IHK-Regionalversammlung: Bürokratie gefährdet den Mittelstand

v. l.:Oliver Stipar, IHK-Regionalgeschäftsführer Günzburg, Hermann Hutter, Vorsitzender der IHK-Regionalversammlung Günzburg, Alfred Sauter, Mitglied des Bayerischen Landtags, Christof Küchle, Geschäftsführer der W.u.H. Küchle GmbH & Co. KG und Roland Kober, Vorstand der AL-KO KOBER SE u. IHK-Vizepräsident.

IHK-Vertreter diskutieren mit dem Abgeordneten Alfred Sauter über Bürokratie, Energiewende und Asylpolitik.

Die IHK-Regionalversammlung Günzburg unter der Leitung von Hermann Hutter sagt der Bürokratie den Kampf an. Um ihren Forderungen an die Politik Nachdruck zu verleihen, diskutierten die 28 gewählten Unternehmerinnen und Unternehmer aus dem gesamten Landkreis ihre Anliegen bei der jüngsten Sitzung des Gremiums mit Alfred Sauter, Mitglied des Bayerischen Landtags.

Christof Küchle, Geschäftsführer der W. u. H. Küchle & Co KG, in dessen Unternehmen die Sitzung stattfand, erläuterte zunächst die handwerkliche Seite der Oblatenherstellung, wobei sich Sauter gemeinsam mit den Unternehmern im Rahmen einer Betriebsführung ein eigenes Bild von den aufwändigen und energieintensiven Produktionsschritten machen konnten. Anschließend erklärte Küchle anhand von Beispielen aus der Praxis, dass die Art und Weise der Bürokratie gerade im Lebensmittelbereich dazu führt, dass mittelständische Unternehmen wie seines zunehmend überfordert sind, die Flut an Gesetzen und Verordnungen überhaupt noch zu bewältigen. "Wir haben hier als mittelständisch geprägtes Unternehmen mit rund 100 Mitarbeitern einen klaren Nachteil gegenüber den großen international aufgestellten Konzernen, die natürlich ganz andere Möglichkeiten haben, Personal für die überbordende Bürokratie vorzuhalten", adressiert Küchle seine Forderung nach mehr Augenmaß seitens der Politik an Sauter. Dieser erwiderte, diese Entwicklung ebenfalls mit Sorge zu beobachten, da die Gefahr bestehe, dass in der Folge auch Unternehmen, die immer ehrlich waren und dies auch bleiben möchten, irgendwann ihre Leistungsgrenze erreichen und im schlimmsten Fall sogar kriminalisiert werden.

Küchle schloss seinen Vortrag mit einem Appell an die Politik: "Korrupte Unternehmer werden immer versuchen, bestehende Gesetze zu ihrem Vorteil zu unterlaufen. Wenn die Politik nun meint, jedes noch so kleine Detail mit Gesetzen und Verordnungen und entsprechender Bürokratie für die Unternehmen regeln zu müssen, trifft dies nicht diejenigen, die sich ohnehin nicht um Gesetze scheren, sondern vor allem die 99,9 Prozent ehrlicher Unternehmer. Das darf nicht sein.“ Er fordert den Abgeordneten Sauter nachdrücklich auf, die Interessen des Mittelstands wieder verstärkt in den Fokus der Politik in München zu rücken und erhielt dafür Applaus von der gesamten Regionalversammlung.

Sauter informierte anschließend die Unternehmer über die aktuellen Themen aus dem Bayerischen Landtag. Dazu zählen vor allem die Asylpolitik vor dem Hintergrund laufend steigender Asylverfahren in Bayern, sowie die Herausforderungen im Umgang mit der Energiewende. In der anschließenden Diskussion regte Sauter an, gemeinsam nach Lösungen in dieser nicht einfachen Gemengelage zu suchen. Aus Sicht der Wirtschaft ist die Sache jedoch klar: Sowohl beim Thema Asylanten, als auch bei der Energiewende spielt Planungssicherheit eine maßgebliche Rolle. Hier sei zunächst die Politik gefordert, die Rahmenbedingungen zu schaffen. Trotz vielfacher Appelle gerade beim Thema Energiewende seitens der Wirtschaft fehlt hier nach wie vor ein schlüssiges Konzept, während der Zeitkorridor für die Umsetzung der dringend benötigten Ausgleichsmaßnahmen, sei es Gaskraftwerke, Stromtrassen oder leistungsfähige Energiespeicher, immer enger wird.

"Leider hört die Politik immer weniger zu, wenn Vertreter der Wirtschaft sachliche Argumente vortragen, während auf der anderen Seite manche Bürgerinitiativen mit teilweise fragwürdigen Methoden medienwirksam die Aufmerksamkeit auch der Politik auf sich ziehen. ", fasst Hermann Hutter, Vorsitzender der IHK-Regionalversammlung Günzburg die Stimmung der Wirtschaftsvertreter zusammen. Hutter weiter: „Aber gerade deshalb sei der Dialog zwischen Wirtschaft und Politik enorm wichtig und soll auf allen Ebenen fortgeführt werden. Schließlich braucht die Wirtschaft der Region verlässliche politische Ansprechpartner und umgekehrt.“
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