Schwäbische Wirtschaft: Aufwärts durch schwieriges Gelände

Zur Jahreswende 2014/2015 hat sich ein leichter Aufwärtstrend in der bayerisch-schwäbischen Wirtschaft durchgesetzt. In einem durchaus schwierigen Umfeld ist es den Unternehmen gelungen den leicht positiven Trend beim Auftragseingang im Inland wie auch im Ausland fortzusetzten und daraus Zuversicht für die kommenden Monate zu schöpfen. So bleiben die Beschäftigungspläne positiv und die Investitionsneigung erweist sich durchaus stabil.

Insgesamt kann die Stimmung in der schwäbischen Unternehmerschaft zur Jahreswende durchaus positiv beschrieben werden. Immerhin verweist fast jedes zweite Unternehmen auf eine ausgesprochen gute Situation während lediglich ein Zehntel der rund 500 befragten Unternehmen sich kritisch äußert. Trotz einer leicht schwächeren Konsumgüternachfrage im Inland, die sich in etwas schwächeren Umsätzen im schwäbischen Einzelhandel dokumentiert, belegen die Ergebnisse der jüngsten Konjunkturumfrage der IHK Schwaben eine Stärke im Bereich der inländischen Investitionsgüternachfrage und Erfolge im Bereich der Exportwirtschaft.

„Der leicht positive Trend aus dem letzten Herbst hat sich also weiter fortgesetzt und ist sicher durch die veränderte Situation auf dem Rohölmarkt und durch den geringeren Außenwert des Euro verstärkt worden“, so der Präsident der Industrie- und Handelskammer Schwaben, Dr. Andreas Kopton. „Rund ein Drittel der schwäbischen Industrieunternehmen verzeichnet Wachstumsimpulse bei den Auslandsaufträgen, die sich auf den Exportmärkten sehr unterschiedlich darstellen. Neben den Einbrüchen in der Nachfrage aus den osteuropäischen Ländern, insbesondere aus Russland, ergibt sich ein ausgeprägt positiver Trend beim Absatz in Nordamerika und abgeschwächt im asiatischen Raum. Wachstumsimpulse bei den europäischen Nachbarn sind derzeit auf Grund ihrer konjunkturellen Situation eher schwach ausgeprägt.

Mit gewisser Sorge blicken die schwäbischen Unternehmen auf die Entwicklung auf der Ertragsseite. Hier trüben zunehmende Kosten insbesondere beim Personal, die Einschätzung im Hinblick auf die zukünftigen Ertragschancen bei kaum vorhandenen Preiserhöhungsspielräumen. Dennoch sind die schwäbischen Unternehmen in der Grundtendenz optimistisch, obwohl die Verunsicherung im Hinblick auf das poltische Umfeld wächst. Wir müssen davon ausgehen, dass die jüngsten Ereignisse im Zusammenhang mit der europäischen Geldpolitik und mit der wieder aufgeflammten Diskussion um die Staatshaushalte ausgehend von der Situation in Griechenland eine Gewisse Verunsicherung bedingen.

Dazu kommt eine noch nicht erkennbare Deeskalation des Konfliktes in Osteuropa, die diese Beunruhigung nach Auffassung der IHK-Präsidenten weiter verstärkt. Um so mehr ist es seiner Meinung nach notwendig, den positiven Trend im Meinungsbild der schwäbischen Unternehmen weiter zu stützen, damit der Erfolgskurs auch in schwieriger werdendem Gelände gesichert werden kann.

Einen Beleg findet die positive Sicht der schwäbischen Unternehmer auf die kommenden Monate nicht zuletzt in einer stabilen Beschäftigungsnachfrage und in einer weiterhin bestehenden Investitionsbereitschaft, die sich im Wesentlichen an den Motiven Produktinnovation und auch Kapazitätserweiterung orientiert.


Ein Blick in die Branchen:


Industrie: Zufriedenheit trotz weiterer Verunsicherung durch Auslandsnachfrage

Die schwäbische Industrie ist mit der aktuellen Geschäftslage weiterhin zufrieden. Unverändert beurteilen 47 Prozent die Geschäftslage mit gut, allerdings ist die Zahl der unzufriedenen Unternehmen von 7 auf 10 Prozent gestiegen. Leichte Bremseffekte gab es bei der Auftragslage. Auch wenn 4 von 10 Unternehmen keine Veränderung feststellen konnten führten Probleme auf den außereuropäischen Auslandsmärkten zu einem Rückgang der positiven Einschätzungen. Beim Blick in die Zukunft lassen sich jedoch Erholungstendenzen erkennen. 30 Prozent der Unternehmen rechnen mit volleren Auftragsbüchern als im Vorjahr, das sind immerhin 6 Prozentpunkte mehr als im Herbst. Und auch der Anteil der Unternehmen, die ihre Investitionen voraussichtlich steigern werden ist leicht gestiegen und liegt nun bei genau einem Drittel.

Unternehmensbezogene Dienstleistungen: Weiterhin optimistisch

Der Jahreswechsel hat die positive Stimmung bei den unternehmensnahen Dienstleistungen wenig verändert. Über die Hälfte der Unternehmen freut sich über eine gute Geschäftslage und 45 Prozent über einen gestiegenen Umsatz. Die Auslastung hat sich erneut positiv entwickelt, 52 Prozent gaben an voll ausgelastet zu sein, 8 Prozentpunkte mehr als noch im Herbst. Der weiterhin hohe Kostendruck wirkt sich jedoch negativ auf die Ertragslage aus. Nur 20 Prozent konnten aus den Umsätzen auch einen steigenden Ertrag erzielen. Für die Zukunft rechnet die Mehrheit der unternehmensnahen Dienstleister mit einer gleichbleibenden konjunkturellen Entwicklung. Bezüglich neuer Investitionen zeigen sich die Unternehmen verhaltener als im Herbst und konzentrieren ihre Entwicklung eher auf die Personalausstattung. Ein Drittel und damit etwas mehr als in den Umfragen davor möchte mehr Mitarbeiter einstellen.

Baugewerbe: Wenig Veränderung im Baugewerbe

Das Baugewerbe zeigt sich mit Abstrichen zufrieden. Die Zahl der Unternehmen mit gestiegenem Auftragsvolumen ist deutlich zurück gegangen, jedoch hat sich für über die Hälfte der Unternehmen die Auftragslage nicht verändert. Für die Zukunft wird keine große Veränderung erwartet. Nach der Zurückhaltung im Herbst zeigen sich die Bauunternehmen wieder investitionsfreudiger, auch wenn es sich mehrheitlich um Ersatzbeschaffungen handelt. Die Beschäftigtenzahl möchten zwei Drittel der Unternehmen nicht verändern.

Transportgewerbe: Kostendruck verhindert einen Aufschwung

Die Stimmung im Verkehrsgewerbe hat sich etwas eingetrübt. Nur ein Viertel beschreibt die Geschäftslage als gut, deutlich weniger als noch im Herbst. Ein Grund für diese Einschätzung ist auch der weiterhin gestiegene Kostendruck vor allem im Personalbereich, welcher sich negativ auf die Ertragslage auswirkt. 45 Prozent gaben an, dass ihre Erträge gesunken sind. Nach Einschätzung der Branche wird sich die Situation auch in naher Zukunft nicht verändern. Über 80 Prozent rechnen mit einer gleichbleibenden Auslastung, so dass nur wenige Unternehmen Gründe sehen, ihren Personalbestand zu verändern.

Großhandel: Zufriedene Stimmung im Großhandel


Der Großhandel in Schwaben ist zufrieden. Über ein Drittel der Unternehmen beurteilen die Geschäftslage mit gut, eine deutliche Steigerung zur Umfrage im Herbst. 36 Prozent freuten sich über gestiegene Umsätze und 24 Prozent gaben an, dass ihr Warenbestand größer als saisonüblich ist. Für die kommenden Monate erwartet über ein Drittel der Unternehmen eine weitere Verbesserung der Geschäftslage. Die Zahl der Unternehmen die mit steigenden Kosten rechnen ist zwar leicht zurück gegangen, liegt aber dennoch bei 60 Prozent. Trotzdem plant weit über die Hälfte keine Veränderung ihrer Investitionspläne und 23 Prozent werden mehr investieren als zuvor. Auf die Beschäftigung im Großhandel gibt es kaum Auswirkungen.

Einzelhandel:

Die Ertragslage für den Einzelhandel ist hingegen schwieriger geworden. Überdurchschnittlich viele Händler mussten einen Umsatzrückgang hinnehmen und für 35 Prozent hat sich die Ertragslage verschlechtert. 64 Prozent erwarten auch für die nächsten Monate keine Veränderung des Inlandsumsatzes. Die doch eher verhaltenen Zukunftsaussichten wirken sich auf die Investitionspläne aus. Mehr Unternehmen als in der Vorumfrage möchten weniger oder gar nicht investieren jedoch werden über 70 Prozent keine Veränderungen an der Beschäftigtenzahl vornehmen.


Ihre Ansprechpartnerin in der IHK Schwaben:
Christine Neumann
Geschäftsfeld Standort und Monitoring
Tel. 0821 3162-318 | christine.neumann@schwaben.ihk.de
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