Was: Mythos Seidenstraße
Wo: Forum am Hofgarten
Wann: 02.03.2010 19:30 Uhr

Mythos Seidenstraße

von Angela Brandl aus Moosburg | am 17.02.2010 | 262 mal gelesen | 0 Kommentare | 0 Bildkommentare | 1 Bild

Günzburg: Forum am Hofgarten | Motorradabenteuer Moosburg - Peking
Multivisionsshow von Angela Brandl

Sechs Monate lang war Angela Brandl allein in Zentralasien unterwegs – allein mit ihrer Honda Dominator entdeckte sie die Juwelen des Kaukasus und folgte den Karawanen entlang der Seidenstraße. Sie stöberte in farbenprächtigen Basaren in Buhara oder Samarkand und erfuhr die herzliche Gastfreundschaft in armseligen Hütten auf dem Dach der Welt, dem Pamir.
Hier ein kurzer Einblick in ihre Erlebnisse, die sie in einem Diavortrag am Dienstag den 2. März um 19.30 Uhr im Forum am Hofgarten in Günzburg schildert:

Ja, ich war wieder unterwegs! Einen ganz besonderen Traum wollte ich mir erfüllen: die Seidenstraße entlang fahren von der Türkei über die meist touristisch sehr wenig erschlossenen Staaten Zentralasiens bis hinein nach China, ein Weg, den noch wenige westliche Individualreisende legal genommen hatten.

Schon im Vorfeld hatte ich Visen beantragt, wo immer das möglich war, hatte mich so gründlich vorbereitet, wie es die wenigen Reiseführer und –berichte aus dieser sagenumwobenen Region erlaubten. Unterwegs stand ich immer wieder vor schier unüberwindlichen Problemen, ob das nun die Straßenverhältnisse, die Bürokratie oder die Sturheit mancher Beamten betraf. Ein Alptraum etwa war die Einreise nach Turkmenistan, wo ein Amtsarzt mit seltsamen Untersuchungsmethoden versuchte, uns Geflügelpest nachzuweisen, und gelangweilte Polizisten beim Blättern in meinem Reiseführer diskriminierende Vergleiche des turkmenischen Präsidenten mit Hitler entdeckten. Doch irgendwann wachte ich selbst aus diesem fürchterlichen Traum wieder auf.

Hier hatte ich die Polizisten innerlich verflucht, doch in der Regel traf ich auf freundliche, verständnisvolle, herzliche Menschen, die mir gern weiter halfen. In China etwa, wenn ich ratlos vor unleserlichen Straßenschildern stand und ein Polizist mich aus einer der zahlreichen Millionenstädte lotste, oder in der Grenzregion zwischen Afghanistan und Tadschikistan. Mehrere Tage folgte ich auf tadschikischer Seite dem Grenzfluss Pani, der jede Nacht von Dutzenden Drogenschmugglern überquert wird. Deshalb stehen hier alle paar Kilometer kleine Militärposten, ein einfaches Häuschen mit etwa fünf, sechs Männern als Besatzung. Selbstverständlich gewährten sie mir „Asyl“ für die Nacht. Ich stellte mein Zelt in ihrer unmittelbarer Nähe auf, und wenn ich nachts von Motorengeräuschen geweckt wurde, hütete ich mich, einen Blick nach draußen zu werfen: ich seh nichts, ich hör nichts, ich weiß nichts – ihr braucht mir gar nichts tun! Diese Taktik kombiniert mit dem Schutz durch die Nähe der Polizisten waren wohl der Grund, dass ich unbehelligt die Pässe des Pamir erreichte.

Bezeichnend auch die Gastfreundschaft des jungen Familienvaters im Hochland von Tadschikistan, der mich trotz der in diesem Land herrschenden Armut so selbstverständlich willkommen hieß, in seinem kleinen Anwesen zu übernachten. Stolz stellte er mir seine acht Töchter vor (die Größte dürfte höchstens vierzehn Jahre alt gewesen sein) und fragte mich auf Russisch, ob ich denn etwas essen wolle. Nach einem langen Tag auf kaum befahrbaren Straßen konnte ich das nicht leugnen, und er pries mir das Hauptnahrungsmittel der Familie an: „ Yaitschoo“ Nun konnte ich mich zwar inzwischen recht gut verständlich machen auf Russisch, und auch „Yaitschoo“ kam mir bekannt vor, doch wollte mir die Bedeutung des Wortes einfach nicht einfallen. In seinem Eifer vollführte der Mann seltsame Bewegungen: eine Art Kniebeuge, wobei er mit dem Zeigefinger der linken Hand auf seinen Allerwertesten deutete? – Ich schüttelte verständnislos den Kopf. Da nahm er mich am Arm und führte mich in den kleinen Schuppen hinter dem Wohnhaus: zwei Dutzend Hühner gackerten hier fröhlich durcheinander, und jetzt kapierte ich endlich, dass er mich auf den Genuss eines riesigen Omeletts hatte vorbereiten wollen, das seine Frau in der Zwischenzeit für mich zauberte!“

Nach der abenteuerlichen Fahrt über den Pamir war Angela Brandl Gast bei den Steppenvölkern Kirgisiens, bewunderte die traditionellen Reiterspiele und fuhr endlich weiter in das Land, in dem die Seidenstraße einmal ihren Anfang hatte: China. Als eine der wenigen westlichen Reisenden erhielt sie die amtliche Genehmigung, dieses riesige Land auf eigene Faust mit dem Motorrad zu erkunden. Etliche Tage verbrachte die mutige Frau in einem tibetischen Kloster, ehe sie von Peking aus die Rückreise mit der Transsibirischen Eisenbahn antrat.
Karten im Forum am Hofgarten und an der Abendkasse
Weitere Infos unter www.angelabrandl.de

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