Impfenlücken in unserem Landkreis schließen

Wie sich übertragbare Krankheiten ausbreiten können, wird im Beispiel der Ebola-Epidemie in Afrika drastisch verdeutlicht. Ähnlich können sich auch weniger gefährliche Krankheiten ausbreiten, die in unserem Land vorkommen. Dass Masern, Mumps, Röteln, Windpocken, Wundstarrkrampf, Kinderlähmung und andere eher selten vorkommen, liegt nicht nur an den im Vergleich mit Afrika hygienischeren Lebensbedingungen sondern vor allem an der Vorsorge durch Impfen. Durch Impfen ist es gelungen, weltweit die Pocken auszurotten. Die Weltgesundheitsorganisation beabsichtigt weiter, durch Impfung den Erregern von Kinderlähmung, Masern, und Hepatitis B weltweit den Lebensraum im Menschen zu nehmen, sodass diese Erkrankungen nicht mehr zu bleibenden Schäden führen können.

Neben der Bearbeitung von Meldungen übertragbarer Krankheiten nach Infektionsschutzgesetz kontrolliert das Gesundheitsamt die Impfbücher der Kinder vor der Einschulung und in der sechsten Jahrgangsstufe der Schulen in unserem Landkreis. Die Auswertung der im Jahr 2013 erhobenen Impfdaten liegt jetzt vor. „Zum sicheren Schutz der Bevölkerung wird von der Weltgesundheitsorganisation eine Impfrate von 95% angestrebt“, erläutert Dr. Roland Schmid, der Leiter des Gesundheitsamts. „Die Durchimpfung der Einschulkinder ist sehr gut, allerdings bestehen Lücken bei den Auffrischimpfungen, wie die Statistik der Sechstklässler zeigt“.

Im Einzelnen liegen der Schutz bei den Einschulkindern bei Masern, Mumps, und Röteln (jeweils zwei Impfungen zur Grundimmunisierung 95,5%), bei Kinderlähmung (97,0%), Wundstarrkrampf und Diphtherie (97,4%), Keuchhusten (96,5%) und HIB (96%) über der von der Weltgesundheitsorganisation geforderten Durchimpfungsrate. Der Landkreis Günzburg liegt im bayernweiten Vergleich im ersten Viertel der Impfraten. Die Hepatitis B Impfung ist nur bei 93,7 % der Kinder durchgeführt worden. Als Problem wurde nur von knapp einem Drittel der Eltern die von Zecken übertragene Hirnhautentzündung erkannt (FSME-Impfung 30,5%). Hier belegt Günzburg unter den 76 Gesundheitsämtern in Bayern Platz 55!

Bei den älteren Kindern in den sechsten Klassen, bei denen teilweise Auffrischimpfungen durchgeführt sein sollten, wird das Ziel der Weltgesundheitsorganisation nur bei Wundstarrkrampf, Diphtherie (jeweils 95,0%) und Kinderlähmung (94,6 %) erreicht. Der Schutz gegen Masern, Mumps und Röteln (jeweils 92,8%) und Hepatitis (92,4%) ist knapp erreicht. Der Schutz vor FSME ist mit 54,7% besser als der unserer Einschulkinder, aber auch verbesserungsfähig. „ Da nur 57 % der Kinder in den sechsten Klassen ihren Impfpass zur Durchsicht vorgelegt haben, sind diese Durchimpfungsraten aus 2013 nur als Hinweis zu sehen“, bedauert Schmid. Die Vorlage des Impfpasses beim Gesundheitsamt ist nun vom Gesundheitsministerium zur Pflicht der Eltern gemacht worden, um verlässlichere Daten erhalten zu können. „Wir bitten deshalb alle Eltern der Sechstklässler, dies zu beachten und möglichst bald den Impfpass der Kinder beim Haus- oder Kinderarzt durchsehen zu lassen mit dem Ziel, vollständigen Impfschutz zu erreichen“, so Schmid. Es besteht aber auch der Verdacht, dass im mittleren Lebensalter eine gewisse Impfmüdigkeit besteht. Auch wenn das Gesundheitsamt hierzu keine Daten erheben kann, appelliert Schmid an das Verantwortungsbewusstsein jedes Erwachsenen, diese einfache Vorsorgemöglichkeit anzunehmen, den Impfpass kontrollieren und sich eventuell impfen zu lassen. „Impfungen sind nicht nutzlos, es gibt sie nur gegen solche Erkrankungen, die schwere Nebenwirkungen und bleibende Schäden verursachen können. Wer hiervon betroffen ist, kann nur zu spät erkannt werden“.
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