Soweit die Füße tragen

Ab dem wievielten Stockwerk nehmen Sie eigentlich den Aufzug? Einer, der sich diese Frage nicht stellt und bereit ist, sich an seine körperlichen Grenzen zu wagen, ist ein Sportler der "Günzburger Läufer", der eines seiner letzten Abenteuer selbst als "mein Kampf" bezeichnete. Die Selbsterfahrung, die er hierbei erlebte und sein grandioses Wettkampfergebnis beeindrucken nicht nur, sondern stoßen fast an die Grenzen der Vorstellungskraft des "normalen" Menschen.

Worum es geht möchten Sie nun endlich erfahren? Ich möchte Sie nicht länger auf die Folter spannen. Seit 35 Jahren findet im Thüringer Wald ein Crosslauf, der so genannte "Rennsteiglauf" statt. Es ist der größte Landschaftslauf Mitteleuropas. Die Strecke, die beim Supermarathon zu bewältigen ist, startet am Marktplatz in Eisenach und endet nach hügeligen 72,7 Kilometern in Schmiedefeld. Die dabei zu bezwingenden Anstiege addieren sich nach den Angaben der Organisatoren auf insgesamt 1490 Höhenmeter, die zu überwindende gesamte Höhendifferenz beträgt 2.479 Höhenmeter!

Der Sportler, der sich bereits im Mai dieses Jahres der Herausforderung stellte, ist kein anderer als Erwin Weißenhorner. Marathonläufe unter drei Stunden waren für ihn zur Routine geworden, da wollte er einfach etwas Neues ausprobieren.
An der Stelle an der andere Ausdauerläufer beim klassischen Marathon über 42,195 Kilometer an ihre persönliche Schallmauer stoßen, wollte Erwin Weißenhorner erfahren, wie die läuferische Welt jenseits dieser magischen Grenze wohl aussieht.

Insgesamt gab es 14.000 Teilnehmer beim diesjährigen 35. Rennsteiglauf, die meisten von ihnen waren Walker, Rollifahrer, Halbmarathonläufer und Marathonläufer. Aber immerhin 1.801 Teilnehmer setzten sich das anspruchsvolle Ziel fast 73 Kilometer beim Supermarathon zu laufen. Von diesen Ultraläufern erreichten am Ende 1.734 Läufer das Ziel.

Auf den ersten 25 Kilometern nach dem Start waren 800 Höhenmeter auf Wald-, Schotter-, und Teerstraßen mit teilweise kräftigen Anstiegen zu überwinden. Danach wechselten sich ansteigende und abfallende Streckenabschnitte ab, auch eine Passage über Baumwurzeln war dabei zu überwinden. Das ebene Gelände ist beim Rennsteiglauf eben eher selten. Trotzdem beschreibt Erwin Weißenhorner die Landschaft als "einfach schön". Beim "normalen" Marathonläufer meldet sich spätestens bei Kilometer 42 das Gehirn an den Körper mit der Meldung: "Wir haben es gleich geschafft", doch beim Rennsteiglauf sind an dieser Stelle noch weitere 31 Kilometer zu laufen. Erwin Weißenhorner schildert, dass er die Strecke und äußere Umgebung bis Kilometer 50 noch sehr gut wahrgenommen habe, erst danach habe sich sein Wahrnehmungsfeld mehr auf die inneren Empfindungen verschoben. Als er bei Kilometer 62 den höchsten Punkt der Strecke erreicht hatte und es danach meist "nur" noch bergab ging, fiel ihm die Fortbewegung immer schwerer. "Der Gedanke, stehen zu bleiben und eine Pause zu machen, wurde immer intensiver", so Erwin Weißenhorner. "Als ich die Kilometerschilder 71, 72 sah, wuchs dann wieder die Überzeugung, Du schaffst es! Als ich die Ziellinie in Schmiedefeld überschritt, wurde ich von Glücksgefühlen überschüttet."

Erwin Weißenhorner überquerte als insgesamt 16. Läufer in einer sensationellen Zeit von 6:01:41 die Ziellinie. In seiner Altersklasse erzielte er damit den zweiten Platz.

Herzlichen Glückwunsch von den Günzburger Läufern zu dieser tollen Leistung.

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4 Kommentare zum Beitrag
404
K. A. aus Günzburg am 29.11.2007 um 22:44 Uhr  
8
Hermann Jehle aus Krumbach am 30.11.2007 um 08:16 Uhr  
55
Martin Heininger aus Günzburg am 30.11.2007 um 20:25 Uhr  
19
. eb aus Vöhringen am 02.12.2007 um 17:09 Uhr  
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