-Variationen einzigartige, für ihn ungewohnte Registrierungen heraushörte. Der Domorganist hatte mit "Sei gegrüßet Jesu gütig" (BWV 768) Bachs gewichtigste Choralpartita ausgewählt. Zwischen dem einleitenden vierstimmigen Choral und dem dicht gefügten fünfstimmigen Schlusschoral entwickelte Stefan Schmidt mit spieltechnischer Meisterschaft das motivische Material. Mit seltener Hör-Qualität stattete der Organist die Satzmodelle aus und gab ihnen ein bestimmendes Profil. Oboe, Fagott, Dulcian und Flöten traten im Wettstreit miteinander, wenn z. B. auf der Pedalmelodie die fließende Bewegung in der Mittellage herausgestellt wurde und im Diskant kontrastierte.

Vor 25 Jahren starb der französische Komponist Maurice Duruflé, der Organist an der Kirche Saint-Etienne-du-Mont in Paris war, wo inzwischen Thierry Escaich wirkt, der im März diesen Jahres die Internationalen Orgelkonzerte eröffnete. Stefan Schmidt stellte die 1934 entstandene Suite op. 5 in drei Sätzen vor mit einem düsteren Prélude, einer pastorale Sicilienne und einer temperamentvollen Toccata. Impressionistisches Farbenspiel im langsamen Satz durch die Solozungen der sinfonischen Orgel. Während sich hier quasi kaleidoskopisch das Licht brach und sich spiegelte, stieg im es-Moll-Präludium aus dem Urgrund wellenbewegt das Thema auf, entfaltete sich in mächtigen Akkordfolgen der ganze Kosmos, ehe er in einem langsamen Decrescendo zur Ausgangsstimmung zurückkehrte. Im abschließenden Bravourstück strömten Klangkaskaden in unablässigem Vorwärtsdrängen durch den barocken Kirchenraum, markiert von punktierten Bass-Ausrufezeichen zu einem sensationellen Schlusspunkt. Stefan Schmidts atemberaubende Virtuosität war eine vollgültige Hommage an Duruflé, vom staunenden und tief bewegten Publikum lebhaft applaudiert.

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