Eine Prise Poesie

Poetry Slammer Simon Felix Geiger aus Illertissen.
Günzburg: Bezirkskrankenhaus | Knapp 200 neugierige Besucher fanden sich im historischen Festsaals des Bezirkskrankenhauses (BKH) in Günzburg ein, um zum dritten Mal das experimentelle Projekt „Eine Prise Poesie in der bunten Psychiatrie“ zu erleben. Erfahrene Slammer gemeinsam mit mutigen, unerfahrenen Dichtern mit und ohne Krisenerfahrung auftreten zu lassen, ist das Konzept der Eventidee von Poetry Slammer Simon Felix Geiger aus Illertissen und Susanne Jarisch, Leiterin der Patientenbühne am BKH. Ziel ist es, dabei mit einem interessierten Publikum Gedanken, Befindlichkeiten, Erfahrungen und Gefühle zu teilen, neue Erfahrungen zu machen und mit Worten existenziellen Gemeinsamkeiten aufzuspüren und zu hinterfragen.
Beim Vortragen sind alle möglichen Facetten von Wortakrobatik erwünscht. Ob als Lyrik, Prosa, Comedy oder als Rap, alles ist erlaubt, solange die Texte selbst geschrieben sind. Außerdem sind weder Requisiten noch Gesang erlaubt. Reine Wortkunst also, die das gespannte Publikum da erwartete.
Als Initiator und Moderator Simon Felix Geiger die Bühne betrat, war die Stimmung im illuminierten Saal bereits erwartungsvoll gespannt. Bevor er den ersten Interpreten ansagte, gab er eine kleine Kostprobe seines Könnens. Im Mittelpunkt sollten jedoch die sieben Poeten stehen, die sich teils erst kurz vor der Veranstaltung zu einem Beitrag entschlossen haben. Die musikalische Umrahmung dazu lieferte Harry Malcher, Liedermacher aus Augsburg.
Mit Daniel Wagner betrat ein Profi die Bühne. Unzählige Preise räumte er bei zahlreichen Wettbewerben ab. Er beschäftigte sich unter anderem mit der heutigen Umgangssprache von Jugendlichen, die gerne einmal für „Lehrer“ die Abkürzung „ESH“ (für Einschlafhilfe) benutzen. Im Schwall goss er seine klugen und witzigen Texte, teils gerappt, im Saal aus und sorgte damit für viel Gelächter.
Lisa dichtete über ihre ganz normale Routine. Zunächst noch langsam, dann immer schneller erlebte das Publikum verbal sieben Tage, angefüllt mit Schichtarbeit, Leerlauf, Frust, Perfektionismus, Wut, Hoffnung und Erwartungen. Dabei zog sie die gebannten Zuschauer mit einem wahren Wortwirbel in ihren Alltag. Riesiger Applaus für den zweiten großen Auftritt der frischgebackenen Slammerin aus Senden.
Jolanta, noch bekannt vom zweiten Günzburger Slam, gab mit zarter Stimme und auf dem roten Samtsofa sitzend, wieder eigene Gedichte über Liebe und Erotik zum Besten. Christina, Slammerin aus Berlin, machte sich laut und krass Gedanken über einen Freund, an dessen Zimmerwand einmal groß „Lebe deinen Traum“ geschrieben stand. Was ist aus ihm geworden? Für die Psychologiestudentin Anlass zur gnadenlosen Selbstreflexion. Ungeschönt und direkt. Bewegender Applaus.
In der Pause verwöhnte die Begegnungsstätte „Lichtblick“ der Caritas die Gäste mit diversen Leckereien und stellte ihr Projekt „ge-buch-t“ vor.
Ehrliche Worte fand Vanessa für den Tod einer guten Freundin. Sehr emotional auch ihr Text über die Menschen, die gut tun, ihr Kraft, Liebe und Wärme spenden. Mit Liedern wie „Aprikosen mit Eis“ besang Liedermacher Harry Malcher seine erste Verabredung. Mit „Du bist gut so, wie du bist“ sorgte er mit seinen Songs für die musikalische Balance.
Mit philosophischen Texten stellte sich Benjamin vor. Auch er schöpfte ganz aus sich selbst und verarbeitete seine existentiellen Erfahrungen zu ausdrucksstarken Sinnbildern, mit denen er das Publikum berührte. Großer Beifall.
Dietmar, der sich ganz kurzfristig für einen Beitrag gemeldet hatte, machte sich mit Sarkasmus und Ironie einen Reim auf diverse Baumarten. Anja schrieb noch während des Abends ein Gedicht, trug es spontan vor. Mit Daniel Wagner und seiner gesellschaftskritischen, amüsanten Wortjonglage über den momentanen Bio-Hype endete der Abend für alle Mitwirkenden mit einem riesigen Schlussapplaus.
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