CSU-Bundestagsabgeordneter Dr. Georg Nüßlein beim Besuch in der Praxis
Die Abrechnungspraxis Gesetzlicher Krankenkassen gefährde die Standorte von Heilmittelerbringern im ländlichen Raum. Das war die Botschaft an den heimischen Bundestagsabgeordneten Dr. Georg Nüßlein (CSU) bei einem politischen Besuch einer Praxis für Physiotherapie in Günzburg. "Heilmittelerbringer" sind beispielsweise Physiotherapeuten, die Rücken- oder Gelenkschmerzen behandeln, Podologen, die Fußleiden bekämpfen, oder Logopäden, die mit Patienten eine Sprachtherapie machen. Ihnen wird aktuell die Bezahlung vorenthalten, wenn ein Rezept nicht auf Punkt und Komma korrekt ist.
Große städtische Praxen könnten es sich eher leisten, jemanden zu beschäftigen, der sicherstellt, dass die formalen Ansprüche der Krankenkassen erfüllt werden, so Nikolaus Färber von der Günzburger Praxis Färber & Rausch. Bei kleinen ländlichen Praxen ginge das nicht. Beide müssten auf Umsatz verzichten, aber bei den kleinen gehe es um die Existenz. Mit diesem Problem hatten sich die Günzburger Physiotherapeuten an den Abgeordneten gewandt und waren dann schon etwas überrascht, als Nüßlein die Sommerpause des Parlaments für einen Besuch vor Ort nutzte.
Rocco Caputo vom Verband der Physiotherapeuten (ZVK) brachte Beispiele: Der Arzt füllt das dafür notwendige Verordnungsformular, das zweifelsfrei alle notwendigen Informationen für die Behandlung enthält, aus, vergisst aber ein Kreuzchen. Wegen dieses zu vernachlässigenden kleinen Formfehlers würden sich einige Krankenkassen weigern, den Therapeuten das ihnen für diese Leistung zustehende Honorar auszuzahlen. Die Praxen bekämen ihr Geld nicht einmal dann, wenn der Arzt sein Kreuzchen im Nachhinein setzt. Ergebnis: Weniger Geld und mehr Frust beim Therapeuten, mehr Geld in der Kasse der Kasse. Der Leidtragende sei der Patient, der wegen des „hohen Verwaltungsaufwandes“ oft keine neue Verordnung erhalte.
Nüßlein machte klar, dass dies keine Festlegung des Gesetzgebers sei, „wie so vieles, was im Gesundheitswesen für Ärger sorgt". Deshalb wird sich der Abgeordnete erst einmal nur mit einem schriftlichen Appell an Kassen und Verbände wenden, um die Strukturen auf dem Lande zu sichern.
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