Urban Priol: „Ich hätte mir eine Alleinregierung der CDU gewünscht“ Ein Interview mit dem Kabarettisten, der am 19.12.2013 im Ulmer CCU gastiert

Urban Priol im Interview. Kommt am 19.Dezember nach Ulm. Noch gibt es Tickets (Foto: Axel Hess)
 
(Foto: Axel Hess)
Er ist einer der größten Kabarettisten. 7 Jahre lang hat er „ Neues aus der Anstalt“ gemacht.
Kein Politiker ist vor ihm sicher. Urban Priol. Zur Zeit arbeitet er an einem neuen Format,dass ab Herbst 2014 im ZDF zu sehen sein wird. Wo Urban Priol auftaucht, sind Veranstaltungsräume sehr schnell ausverkauft, und das ohne viele Plakate. Auch in unsere Region kommt der Aschaffenburger Kabarettist. Am 19.12.2013 ist Priol im Ulmer CCU zu Gast. Noch gibt es Karten für das Ulmer Gastspiel.
Was Urban Priol vorhat, wie er über unsere Politik denkt, und auf was sich die Besucher freuen dürfen, darüber habe ich mit Urban Priol ein Interview geführt.

Thomas Rank: Seit 1998 sind sie Inhaber des Hofgartenkabaretts in Aschaffenburg. Was hat sie gereizt, das Hofgartenkabarett einzurichten?


Urban Priol: Ich hatte bereits 1988 in Obernburg in den Räumen der Musikschule ein kleines Kabarett. In Aschaffenburg stand dann ein Kino leer. Die Stadt signalisierte, dass sie darin gerne Kultur haben möchte. Da ich auch meiner Heimatstadt etwas zurückgeben wollte, habe ich das dann realisiert, und um manche zu erfreuen oder auch zu ärgern.


Thomas Rank: Finden sie nicht, dass es zu wenig Kabarett in den öffentlich rechtlichen gibt?


Urban Priol: Nein, im Gegenteil. Ich bin überrascht, dass das ZDF die Kabarettschiene auch in Zukunft ausbauen wird. Ich bin froh, dass ich damals mit „ Neues aus der Anstalt“ begonnen
habe. Das ZDF ist dem Kabarett relativ zugetan. Durch“ Neues aus der Anstalt“ begann das ZDF die Kabarettschiene kontinuierlich auszubauen, siehe „ Heute Show“ etc.


Thomas Rank: Wenn ich Sie Live erlebe, erweckt sich mir der Eindruck, Sie sind aktueller als die Tagesschau. Schauen Sie die vor Ihrer Show an?


Urban Priol: Ich schaue in der Pause die Tagesschau auf einem Tablet-PC an. Wenn es dann etwas Aktuelles gibt, binde ich das gleich in mein Programm ein. An dem Abend, als dies mit der Abhöraffäre von Merkels Handy bekannt wurde, habe ich das gleich ins Programm genommen.


Thomas Rank: Kommen wir zur Politik. Was haben Sie am Abend der Wahlen gedacht?


Urban Priol: Ich habe an dem Abend in Aschaffenburg moderiert. Ich habe mir eine Alleinregierung der CDU gewünscht, denn dann hätte Merkel das tun müssen, was sie schon seit Jahren sagt, nämlich regieren. Das Entsetzen das es zur absoluten Mehrheit nicht gereicht hat, war dann groß,
doch der Absturz der FDP hat mich dann wieder etwas versöhnlicher gestimmt.



Thomas Rank: Sie haben immer noch Franz Josef Strauß mit auf der Bühne. Warum?


Urban Priol: Ich wollte eigentlich Franz Josef Strauß nicht mehr bemühen, doch bei den Luschen-Politikern blieb nichts anderes übrig.


Thomas Rank: Sie kommen mit ihrem Jahresrückblick nach Ulm. Was dürfen die Besucher erwarten?

Urban Priol: Es wird eine 2 ½ stündige Bestandsaufnahme in einem satirischen Jahr. Es gibt ja sehr viele Themen vom Papst-Rücktritt bis zur Handyaffäre. Die Reaktion von Merkel auf die Handyaffäre ist schon sehr bezeichnend. Da zeigt sich, dass sie nichts macht. Wenn es um die Bürger geht, dann interessiert das die Regierung nicht im geringsten, doch sobald ein Regierungsmitglied selbst betroffen ist, ist das ein Skandal.

Thomas Rank: Waren schon Politiker in ihrem Programm, wenn ja wie haben die reagiert?


Urban Priol: Es sind immer mal wieder Bundes-und Landespolitiker da. Einige möchten sogar
im Programm vorkommen. Die ärgern sich, wenn sie nicht wahrgenommen werden.
Mit den Politikern gibt es immer wieder mal einen Smalltalk.


Thomas Rank: Wie denken Sie und was erwarten sie von der neuen Regierung?

Urban Priol: Ich bin schon sehr erstaunt, dass die SPD ein 10-Punkte-Programm vorgelegt hat.
Denen hat der Mut gefehlt, in eine starke politische Opposition zu gehen. Denn dann müsste Merkel regieren und nicht nur reden. Die große Koalition wird gähnende Langeweile verbreiten und die Opposition genießt Welpenschutz.
Ich wünsche mir, dass nach ¼ Jahrhundert das Tabu des Nicht-Miteinander-Redens vorbei ist.
Man kann die Linke nicht einfach mit der Marxistischen Partei von damals vergleichen. In der Politik muss jeder mit jedem reden.
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Weiterveröffentlichungen:

myheimat-Stadtmagazin günzburger | Erschienen am 16.11.2013
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