Eine Chance für junge Menschen – auch die Betriebe profitieren

Josefine Steiger, Ausbildungsexpertin bei der IHK Schwaben (Foto: IHK)
Seit 2005 hat die IHK Schwaben 218 Teilzeitausbildungen erfolgreich begleitet.

In Schwaben haben in den vergangenen sieben Jahren bereits 218 Personen eine Ausbildung in Teilzeit absolviert, aktuell laufen 89 Verträge, 42 junge Mütter suchen noch eine Ausbildungsstelle für September 2012. Damit steht der Regierungsbezirk im bundesweiten Vergleich sehr gut da. Hauptsächlich ist das ein Verdienst von Josefine Steiger, Ausbildungsexpertin bei der IHK Schwaben, die sich in den vergangenen Jahren intensiv für das Thema eingesetzt hat und täglich bei Betrieben und Auszubildenden dafür wirbt. Das Teilzeit-Modell könnte jedoch noch viel bekannter werden, wünscht sich Steiger, weil viele junge Mütter und Väter sowie auch in Frage kommende Ausbildungsbetriebe noch nichts von der Regelung wissen.
Und das, obwohl eine betriebliche Ausbildung in Teilzeit bereits seit 2005 möglich ist. Die Auszubildenden absolvieren dabei das reguläre Berufsschulpensum. Die Arbeitszeit im Ausbildungsbetrieb ist reduziert und kann je nach Branche flexibel gestaltet werden. Die Rahmenbedingungen dafür regelt das Berufsbildungsgesetz.

Josefine Steiger, Ausbildungsexpertin bei der IHK Schwaben, informiert zur Teilzeitausbildung und den Chancen sowohl für Auszubildende als auch für Betriebe:

Wie funktioniert eine Teilzeitausbildung?

J. Steiger: Meist wird die wöchentliche Arbeitszeit auf 25 bis 30 Stunden in der Woche reduziert. Bei einem Schulabschluss wie Abitur oder Mittlerer Reife bzw. Berufspraxis bleibt die Ausbildungsdauer im Normalfall bei drei Jahren, bei Hauptschülern verlängert sie sich entsprechend der wöchentlich reduzierten Arbeitszeit. Die Teilzeitausbildung soll vor allem jungen Müttern ermöglichen, einen Beruf zu erlernen. Sie richtet sich aber auch an Personen, die bereits eine Ausbildung begonnen haben, diese aber wegen Elternzeit oder der Pflege eines Angehörigen unterbrechen und den Wiedereinstieg planen.

Wer unterstützt Betriebe, die über eine Teilzeitausbildung nachdenken?

J. Steiger: Ideale Ansprechpartner sind hier die Ausbildungsberater der IHK, die vor allem bei der Gestaltung der Verträge helfen. Mit dem Bewerbungsmanagement der IHK Schwaben versuchen wir einen Teilzeit-Azubi genau passend zu einem Betrieb zu vermitteln.

Welche Chancen bietet die Teilzeitausbildung?

J. Steiger: Zum einen ist sie eine gute Alternative für Personen, die nicht Vollzeit arbeiten können. Hier sind auch Profisportler angesprochen, die wegen der intensiven Trainingsphasen nicht 40 Stunden pro Woche arbeiten können. Zum anderen kann die Teilzeitausbildung auch für kleinere Unternehmen sehr attraktiv sein. So kommt das Teilzeit-Modell für Betriebe in Frage, um Auszubildende gerade da gezielt einzusetzen, wo Not am Mann ist. Das betrifft hauptsächlich die Branchen Gastronomie an den Wochenenden oder den Handel in den Abendstunden. Unternehmen profitieren vom großen Engagement und der hohen Motivation ihrer Auszubildenden. Außerdem lässt sich durch diese alternative Ausbildungsform Mitarbeiter längerfristig ans Unternehmen binden und trägt zur Fachkräftesicherung bei. Aus meiner Sicht hat das Thema Potenzial für die Zukunft.

Wie sieht es finanziell aus?

J. Steiger: Die Teilzeit-Auszubildenden erhalten eine Ausbildungsvergütung von ihrer Ausbildungsstätte, die entsprechend der wöchentlichen Arbeitszeit reduziert ist. Die zuständige Agentur für Arbeit und die Jobcenter beraten über mögliche ergänzende Leistungen. Ferner können auch Kinder- und Wohngeld in Frage kommen. Auch Ausbildungsbetriebe können Förderprogramme in Anspruch nehmen.

Welche Probleme sehen Sie in der Vermittlung von Teilzeitauszubildenden?

J. Steiger: Leider gilt ein kleines Kind bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz noch immer als Handicap. Kind und Ausbildung unter einen Hut zu bringen, ist ein Balanceakt, den viele Arbeitgeber den jungen Müttern nicht zutrauen. Deshalb brauchen die jungen Mütter Berater und Türöffner.

Weiterveröffentlichungen:

Unser "Plus" kennzeichnet alle Beiträge, die durch den Abdruck bei unseren Partnerverlagen noch mehr Aufmerksamkeit bekommen.myheimat-Ratgebermagazin | Erschienen am 04.10.2012
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen Webseiten Senden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.

Meistgelesene Beiträge des Autors

1 Bild

IHK Schwaben präsentiert Trends bei Aus- und Weiterbildung im Handel

Heike Lasch aus Günzburg | am 24.07.2008 | 1106 mal gelesen

Auch Groß- und Einzelhandel brauchen gute Azubis. Dies ist eine der Schlussfolgerungen der IHK Schwaben. Einzelhandel stellt vermehrt Auszubildende ein Die Einstellungen von Auszubildenden hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Das Ergebnis: Der Handel bildet stärker aus als andere Branchen. So wurden beispielsweise 2005 in ganz Schwaben 736 Auszubildende als Einzelhandelskaufleute eingestellt, während es...

1 Bild

Bildung eröffnet Perspektiven - Verleihung der „IHK-Preise 2008 – Weiter mit Bildung“

Heike Lasch aus Günzburg | am 18.11.2008 | 961 mal gelesen

„Wir – der Wirtschaftsstandort Schwaben – profitieren von Ihrer Qualifizierung, Ihrem Engagement und Ihrer Top Leistung. Sie garantieren, das, was die Wirtschaft am dringendsten braucht: Fachkräfte – Top qualifizierte Mitarbeiter“, so IHK-Vizepräsident Ernst Holme in der IHK-Veranstaltung am 13. November 2008 in Augsburg. Er gratulierte den Preisträgern im Namen der gesamten schwäbischen Wirtschaft und dankte für das große...

2 Bilder

Herbstvollversammlung 2008 IHK

Heike Lasch aus Günzburg | am 01.12.2008 | 885 mal gelesen

IHK beschließt umfassende Beitragsreform In ihrer Herbstsitzung hat die Vollversammlung der Industrie- und Handelskammer (IHK) auf Vorschlag einer ehrenamtlichen Arbeitsgruppe Ende November in Augsburg eine grundlegende sowie mittel- und langfristig ausgerichtete Beitragsreform für das Jahr 2009 beschlossen. Ziel ist neben der Senkung der Beiträge eine Vereinfachung der Verwaltungsprozesse und damit eine...

Ähnliche Beiträge

1 Bild

Ehrenamt ist nicht selbstverständlich, aber eminent wichtig

Heike Lasch aus Günzburg | am 22.03.2013 | 149 mal gelesen

IHK-Prüferehrung Westschwaben, Memmingen und Unterallgäu Bei der IHK-Prüferehrung für Westschwaben, Memmingen und Unterallgäu im Meinl Hotel & Restaurant in Neu-Ulm am 13. März 2013 standen über 77 Prüferinnen und Prüfer im Fokus der Veranstaltung. Zusammengezählt ergab die ehrenamtliche Arbeit, allein der Jubilare, die für ihr 30-Jähriges geehrt wurden, zusammen 549 Jahre – eine unvorstellbar hohe Zahl. Das...

1 Bild

Ganz ohne Frauenquote: Die IHK Schwaben gratuliert Hannelore Leimer, der ersten Präsidentin einer Industrie- und Handelskammer in Deutschland, zu ihrem 75. Geburtstag

Heike Lasch aus Günzburg | am 26.04.2013 | 99 mal gelesen

„Wenn es bei meiner Wahl zur Präsidentin eine Frauenquote gegeben hätte und ich aufgrund der Quote ins Amt gewählt worden wäre, hätte ich abgelehnt. Wir brauchen in der Tat in den Führungsetagen eine ausgewogene Mischung von männlichen und weiblichen Managementattributen. Eine Quote aber ist der falsche Weg. In erster Linie geht es darum, dass Frauen sich zur unternehmerischen Verantwortung bekennen und diese auch wollen...

1 Bild

IHK-Wahl: 523 Unternehmer wollen sich für die Wirtschaft engagieren

Heike Lasch aus Günzburg | am 23.04.2013 | 103 mal gelesen

Kandidatenliste wird vom IHK-Wahlausschuss verabschiedet Für die Wahl der IHK-Regionalversammlungen haben sich 523 Unternehmer aus Bayerisch-Schwaben als Kandidaten aufstellen lassen – für insgesamt 339 Sitze in der Region. Dies gab der IHK-Wahlausschuss, bestehend aus der IHK-Ehrenpräsidentin Hannelore Leimer und Leonhard Dunstheimer, Ehrenmitglied der IHK-Vollversammlung, sowie IHK-Hauptgeschäftsführer Peter Saalfrank,...