Ja, der Winter ging zur Neige,
holder Frühling kommt herbei,
lieblich schwanken Birkenzweige,
und es glänzt das rote Ei.
Schimmernd wehn die Kirchenfahnen
bei der Glocken Feierklang,
und auf oft betretnen Bahnen
nimmt der Umzug seinen Gang.
Nach dem dumpfen Grabchorale
tönt das Auferstehungslied,
und empor im Himmelsstrahle
schwebt er, der am Kreuz verschied.
So zum schönsten der Symbole
wird das frohe Osterfest,
dass der Mensch sich Glauben hole,
wenn ihn Mut und Kraft verlässt.
Jedes Herz, das Leid getroffen,
fühlt von Anfang sich durchweht,
das sein Sehnen und sein Hoffen
immer wieder aufersteht!
Ferdinand von Saar 1833-1906
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Liebe Sabine,
nicht mehr ganz unsere heutige Sprache und Intention, aber doch sehr anrührend und gefühlvoll. Ein Kontrastpunkt zur Nüchternheit unserer Zeit, ansonsten einer der weniger bekannten Dichter. (Aber vielleicht täusche ich mich da, nur, weil er unter den sog. "Großen der Literatur" keine Rolle spielt)
ach wie schön stimmt hier der reim,
dazu fällt mir auch nur ein,
drum was von herrn Geibel anzufügt -
und wenn mich meine erinnerung nicht trügt,
handelt es sich um herrn Saars zeitgenossen,
dem da das aus der feder geflossen:
Ostermorgen
Die Lerche stieg am Ostermorgen
Empor ins klarste Luftgebiet
Und schmettert', hoch im Blau verborgen,
Ein freudig Auferstehungslied.
Und wie sie schmetterte, da klangen
Es tausend Stimmen nach im Feld:
Wach auf, das Alte ist vergangen,
Wach auf, du froh verjüngte Welt!
Wacht auf und rauscht durchs Tal, ihr Bronnen,
Und lobt den Herrn mit frohem Schall!
Wacht auf im Frühlingsglanz der Sonnen,
Ihr grünen Halm' und Blätter all!
Ihr Veilchen in den Waldesgründen,
Ihr Primeln weiß, ihr Blüten rot,
Ihr sollt es alle mitverkünden:
Die Lieb' ist stärker als der Tod.
Wacht auf, ihr trägen Menschenherzen,
Die ihr im Winterschlafe säumt,
In dumpfen Lüften, dumpfen Schmerzen,
Ein gottentfremdet Dasein träumt!
Die Kraft des Herrn weht durch die Lande
Wie Jugendhauch, oh laßt sie ein!
Zerreißt wie Simson eure Bande
Und wie die Adler sollt ihr sein!
Wacht auf, ihr Geister, deren Sehnen
Gebrochen an den Gräbern steht,
Ihr trüben Augen, die vor Tränen
Ihr nicht des Frühlings Blüten seht,
Ihr Grübler, die ihr fernverloren
Traumwandelnd irrt auf wüster Bahn,
Wacht auf! die Welt ist neugeboren,
Hier ist ein Wunder, nehmt es an!
Ihr sollt euch all' des Heiles freuen,
Das über euch ergossen ward!
Es ist ein inniges Erneuen
Im Bild des Frühlings offenbart.
Was dürr war, grünt im Weh'n der Lüfte,
Jung wird das Alte fern und nah,
Der Odem Gottes sprengt die Grüfte.
Wacht auf! Der Ostertag ist da.
Emanuel Geibel
Ein sehr tiefgehendes Gedicht, lieber Dietrich,
das zu Freude und Frohsinn aufruft! Auch sprachlich sehr interessant gemacht - trotz Reim und perfektem Bau der Strophen. Na, dann kann Ostern ja kommen - die Auferstehung des Herrn kommt in beiden Gedichten klar zur Geltung.
bei solch schönen gedichten,
da will sich schier die wolkendecke lichten
und hervor strahlt dann die liebe sonne
(der frau und auch dem mann zur wonne).
und alle knospen öffnen sich grün,
selbst die blumen wollen schon blühn.
auferstehung der natur!
ach mensch, wo bleibst du nur?
wo bleibst du nur so lange,
mit frösteln und in deiner bange -
auf der autobahn und in der warteschlange
in deinem reisedrange
nimmst du dich selber in die zange ...
(und jetzt mal kurz gelacht, und den schmarrn selber weitergedacht)
ES ist einfach herzerfrischend wie sich hier Reimer und Dichter frohen Mutes gegenüberstehen und ein jeder uns mit seiner eigenen Version beglücken will. Es ist Ihnen allen gut gelungen und Antrieb dazu erhielten Sie von Sabine. Daher gebührt ihr unser Dank. Frohe Ostern an alle.
ebenso dank (warum sollte man nicht seinen senf - mit allem respekt - zu beiträgen geben, gerade, wenn sie einem nicht wurscht sind?)
und dir, lieber Roland,
du hast recht:
1. diese lyrik aus dem 19. jahrhundert hat bestimmt ihren wert (ob nun Saar oder Geibel), aber sie ist eben von annodazumal. man sollte sich der denkungsart seiner zeit befleißigen - und in diesem sinne sich auch in seinem literaturverständnis doch wenigstens bis Brecht vorarbeiten ("... das Frühjahr kommt, wach auf du Christ ..."), vielleicht reicht's sogar bis Reiner Kunze ("Erster Frühlingstag: Frauen, ich seh euch fenster putzen ..."). ist natürlich alles nicht mehr so herzberührend.
2. deine feststellung zur höhenlage der beiträge, die man in myheimat absetzt, ist okay. myheimat ist ein forum des alltagsverstandes - auch diese formulierung mit allem respekt -, nicht geistiger höhenflüge (die ja eh immer nur vermeintlich solche sind).
3. ein gedicht ist wesentlich mehr als nur reimerei. (und was ich da so hingereimt habe, das halte ich nicht etwa auch nur annähernd für dichtung!
Dass unser Sehnen und unser Hoffen immer wieder auch mitten im Leben ganz neu aufersteht, das wünsch ich mir und uns allen. Fröhliche Ostern Ihnen, liebe Frau Sabine Mayer!
Sabine, ich lese sehr gerne Gedichte, so viel Gefühl kam zum Ausdruck in diese paar Zeilen.
Dietrich - Die Lerche ... ich stelle mir vor wie sie da stieg, da kann man ja nur Gänsehaut bekommen ...
ja, was soll man noch dazu sagen ... Ein Frohes Osterfest wünsche ich Euch alle !
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