"Günzburg bewegt sich!" - Ein Interview mit OB Gerhard Jauernig

Seit 2002 OB von Günzburg: Gerhard Jauernig (Foto: Stadt Günzburg)
 
OB Jauernig präsentiert das Familienförderprogramm der Großen Kreisstadt (Foto: Stadt Günzburg)
 
Gerhard Jauernig begrüßt rund 100 Personen zum 1. Neubürgerempfang (Foto: Stadt Günzburg)

Seit Mai 2002 leitet Gerhard Jauernig die politischen Geschicke der Großen Kreisstadt Günzburg. Bei den Kommunalenwahlen im nächsten Jahr wird er wieder als Bürgermeisterkandidat antreten, denn sein Ziel ist, "Günzburg als Stadt weiterentwickeln".
Simone Fehling führte mit OB Jauernig ein Interview, in dem es u.a. um die Entwicklung der Stadt Günzburg seit seinem Amtsantritt, die wichtigsten Projekte 2007, den Klimaschutz sowie die anstehenden Kommunalwahlen 2008 ging.


myheimat: Herr Jauernig, Sie sind nun seit dem Jahr 2002 Oberbürgermeister der Stadt Günzburg. Wie hat sich Günzburg seit dem Beginn Ihrer Amtszeit entwickelt?

Gerhard Jauernig: Günzburg hat sich in den zurückliegenden Jahren wirtschaftlich und gesellschaftspolitisch prächtig entwickelt. Besonders freut es mich, dass es durch eine konsequente Baulandpolitik gelungen ist, Neubaugebiete auszuweisen. Für junge Familien steht erstmals in der Geschichte der Stadt ein kommunales Bau-Förderprogramm zur Verfügung. Besonders sichtbar wird diese Entwicklung im Baugebiet Schopfelerberg und auf dem Gelände der ehemaligen Firma esbi an der Ichenhauser Straße. Dort gelang es, eine Jahrzehnte lang brachliegende Gewerbefläche in Bauland umzuwandeln. Der neu gestaltete Werkkanal fügt sich malerisch in sein Umfeld ein – eine ideale Verbindung zwischen Weststadt und Zentrum ist entstanden.
Der Wirtschaftsstandort Günzburg hat seit Beginn meiner Amtszeit deutlich an Magnetkraft gewonnen. Durch zahlreiche Investitionen in der Altstadt und enge Kooperation zwischen Wirtschaft und Stadtverwaltung gelang es, das Erscheinungsbild der Innenstadt zu verbessern, den örtlichen Handel zu stärken und die Günzburger Innenstadt zu einer der schönsten Altstädte Schwabens weiterzuentwickeln. Mit der Ansiedlung von Legoland Deutschland ergaben sich neue Chancen für die Stadt und die Region. Diese Herausforderung haben wir erfolgreich gemeistert. Die Übernachtungszahlen allein in Günzburg haben sich um ca. 35 % erhöht und mit den zahlreichen Gästen sind auch Kaufkraft und Wertschöpfung in unsere Stadt gekommen. Wir wollten unsere Zukunft aber nicht nur auf Legosteine bauen, deshalb haben Ansiedlungen von mittelständischen Betrieben und Konzernen sowie Neueröffnungen zahlreicher Geschäfte dafür gesorgt, dass neue und qualifizierte Arbeitsplätze in Günzburg geschaffen wurden. Ich nenne stellvertretend nur das Engagement der Firma
Bosch Rexroth Hydromatik, den Pharmazie-Logistiker Gehe und den Möbelgiganten Innovation.

myheimat: Welche Themen und Projekte prägten Günzburg im vergangenen Jahr 2007?

Gerhard Jauernig: Besonders stolz konnten wir zu Recht über den Neubau unserer Grundschule Südost sein. Die Kinder, in deren Zukunft wir hier investieren, bekamen eine wunderbare, zeitgemäße, moderne Schule, mit deren Bau der Beweis gelungen ist, dass Umweltschutz und Wirtschaftlichkeit durchaus in Einklang zu bringen sind. Die Stadt Günzburg ist bayernweit Vorbild! Zwei Zahlen belegen dies sehr eindrucksvoll: Wir haben bei diesem Objekt, dessen Entwurf im Rathaus entstanden ist, einen umbauten Raum, der dem von 22 Einfamilienhäusern entspricht und lediglich einen Energiebedarf von zwei Einfamilienhäusern – gegenüber einer Standardbauweise liegt der Energiebedarf um ca. 86 % darunter. Das ist Spitze, spart Steuergelder und schont die Umwelt!

myheimat: Welche Themen sind im Jahr 2008 für Günzburg von Bedeutung?

Gerhard Jauernig: Die Kommunalwahlen 2008, in denen der Kreistag, Stadtrat, Landrat und Oberbürgermeister gewählt werden, sind im Frühjahr ein wichtiger Termin. Unabhängig davon stehen wichtige Weichenstellungen an. Wir wollen am Günzburger Bahnhof, der mit einem Kostenvolumen von rd. 8,4 Mio. Euro erst vor Kurzem von der DB behindertengerecht und barrierefrei ausgebaut wurde, eine Mobilitätsdrehscheibe etablieren. Die Modernisierung städtischer Wohnungen steht ebenso an, wie die Millionensanierung unserer Brücke
über die Heidenheimer Straße. Und bei all dem müssen wir darauf achten, dass wir mit den finanziellen Mitteln sinnvoll haushalten. Es wird gelingen!

myheimat: Bei der nächsten Kommunalwahl im März 2008 treten Sie wieder als Oberbür-germeisterkandidat der SPD an. Können Sie unseren Lesern in kurzen Worten Ihr Programm vorstellen?

Gerhard Jauernig: Ich möchte Günzburg als Stadt weiterentwickeln und dabei, wie bisher, möglichst viele einbinden. Das heißt für mich, auch in Zukunft ein verlässlicher Partner für die Wirtschaft, die Vereine und alle Menschen in unserer Stadt zu sein.
Neben der Modernisierung der Maria-Theresia-Volksschule und der Stärkung unserer Stadtteile plane ich auch den Neubau einer Zweifachturnhalle. Dafür gibt es einen Bedarf, ich sehe meine Aufgabe darin, für diese Idee Begeisterung zu wecken. Das Lenken der Verkehrsströme durch und um Günzburg herum stellt eine große Herausforderung dar, die Weststadt muss vom Verkehr entlastet und die anstehende Konversionsmaßnahme des Fliegerhorts Leipheim in enger Abstimmung mit den Nachbargemeinden klug entwickelt werden. Ein interkommunales Gewerbegebiet zusammen mit Leipheim und Bubesheim ist dabei eine sinnvolle Perspektive.

myheimat: Warum sollten die Günzburger Ihnen erneut das Vertrauen schenken?

Gerhard Jauernig: Günzburg bewegt sich! Das Amt gibt mir die Gelegenheit, federführend an der Weiterentwicklung unserer Stadt zu arbeiten. Dies möchte ich mit viel Schwung und guten Ideen auch nach dem 2. März 2008 tun. Der Wähler möge entscheiden!

myheimat: Anfang des Jahres 2007 wurde Günzburg als Standort für eine Außenstelle der privaten Fachhochschule für angewandtes Management in Erding ausgewählt. Welche Rolle haben Sie als Oberbürgermeister und die heimische Wirtschaft bei der Ansiedlung gespielt?

Gerhard Jauernig: Um den Sitz dieser wichtigen Bildungseinrichtung haben sich weitere Städte beworben. Wir haben das Rennen gemacht – darauf können wir stolz sein! Möglich wurde dies durch großes ideelles und finanzielles Engagement der regionalen Wirtschaft und der Tatsache, dass alle politischen Kräfte an einem Strang zogen, um das Ziel zu erreichen, die FH nach Günzburg zu holen. Ich selbst reiste nach Erding und konnte dem Präsidenten der FH, Herrn Professor Dr. Dr. Werner, im Namen der Stadt das Angebot unterbreiten, in unserem historischen Dossenbergerhaus Räume für den Studienbetrieb zur Verfügung zu stellen. Ich bin mir sicher, das war ein entscheidendes Kriterium für die Standortwahl. Unser Landrat Hubert Hafner sowie der Abgeordnete des Bayerischen Landtags Alfred Sauter warben stark für Günzburg. Noch vor Jahren unvorstellbar: In der größten Kleinstadt Bayerns können wir nicht nur gut leben, wohnen und arbeiten, sondern auch studieren.

myheimat: Welche Möglichkeiten für Günzburg ergeben sich Ihrer Meinung nach durch die Ansiedlung der Außenstelle der Fachhochschule Erding?

Gerhard Jauernig: Die Konzeption der Fachhochschule ermöglicht ein Studium im dualen System. Demnach können StudentInnen entweder berufsbegleitend studieren oder im Rahmen des praxisorientierten Studiums beispielsweise in Günzburger Unternehmen ihre Praktikumszeiten absolvieren. Zukünftige Führungskräfte müssen für das Studium nicht Günzburg verlassen, sondern können durch die Ansiedlung der Außenstelle der FH in Günzburg studieren und entwickeln sicherlich eine größere persönliche Bindung zu Günzburg selbst. Es ist naheliegend, dass angehende Führungskräfte während und im Anschluss an das Studium sowohl den beruflichen als auch privaten Wirkungskreis in Günzburg verfestigen und eine verstärkte – im Idealfall sogar lebenslange – tragfähige Regionalbindung entwickeln.
Neue Geschäftsfelder können beispielsweise erschlossen werden. Insgesamt ist eine Symbiose zwischen den heimischen, bereits etablierten Wirtschaftsunternehmen und neuen, innovativen Existenzneugründungen zu erwarten.
Die Ansiedlung der Fachhochschule ist auf jeden Fall ein großer Imagegewinn mit weitreichenden Auswirkungen auf nahezu alle Lebensbereiche.

myheimat: Was ist Ihre Vision einer zukunftstauglichen Stadt in 20 bis 30 Jahren?

Gerhard Jauernig: Meine Vision einer zukunftstauglichen Stadt ist, dass Günzburg in 20 bis 30 Jahren von seinen Bürgern als lebens- und liebenswerte Kommune empfunden wird, eine Stadt mit Herz, in der Jung und Alt sich wohlfühlen und die Partnerschaft innerhalb der Bevölkerung generationsübergreifend gelebt wird.

myheimat: Was wünschen Sie sich und den Günzburgern für das Jahr 2008?

Gerhard Jauernig: Jeder Einzelne hat seine persönlichen Wünsche für das neue Jahr. Das Entscheidende jedoch sind Gesundheit und Frieden, und genau das wünsche ich allen Mitbürgerinnen und Mitbürger für das neue Jahr 2008.

myheimat: Herr Jauernig, vielen Dank für dieses Interview.

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