Dreiländermarathon
Dreiländerländermarathon über Lindau (Deutschland), Bregenz (Österreich) und St. Margarethen (Schweiz) am 6. und 7. Okt. 2007 – anders als eine Großstadtveranstaltung? Erlebnisse eines Laufanfängers
Ankunft
Aus Deutschland komme ich am Samstagmorgen mit dem Dieseltriebzug in Lindau an. Das Fremdenverkehrsbüro hat Wochenendes geschlossen. Das fängt ja gut an mit dem Dreiländermarathon. Nun, das Hotel in der zweiten Reihe auf der Insel Lindau kostet weniger als die Laufunterlagen.
Gesundheitssymposium
Vorträge sind in der holzgetäfelten Rathaushalle mit Butzenscheiben vorn und hinten. Der Orthopädieschuster spricht über "Laufen – ein Ausflug der Sinnesreize". In der Kundenstatistik sind die Achillessehnenreizungen vor dem Schienbeinkantensyndrom ganz oben. Er trägt die Theorie vor, dass Laufbeschwerden aus dem Beruf kommen. Beispielsweise verkürzt und verschiebt ein sitzender Büromensch Wadenmuskel und Achillessehne. Der Allgemeinarzt erläutert in "Sport und Psyche", dass die Endorphin-Theorie als Erklärung für das Läuferhochgefühl besser nicht mehr erwähnt wird. Interessant sind Fragen, weshalb man läuft. Frauen antworten an erster Stelle wegen Sozialkontakten, Männer wollen den Erfolg. Mann geht in sich und fühlt sich ertappt als Opfer der Rollendressur. Dann lieber keine Theorie mehr!
Für die Fans
Zusammen geht es auf die Pastaparty. Auf einem Bodenseeschiff teilt ein Kellner auf echten Porzellantellern nach Wunsch Spaghetti oder Rohrnudeln aus, dazu gibt es Tomaten- oder Fleischsauce so viel man will. Auf Deck oder im Speisesaal kann man an richtigen Tischen das Essen und die Landschaft genießen. Die Fans schwärmen von ihren Einkäufen auf der Insel, auf der es wenig Kettenläden gibt. Abends besuchen sie neben den vielen Lokalen die Spielbank in Lindau und Bregenz, während der Läufer schon schläft.
Der Wettkampf
Äußerst praktisch entpuppt sich das Hotel, das 100 m vom Startplatz entfernt ist, indem es als Rückfallebene für den letzten Toilettenbesuch dient. Der Himmel strahlt und es fällt um 11.11 der Startschuss für 2000 Läufer. Es ist genügend Platz. Bald ist das Wahrnehmen eingeschränkt, das Denken gelangt in den Zustand der freien Assoziation. Bei Kilometer 15 verschwimmt das Sehen, die Nase läuft und es ist nicht klar, ob das die Vorboten einer Allergie sind oder die Sehnsucht nach den daheimgebliebenen FreundInnen, mit denen man das Ereignis hätte teilen wollen. Der Ausklang ist eine Massage im Freien mit Blick auf die Berge und das Bregenzerfestspielhaus unter wärmender Herbstsonne und die Sehenswürdigkeiten während der Rückfahrt am See.

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