Prix Pantheon Gewinner Sebastian Nitsch im Interview

´Sebastian Nitsch im Interview (Foto: Jürgen Hartlieb)
 
(Foto: Jürgen Hartlieb)
Es ist noch keine zwei Wochen her, da hat der Kabarettist Sebastian Nitsch den Kabarettpreis Prix Pantheon gewonnen.
Wie er sich gefühlt hat bei dem Gewinn, und über sein Programm hat er mir ein Interview gegeben

Thomas Rank: Zuerst einmal Herzlichen Glückwunsch zum Gewinn des Prix Pantheon. Washaben sie gedacht, in dem Augenblick als sie von dem Gewinn erfahren haben?

Sebastian Nitsch:Für Denken war da wenig Zeit: Als Bodo Wartke seine Laudatio begann und wir hinter der Bühne
lauschenden Künstler die Worte „Tagträumer“ und „hellwach“ hörten, da wusste ich: „Ich bin’s.“ und umarmte die anderen.

Thomas Rank: Haben sie damit gerechnet?

Sebastian Nitsch:Ich habe darauf hingearbeitet und wusste: So ein Wettbewerb ist wie ein 100-Meter-Lauf, er kann
niemals feststellen, wer die Besten sind. Aber er kann einen starken Moment an diesem einen Tag würdigen. Als ich auf der Bühne stand, fühlte ich, das ist ein starker Moment, und das freute mich.

Thomas Rank: Wollten sie schon immer ins Kabarett?

Sebastian Nitsch:Ich drängte schon immer zum Kabarett, auch ohne es zu wissen. Seit meiner Kindheit lebte ich mit einem zunehmend größeren Haufen an Ideen zusammen, die ich auf Zettel, Comics,
Cartoons, Filme, Kassetten und später mp3-Dateien verteilte. Das war unbefriedigend. Hätten Sie mich besucht und gefragt „Was machst du so?“ hätte ich Ihnen wie einem verfrühten Nachlassverwalter meine ganzen Ideen gezeigt, ohne zu wissen, was daraus wird. Irgendwann
fügte sich endlich alles zu einem Bild zusammen und ich fand die Bühne als den Ort, wo alles zusammenkommt.

Thomas Rank: Sie machen ihre Auftritte mit einem umgehängten Keyboard, haben sie eine musikalische Ausbildung oder ist das nur zur Untermalung?

Sebastian Nitsch:Beides.

Thomas Rank: In der Laudatio hieß es, sie sind ein hellwacher Tagträumer. Würden sie das auch so sehen?

Sebastian Nitsch:Den Begriff „Hellwachträumer“ verwende ich für mich, seit ich auf der Bühne stehe. Unsere Fantasie wird zur Aufrechterhaltung der Konsumgesellschaft überall benutzt und instrumentalisiert – so funktioniert Werbung. Ich halte es aber für wichtig und sehr lohnend,
unsere Fantasie einfach mal so laufen zu lassen, in unseren Abgrund zu lauschen und es dort singen zu hören.

Thomas Rank: Sie wurden mit ihrem Kabarett an die große Kunst von Hanns Dieter Hüsch bezeichnet. Ist Hüsch ihr Vorbild?

Sebastian Nitsch:Meine Mutter sah mit mir auf dem Sofa Hanns Dieter Hüsch im Fernsehen. Seine große Präsenz
mit den Füßen fest auf der Erde und dem Kopf in großen Denkwolken packte mich. Später kamen inspirierende Meister wie George Carlin, Josef Hader und Jerry Seinfeld dazu.

Thomas Rank:Wenn ich es auf Ihrer Homepage richtig gesehen habe, unterstützen sie ein Stift. Können sie darüber etwas erzählen?

Sebastian Nitsch:Oh, das haben Sie nicht richtig gesehen – die Wahrheit ist: Mich unterstützt ein Stift. Ein Zeichenstift. Wenn Sie in der Homepage-Rubrik „Neues“ auf „Bühne“ klicken, sehen sie Bühnen- Neuigkeiten, klicken Sie auf „Stift“, sehen Sie neue Zeichnungen.

Thomas Rank:Wie schaut die Unterstützung aus?

Sebastian Nitsch:Der Stift lässt von meiner Hand geführt Linien auf einem Display oder Papier entstehen.

Thomas Rank:Sie sind mit ihrem Programm auf Tournee. Was bekommen die Besucher geboten?

Sebastian Nitsch:Im Programm „Unsterblichkeitsbatzen“ finden die Zuschauer einen schönen Abend, in dem sie sich im freien Fall nach oben wundern und lachen, bis sie die Schräge der Welt sehen können. Sie
versöhnen sich mit dem ganzen Alltagsschwachsinn, nachdem sie ihn ausgelacht haben. Sie kauen Gratiskaugummis, werden mit einer schönen Idee unsterblich und finden das kleine Glück.

Thomas Rank:Wie lange haben sie an dem Programm gearbeitet?

Sebastian Nitsch:Das Programm „Unsterblichkeitsbatzen“ und auch die nächsten Programme speisen sich jeweils aus meinem bisherigen Leben. Auch bei meinem Weihnachtsprogramm „Frohes Fest und fix und
fertig“ (2015) und dem neuen Soloprogramm (2016) merke ich: Das Schreiben ist nur das Fixierenin eine feste Form, aber im Abend vibrieren viele Erinnerungen, Überraschungen, Rätsel, Ärgernisse, Träume – und alles, was die Zuschauer mitbringen.
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