Daniela Böhm:" Die Mahnwache dient vor allem dem Gedenken der Opfer"-Ein Interview mit der Tierschützerin zum Mahnwachenaktionstag

Daniela Böhm (Foto: Norbert Zawe)
 
Im Interview mit Daniela Böhm (Foto: Norbert Zawe)
 
(Foto: Norbert Zawe)
Am 17. und 18 Dezember wird die Tochter des Schauspielers Karlheinz Böhm, Daniela Böhm eine Mahnwache vor dem Münchener Schlachthof abhalten. Die Autorin, deren neues Buch ich in kürze Vorstelle, geht es hauptsächlich um das Gedenken an die Opfer. Was sie dabei erlebt, und wieviel Zuspruch sie während der rund 20 Stunden erfährt, aber auch die Haltung der Presse gegenüber ihrer Mahnwache, das hat Daniela Böhm in einem Interview erzählt.

Thomas Rank:Zum wievielten Mal machen Sie jetzt eine Mahnwache am Münchner Schlachthof?

Daniela Böhm:Am 17.und 18. Dezember findet in München die 7. Mahnwache statt. Damit verbunden ist der 4. Mahnwachenaktionstag, an dem sich diesmal achtzehn weitere Städte in Deutschland mit Mahnwachen vor Schlachthäusern beteiligen.

Thomas Rank:Was kann sich der Leser unter der Mahnwache vorstellen?

Daniela Böhm:Es ist eine Mahnwache im ursprünglichen Sinne und dient vor allem dem Gedenken der Opfer. Millionen sogenannter Nutztiere sterben tagtäglich für den Fleischkonsum des Menschen - ein Konsum, der absolut nicht notwendig ist, wie es mittlerweile Millionen von vegan lebenden Menschen auf der ganzen Welt beweisen. Bei der Mahnwache am Münchner Schlachthof brennen sehr viele Grabkerzen die ganze Nacht hindurch, bis zum nächsten Nachmittag. Viele Leute, denen die Tiere nicht nur als Haustiere am Herzen liegen, kommen extra vorbei, um selbst ein Licht anzuzünden und zu spenden, denn verbunden mit der Mahnwache ist eine Spendenaktion für Lebenshöfe. Auch aus diesem Grund heißen die Mahnwachen „Ein Licht der Hoffnung“ - es sind genauso Lichter der Hoffnung, die dort brennen.

Thomas Rank:Haben Sie mit der Mahnwache bereits etwas erreicht?

Daniela Böhm:Mir geht es in erster Linie um das Tun: Für die Tiere da zu sein und Aufmerksamkeit und Bewusstsein für ihr Leiden zu schaffen. Die Frage mit dem „etwas erreichen“ stellt sich für mich erst danach, aber ich kann sie nur mit Ja beantworten. Es bewegt sich jedes Mal etwas. Dadurch, dass der Münchner Schlachthof mitten in der Stadt liegt, bleiben immer wieder Passanten vor den Grablichtern und Bildern stehen. Wir verteilen sogenannte Handouts - worum es geht, weshalb wir hier stehen, etc. und auch die „Selbst wenn“-Broschüren der Albert Schweitzer Stiftung. Es entwickeln sich viele Gespräche und Diskussionen; vor allem war und ist es mir wichtig, in den Dialog zu gehen, auch mit Mitarbeitern des Schlachthofes. Natürlich bekommen wir manchmal Ablehnung zu spüren oder hören abfällige Kommentare. Im Großen und Ganzen werden die Mahnwachen jedoch positiv aufgenommen, gerade von den Menschen, die in unmittelbarer Nähe des Schlachthofs leben. In der Tierrechtsbewegung passiert gerade sehr viel. Es gibt die unterschiedlichsten Aktionen für Tiere, so viele, wie nie zuvor. Und das ist gut so, unbedingt notwendig, denn es ist wichtig, Aufmerksamkeit zu schaffen und für die Tiere und das Unrecht, das ihnen zugefügt wird, einzustehen. Es muss jenen Menschen bewusst vor Augen geführt werden, die noch immer nichts von ihrem immensen Leiden wissen wollen oder es verdrängen. Und dieses Leiden betrifft ja bei Weitem nicht nur die sogenannten Nutztiere - es ist ganz gleich wo man hinsieht, ob es die Pelzindustrie ist, ob es Tötungen von Straßenhunden sind, Tierversuche, Stierkämpfe und vieles mehr.

Thomas Rank:Erfahren Sie Unterstützung bei den Mahnwachen?

Daniela Böhm:Ja, von Anfang an. Als ich die erste Mahnwache am 22. Juli 2014 gemacht habe - sie dauerte 36 Stunden - regnete es fast ununterbrochen in Strömen. Ich habe eine unglaubliche Welle von Solidarität erlebt, von Freunden, aber auch von fremden Menschen, die alle kamen, um trockene Kleidung, Regenschirme, warmes Essen und heiße Getränke zu bringen, und halfen, die ständig ausgehenden Grablichter wieder anzuzünden.
Mittlerweile gibt es einen kleinen harten Kern für die praktische Organisation, aber auch viele andere wunderbare Menschen auf die ich vor Ort zählen kann. Das hilft sehr und ist tröstend, denn jeder, der einmal länger dort gestanden ist, weiß, wie sehr einen das an die Grenzen bringt. Man ist dem Leid der Tiere so nah, wenn die Lastwagen einfahren - man hört das verzweifelte Rufen der Rinder beim Entladen und wenn sie in der Schleuse auf ihren Tod warten müssen, man sieht ihre verständnislosen Blicke durch die Spalten der Transporter und fühlt mit den Schweinen mit, die tief in der Nacht gebracht werden, weil sie so laut schreien. Sie spüren es einfach.

Thomas Rank:Was bewegt Sie, solche Mahnwachen abzuhalten?

Daniela Böhm:Verzweiflung. Tiefste Verzweiflung über ein Grauen, das jeden Tag abermillionenfach auf diesem Planeten geschieht. Schlachthöfe sind Orte unbeschreiblicher Grausamkeit. Es sind Orte gegen das Leben - Endstationen einer subventionierten Vernichtungsindustrie - der Fleischindustrie. Und es geschehen so viel Missbrauch und Quälereien, Fehlbetäubungen und gravierende Verstöße gegen ein sogenanntes Tierschutzgesetz, wie es die Schlachthofskandale leider immer wieder beweisen.

Thomas Rank:Haben Sie Reaktionen seitens der Presse oder des Fernsehens erfahren?

Daniela Böhm:Es gab verschiedenen Zeitungen, die über andere Städte, die Mahnwachen organisiert hatten, berichtet haben. Die Münchner Presse hat uns bis jetzt totgeschwiegen - es gab nur einmal einen kurzen Bericht über das Schlachthofviertel, in dem sich der Journalist über uns lustig gemacht hat. Ich habe ihm darauf mit einem offenen Leserbrief geantwortet.

Der Leserbrief ist HIER zu finden


Thomas Rank:Sie sind viel in Sachen Tierschutz unterwegs. Was bewegt sie am Tierschutz?

Daniela Böhm:Was wir dringend brauchen, ist ein respektvoller Umgang mit den Tieren und die Anerkennung ihres naturgegebenen Rechts auf Leben, auch im juristischen Sinne. Sie waren schon lange vor uns Menschen da und halten das Gleichgewicht der Natur - ein Gleichgewicht, das der Mensch immer mehr zerstört. Wir können es uns nicht länger leisten, auf alten Glaubenssätzen zu beharren, nach dem Motto, der Mensch hat ja immer Fleisch gegessen, warum sollte er jetzt damit aufhören? Ganz einfach deshalb, weil wir diesen Planeten sonst zugrunde richten, wir sind ja schon dabei. Die Massentierhaltung verbraucht und vernichtet unglaubliche Ressourcen und zerstört kostbaren Lebensraum. Das ist mittlerweile eine wissenschaftlich anerkannte Tatsache. Und auch deswegen, weil weil wir uns weiter entwickeln und erkennen sollten, dass Tiere Mitbewohner auf dieser Erde sind. Die Erde gehört niemandem, sie ist einfach für alle da und jeder hat ein Recht darauf, hier zu sein, ganz gleich ob Zwei- oder Vierbeiner. Was mich antreibt ist eine ordentliche Portion Wut - die Wut darüber, dass sich der Mensch über Lebewesen stellt, die schwächer sind und gezwungener Maßen unter ihm leiden müssen. Ich wünsche mir eine glückliche und friedliche Welt für alle.

Thomas Rank:Was planen Sie als nächstes?

Daniela Böhm:Ein großer Teil meiner Arbeit ist das Schreiben über Tierrechte und Redebeiträge bei verschiedenen Veranstaltungen. Da steht meistens irgendetwas an. Im Augenblick plane ich zu Ostern auf jeden Fall wieder eine Aktion unter dem Motto: „Die Kirche hat die Tiere vergessen“.
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