Stefan Eck:"Für die Presse sind wir Exotisch"- Ein Gespräch mit dem EU Parlamentarier Stefan Bernhard Eck von der Partei Mensch- Umwelt- Tierschutz über die Europawahl

Romus Cernea aus Rumänien mit Stefan Eck im Gespräch (Foto: Privat)
 
Stefan Eck (Foto: Privat)
Er hat für die Tierschutzpartei bei der Europawahl den Sprung in das Europäische Parlament geschafft. Der 58 jährige Stefan Bernhard Eck. Wie Stefan Eck die Wahl erlebt hat, und was er für Erfahrungen während und nach der Wahl erfahren hat, das hat er mir trotz Interviewstreß in einem Interview beantwortet.

Thomas Rank: Wenn ich unsere Politiker im Fernsehen so höre, hat wieder jeder die Wahl gewonnen. Wie sehen Sie das?

Stefan Eck:Dieses Mal haben wir alle die Europawahl verloren, denn die rechten und europafeindlichen Parteien haben zugelegt. Dass sich nach einer Wahl alle Parteien gut in der Öffentlichkeit verkaufen wollen – ganz egal, wie das Ergebnis ausgefallen ist – dürfte doch niemand mehr verwundern. Das gehört zum politischen Geschäft.

Thomas Rank: Dier Tierschutzpartei hat ja 0,1% hinzugewonnen. Sind sie damit zufrieden?

Stefan Eck:Nein, überhaupt nicht! Ein deutliches Zeichen, dass noch viel Überzeugungsarbeit vor uns liegt. 98,8 Prozent der Wähler/innen haben wir nicht erreicht – trotz Gammelfleisch-Skandale, trotz vermehrter Medienberichte über die tierquälerischen Zustände in der Massentierhaltung, trotz Antibiotika-Hühnerfleisch, trotz aufziehender Klimakatastrophe, trotz massivem Artenaussterben. Wir hatten mit zwei Mandaten gerechnet, aber das Gros der Wähler/innen scheint noch nicht die Zeichen der Zeit interpretieren zu können oder zu wollen.

Thomas Rank: Ein Sitz im Europäischen Parlament ist der Tierschutzpartei sicher. Wie war die Stimmung auf der Wahlparty?

Stefan Eck:Den Umständen entsprechend – bei zwei Mandaten hätten die Sektkorken geknallt; so blieben wir bei Selters, Saft und Bier. Aber alle Anwesenden haben sich gefreut, dass wir nun in Brüssel vielleicht etwas bewegen können. Als die Ergebnisse für unsere Kandidaten bei der Kommunalwahl in Düsseldorf und Magdeburg feststanden, wurde die Stimmung richtig gut. In beiden Städten haben wir nun Parteimitglieder im Stadtrat. Außerdem feierten wir ja auch noch das Ergebnis unserer niederländischen Schwesterpartei, der Partij voor de Dieren (Partei für die Tiere) nach; auch sie hatten ein Mandat in Brüssel gewonnen – 3 Tage zuvor.

Thomas Rank: Wie wird sich die Tierschutzpartei in der Europapolitik einbringen?

Stefan Eck:Wir wollen zu diesem Themenbereich Impulse geben, die anderen Abgeordneten ansprechen und zum Hinterfragen ihrer Positionen anregen. Selbstverständlich wollen wir auch eigene Anträge einbringen und uns an den Entscheidungsprozessen sachlich und konstruktiv beteiligen.

Thomas Rank: Was wird die Partei weiterhin tun, um Leid der Tiere zu lindern?

Stefan Eck:Hart arbeiten und nicht locker lassen!

Thomas Rank: Werden Sie Rumänien in Straßburg zum Thema machen ( können)?

Stefan Eck: Wenn es möglich ist, ja. Vor allem wollen wir die Abgeordneten zuerst einmal darüber aufklären, was in diesem osteuropäischen Land unschuldigen Lebewesen angetan wird. Ich glaube, dass ist vielen Parlamentariern nicht bekannt.

Thomas Rank :Sie bekommen gerade jede Menge Interviewanfragen. Sind sie überrascht?

Stefan Eck: Nein. Für die Presse sind wir „exotisch“, das verkauft sich besser als die übliche 0815-Politik. Ich glaube nicht, dass jeder gewählte EU-Kandidat in Deutschland so viele Interviews wie ich führen musste. Es war schon etwas stressig!

Thomas RankGab es auch schon negative Erfahrungen mit der Presse?



Stefan Eck: Ja. Man versucht hin und wieder, uns vorzuführen. Das erkennt man sehr leicht an den Fragestellungen. Ich habe letzte Woche ein Interview mit dem Spiegel nicht autorisiert, nachdem ich es mir nochmal in aller Ruhe durchgelesen und erkannt habe, worin die Intension des Journalisten lag. Während des Interviews war mir dies nicht aufgefallen; wahrscheinlich war ich ein wenig unkonzentriert durch die vielen Anfragen und Interviews, die diesem vorausgingen. Ich denke, dass man in einem demokratischen Land das Recht haben sollte, ein Interview vorab abzulehnen oder später nicht zu autorisieren, wenn man seine Probleme mit den Fragestellungen oder der politischen Ausrichtung einer Zeitung oder eines Magazins hat. Für mich ist der Spiegel übrigens das beste Magazin Deutschlands und ich lese ihn seit meinem 15. Lebensjahr. Aber auch der Spiegel kann mal daneben liegen. Er wird auch weiterhin zu meiner Lektüre gehören.
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1 Kommentar
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Andreas aus Niedersachsen aus Laatzen | 04.06.2014 | 23:08  
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