2.700 Azubis in 1.200 Betrieben: Tendenz der Ausbildungszahlen in der Freizeitbranche weiter steigend
Nach Metall und Handel: Freizeitbranche an dritter Stelle auf der Beliebtheitsskala bei jungen Auszubildenden
Trotzdem: Nachwuchs dringend gesucht. 205 offene Lehrstellen in Bayerisch-Schwaben
Menschen für den perfekten Urlaubstag:
Wenn der Golfball leise „Plopp“ sagt und der Spieler mit einem guten Score zufrieden den Platz verlässt, dann ist dafür nicht alleine sein sportliches Können verantwortlich, sondern vor allem jede Menge Menschen im Hintergrund: Der Golflehrer mit dem letzten Schliff für den richtigen Schwung, der Greenkeeper mit dem kurzen Schnitt fürs schnelle Fairway, die freundliche Bedienung mit dem spritzigen Trunk im Clubhaus, der Chef de Cuisine mit den kraftvollen Vitaminen im knackigen Salat, die Rezeptionistin im Hotel, die jeden Wunsch von den Augen abliest, die Physiotherapeutin mit dem richtigen Druck an den Stellen wo´s zwickt und die Kosmetikerin mit der kühlen Maske für den frischen Teint. Alles Menschen, die zusammen den rundum perfekten Urlaubstag schaffen – Menschen, die für den Mitarbeiterstab eines modernen Tourismus- und Hotelbetriebes notwendig sind.
Der Tourismus- und Hotelbetrieb Hanusel-Hof in Weitnau-Hellengerst:
Wichtige Stütze im Mitarbeiterstab des Hanusel-Hofes im Allgäu ist der Nachwuchs, auf den der Betrieb seit 1997 setzt. 19 junge Menschen wurden bis heute im Hotel und im Restaurant ausgebildet. Derzeit hat der Betrieb fünf Azubis beschäftigt und ist für die IHK Schwaben ein Best-Practice-Beispiel.
Der Hanusel-Hof wird von den Brüdern Wolfram, Frank und Marcus Rainalter geführt, die in den 80er-Jahren quasi die Branche gewechselt haben. Sie gaben den Landwirtschaftsbetrieb der Eltern auf und sattelten zunächst auf Golf, dann zusätzlich auf einen dem Golfplatz angeschlossenen Hotel- und Restaurantbetrieb um. Heute ist der Hanusel-Hof ein Freizeit- und Touristikbetrieb, der Beschäftigung für die verschiedensten Berufszweige bietet. „Gerade durch unser Umsatteln haben wir am eigenen Leib erfahren, wie wichtig eine solide Ausbildung ist, wie wichtig Kompetenz und ein gutes Miteinander der Kollegen in einem komplexen Unternehmen sind. Uns liegt am Herzen, aus jedem Mitarbeiter das Beste heraus zu holen. Priorität bei den jungen Auszubildenden hat für uns die Vermittlung von Freude und Spaß am Beruf. Nur zufriedene Mitarbeiter schaffen einen zufriedenen Gast, der gerne wieder kommt.“, so Marcus Rainalter, Geschäftsführer des Hanusel-Hofes.
Berufsbilder in Restaurant, Hotel und Sport:
Zwölf verschiedene Berufsbilder bietet zurzeit die Branche Freizeit und Tourismus. Vom Systemgastronomen über den Koch bis zum Hotelfachmann / -frau, vom Sport- und Fitnesskaufmann / -frau über den Veranstaltungsexperten bis hin zum Kaufmann / -frau für Gesundheitswesen. Die Palette liest sich spannend – alles attraktive Berufe an Stellen, wo andere Urlaub machen.
Der Bedarf an Auszubildenden ist längst nicht gedeckt:
Viele qualifizierte Ausbildungsstellen in der Freizeitwirtschaft sind in Bayerisch-Schwaben für das Jahr 2009 noch nicht besetzt – exakt 205 an der Zahl. Dies mag am Rückgang der Schulabgänger liegen, aber auch an den besonderen Situationen der Berufsbilder in der Freizeitwirtschaft. Nicht jeder junge Mensch will dann arbeiten, wenn sein Freundeskreis feiert oder seinen Hobbies nachgeht. Arbeitszeiten am Abend, an Feiertagen und an Wochenenden halten viele junge Menschen von den Berufen ab.
Nachwuchsgewinnung – strategische Aufgabe der IHK Schwaben:
Dies alles sind Gründe, weshalb die IHK Schwaben die Nachwuchsgewinnung als strategische Aufgabe sieht. Mit einer kontinuierlichen Verbesserung der Arbeits- und Ausbildungsbedingungen könnten mehr Jugendliche für eine Ausbildung in der Freizeitwirtschaft begeistert werden. „Es geht einerseits um wichtige Zusatzangebote der Betriebe. So sollten ergänzende Fortbildungen in Fremdsprachen, Management und Recht angeboten werden. Andererseits geht es aber vor allem um das Zwischenmenschliche. Die jungen Mitarbeiter sollten eine entsprechende Wertschätzung erfahren und vollwertig in bestehende Teams integriert werden. Denn nur begeisterte Mitarbeiter sind gute Gastgeber für unsere Kunden und Gäste.“, so Dr. Petra Löwenthal, Vorsitzende des IHK-Ausschusses für Freizeitwirtschaft. Als Geschäftsführerin des Skylineparks in Bad Wörishofen ist sie Profi der Branche und weiß um die Bedürfnisse von Mitarbeitern und Gästen genauestens Bescheid.
Q4U: Plattform für Azubis aus dem Allgäu
„Q4U“ steht als Kürzel für „Qualität für Dich“. Das brandneue Internetportal richtet sich vor allem an die Auszubildenden der Hotellerie, Gastronomie und Freizeitwirtschaft im Allgäu, die über http://www.q4u-allgaeu.de ihre Erfahrungen, Anregungen und Wünsche austauschen können. Wenn ein Betrieb „Farbe“ bekennt und den zehn vorformulierten Grundsätzen in der Ausbildung zustimmt, ist er frei gegeben für die Bewertung der Azubis. Zu den Grundsätzen gehören beispielsweise der offene und respektvolle Umgang mit den Mitarbeitern, das Sammeln von Erfahrungen in anderen Betrieben, das frühzeitige Erstellen von Dienstplänen sowie eine Art „Mentoren-Programm“, das heißt, dass jeder Auszubildende im Betrieb ein konkreter Ansprechpartner bei Fragen und Problemen zugeteilt wird.
XChange: Grenzübergreifende Ausbildung
Andere Länder, andere Sitten, andere Arbeitswelt – die Möglichkeit eines berufsbezogenen Auslandsaufenthaltes gibt es mit Hilfe des EU-geförderten Programmes „XChange“. Vier Wochen lang können Auszubildende in einem branchenverwandten Betrieb in einem anderen EU-Land mit Hilfe von „XChange“ arbeiten – Azubi und Betrieb entstehen dabei keine Kosten.
Was tut die IHK Schwaben für die Qualität der Ausbildung?
„Handlungsorientiert ausbilden“ – dies ist Zielsetzung und Thema für Ausbildungslehrgänge und Seminare. Darüber hinaus bietet die IHK Ausbilder-Arbeitskreise, Prüferschulungen, Ausbildungsberatung, Weiterbildungsangebote und eine individuelle Branchenbetreuung. Die Nachwuchsgewinnung soll unter anderem durch Berufsinformationsmessen wie „fitforJOB“, Lehrstellen- und Last-Minute-Börsen angekurbelt werden. Als nächstes steht die Berufsoffensive Allgäu an, ein Gemeinschaftsprojekt der Allgäuer Zeitung mit der IHK Schwaben, die im Oktober 2009 startet. Die Vermittlung der Berufe in der Freizeitbranche steht hier im Mittelpunkt.
Ansprechpartner in der IHK Schwaben:
Josefine Steiger, Ausbildungsleiterin und –beraterin, Tel.: 0821-3162-328, E-Mail: josefine.steiger@schwaben.ihk.de, Jürgen Hero, Ausbildungsberater, Tel.: 08382-938355, E-Mail: juergen.hero@schwaben.ihk.de




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