Bayerische Impfwoche
In dieser Woche findet die zweite bayerische Impfwoche statt. Sie wurde ausgerufen von der Landesarbeitsgemeinschaft „Impfung“ und dem bayerischen Gesundheitsministerium. In der Eingangshalle des Landratsamts hat das Gesundheitsamt Günzburg einen Informationsstand aufgebaut. Die Gesundheitswoche und der Informationsstand haben das Ziel, der Bevölkerung die Bedeutung von Impfung bewusst zu machen. Pfarrer Kneipp hatte im Hinblick auf das damals geltende Impfgesetz, das Impfzwang beinhaltete, geschrieben: „Ein Impfzwang ist nie gerechtfertigt, mag man noch so viele Zweifel zu seinen Gunsten ins Feld führen wollen. Denn man hat ebenso viele Gegenbeweise.“ Pfarrer Kneipp glaubte sogar, dass die Impfung eine verkehrte Immunisierung ist. Es entstünde der Eindruck, dass ein Giftstoff im Blut entsteht, der Schäden für das ganze Leben herbeiführen kann. Vielleicht ist sogar durch Impfung der Grund zu vielen Krankheiten herbeigeführt, anstatt beseitigt zu sein. Zur damaligen Zeit gab es nur die Pockenimpfung, die aus heutiger Sicht unter abenteuerlichen Bedingungen durchgeführt wurde. Gerade die Pocken zeigen aber den Wert einer Impfung. Über Jahrzehnte hinweg und weltweit konsequent durchgeführt hat die Pockenimpfung dazu geführt, dass diese Geißel der Menschheit ausgerottet ist.
Heutzutage sind Impfungen gut verträglich, zeigen nur sehr selten Nebenwirkungen und führen nicht zum Tode. Da aufgrund von Impfung eine Reaktion des Körpers zum Schutz über Jahre hinweg erwartet wird, muss man als Gegenreaktion des Körpers auch kurzzeitig mit Schlaffheit, Müdigkeit, leicht erhöhter Temperatur und Missempfindungen an der Impfstelle rechnen. All dies ist weit weniger schlimm als die tatsächliche Erkrankung durchstehen zu müssen.
Im Rahmen der Impfwoche 2011 werden Keuchhusten und Masern besonders betrachtet. Die Physikatsberichte, Aufzeichnungen der damaligen Amtsärzte, weisen für das Jahre 1852 allein im Altlandkreis Günzburg 94 Todesfälle an Keuchhusten aus, 17 Todesfälle im Jahr 1959. Auch die Masern hatten 15 Todesfälle im Jahre 1852 bedingt, im Jahr 1856 sieben Todesfälle. Der flächendeckenden Impfung ist zu verdanken, dass seit vielen Jahren dem Gesundheitsamt Günzburg überhaupt keine Todesfälle an Masern oder Keuchhusten gemeldet wurden, und nicht nur bezogen auf den Altlandkreis Günzburg, sondern für den gesamten Landkreis. Kinderkrankheiten, auch Masern und Keuchhusten, sind bei weitem nicht so harmlos wie man meint.
Im Kleinkindalter sind die Durchimpfungsraten im Landkreis Günzburg sehr gut. Hier wird im Rahmnen der Vorsorgeuntersuchungen vom Kinder-oder Hausarzt immer wieder an die Impfungen erinnert. Auffrischimpfungen werden aber mit zunehmendem Lebensalter vergessen. Sie sind aber notwendig, um dauerhaften Schutz zu sichern, nicht nur für den Einzelnen sondern auch für die Bevölkerung.
Die Weltgesundheitsorganisation möchte die Masern weltweit ausrotten. Hierfür ist das gleiche Verfahren angedacht, das bereits zur Ausrottung der Pocken durchgeführt wurde und im Falle von Kinderlähmung den Erfolg gezeigt hat, dass seit Jahren kein einziger Fall im gesamten Bundesgebiet mehr aufgetreten ist. „Hierzu ist die Mithilfe aller nötig“ erklärt Dr. Roland Schmid, Leiter des Gesundheitsamts Günzburg. „Impflücken können fatale Folgen haben und immer wieder zum epidemieartigen Auftreten in einer Bevölkerungsgruppe und zu Behinderung bei nicht Geimpften führen“. Dr. Schmid bittet deshalb, diese bayerische Impfwoche zum Anlass zu nehmen, den Kinder- oder Hausarzt zur Impfpasskontrolle aufzusuchen und die aus wissenschaftlicher Sicht nötigen Impfungen durchführen zu lassen.

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