„Der Kultursommer hat sich zu einem Publikumsmagneten entwickelt“: Günzburgs Kulturreferenten Stefan Baisch und Dr. Angelika Fischer blicken auf das Jahr zurück

Dr. Angelika Fischer
 
Stefan Baisch
mh bayern: Sie beide sind keine Neulinge im Stadtrat, aber erstmals als Kulturreferenten für Günzburg im Einsatz. Brachten Sie für dieses Amt bereits Erfahrung mit und warum finden Sie diese Aufgabe reizvoll?

Angelika Fischer: Das Amt der Kulturreferentin hatte ich schon einmal inne, in den Jahren 1996 bis 2002. Für diese Ratsperiode wurde das Referat geteilt: ein Bereich mit zwei Referenten für Feste und Märkte und einen mit zwei Referenten für die Kultur. Ich halte die Trennung für sinnvoll, denn nun bleibt Herrn Baisch und mir mehr Zeit, uns intensiv vor allem um die Kultureinrichtungen der Stadt wie Museum, Stadtbücherei, Forum am Hofgarten, Musikschule aber auch um die kulturschaffenden Vereine zu kümmern. Diese Vielfalt zu pflegen, ist schon ein besonderer Reiz!

Stefan Baisch: Kultur spielt und spielte für mich immer schon eine bedeutende Rolle. Gerade durch meine studierten Fächer Deutsch und Geschichte bringe ich natürlich eine Vorerfahrung und Prägung mit. Besonders reizvoll und spannend finde ich, dass wir als Referenten ein weites Feld von den städtischen Einrichtungen bis zum vielfältigen Günzburger Vereinswesen betreuen und wir so Kultur in einer großen Bandbreite erleben und begleiten dürfen.

mh bayern: Welche Projekte konnten Sie in diesem Jahr anstoßen?

Stefan Baisch: Ein neues Projekt, das ich angeregt und initiiert habe, ist die Künstlerehrung, die wir nun kollegial gemeinsam voranbringen wollen. Es geht darum, neben der Sportler- eine Künstlerehrung zu etablieren und somit auch jene Ehrenamtlichen, die sich im künstlerischen und musischen Bereich einbringen, die Anerkennung und den Dank der Stadt Günzburg auszusprechen. Ein weiteres Großprojekt für das nächste Jahr und die nächsten Jahre wird die Sanierung und Neukonzeption des Günzburger Heimatmuseums mit einem Schwerpunkt im Bereich der römischen Geschichte sein.

mh bayern: Wie erlebten Sie das kulturelle Jahr 2014? Es gab ja einige tolle Highlights – man denke nur an die Auftritte von Chris de Burgh und Rainhard Fendrich im Waldbad.

Angelika Fischer: Diese beiden Auftritte waren zweifellos Höhepunkte! Sie sprachen, wie man erleben konnte, die Menschen generationsübergreifend an. Mutig von den Veranstaltern, beide Events als Open Air stattfinden zu lassen! Ich könnte mir sogar noch ein wenig mehr Programm und Gastronomie um diese Veranstaltung herum vorstellen. Dann hätte das Waldbad-Open-Air das Zeug zu einem Veranstaltungsklassiker.
Aber auch das Konzert der Joe Gleixner Bigband in der wunderbaren fast intimen Atmosphäre des Dossenberger Hofes war toll - hier wurde wieder einer anderen Musikrichtung ein schöner Rahmen geboten!
Besonders gefallen hat mir in diesem Jahr die unglaubliche Akzeptanz, die unser Kultursommer gefunden hat! Eine tolle Anerkennung für diese Gemeinschaftsaktion von Stadt, Wirtschaft und den Kulturschaffenden der Stadt!

mh bayern: Fest verankert im Veranstaltungskalender der Stadt ist der Günzburger Kultursommer. Was schätzen Sie an der Veranstaltungsreihe und werden Sie im nächsten Jahr bei der Organisation mit dabei sein?

Beide: Klar bringen wir uns da ein, vor allem bei der Auswahl der Veranstaltungen! Das ganz große Plus des Kultursommers ist die Vielfalt der Veranstaltungen! Für jeden Geschmack ist etwas dabei, es finden Schulbands genauso ihr Publikum wie bekannte Schlagersänger, Liedermacher, Volksmusiker, Tanzmusik und Rockmusik oder die weltberühmten Augsburger Domsingknaben! Alles ist live und so kommt, auch durch die Attraktivität der Altstadt als Veranstaltungsort mit ihrer vielfältigen Gastronomie oder unseren historischen Baudenkmälern, eine unnachahmliche Atmosphäre auf! Der Kultursommer hat sich zu einem Publikumsmagneten entwickelt, wie die Besucher aus dem ganzen Landkreis und von außerhalb immer wieder bestätigen!

mh bayern: Viele Günzburger setzen sich ehrenamtlich für kulturelle Belange in Günzburg ein. Von den circa 200 Vereinen vor Ort ist in etwa die Hälfte kulturschaffend. Auch die Bandbreite ist groß: Von Kunst über Musik bis hin zu Schauspiel und Brauchtum ist für jeden Geschmack etwas geboten. Wie wollen Sie die Vereine in Ihre Arbeit einbinden und für welchen Bereich schlägt Ihr Kultur-Herz ganz besonders?

Beide: Wir haben als einen ersten Schritt diese von Ihnen genannten Vereine angeschrieben, uns vorgestellt und die Vereine ermuntert, uns zum Gespräch oder zu Veranstaltungen einzuladen. Wir möchten persönliche Kontakte knüpfen, um noch besser als bisher ein „Ohr“ für die Vereine haben zu können - wir möchten die Mittler zwischen Stadt und Vereinen sein.

Angelika Fischer: Mein Herz schlägt besonders für Schauspiel und Musik, Theater im weitesten Sinne, aber auch für die bildende Kunst. Ich würde mir mehr Möglichkeiten für Kleinkunstbühnen wünschen, für die der schöne, aber manchmal zu große Rahmen des Forums nicht so gut geeignet ist. Eine dauerhafte Ausstellungsmöglichkeit für die bildenden Künstler wäre auch wünschenswert - hier gäbe es vielversprechende Möglichkeiten.

Stefan Baisch: Ich kann mich Frau Dr. Fischer als Deutschlehrer und Hobbygeiger nur anschließen. Für mich sind Theater, Kleinkunst und Musik Kulturträger. Ich möchte aber auch ergänzend dazu den Blick auf unsere Brauchtums- und Traditionspflege sowie das Vereinswesen lenken. Ohne diese Bereiche wären wir selbstverständlich eine geschichts- und heimatvergessene Stadt.

mh bayern: Geben Sie uns einen kleinen Einblick in Ihre Arbeit: Wie eng arbeiten Sie zum Beispiel mit andern Einrichtungen wie dem Kulturamt, der Musikschule oder der Tourist-Information zusammen?

Beide: Wir sind noch jung im Amt. Unseren ersten Antrittsbesuch haben wir bei Herrn Gleixner in der städtischen Musikschule gemacht. In diesem Gespräch bekamen wir einen Einblick, wo der Musikschule der Schuh drückt, wo Handlungsbedarf besteht, aber auch mit wieviel Herzblut und Freude die Verantwortlichen die Schule in Schwung halten. Wir konnten bei der Lösung kleinerer Probleme behilflich sein.
Ebenso nahmen wir an Gesprächen und Informationsveranstaltungen zur Neukonzeption unseres Museums teil, eine der ganz wichtigen Aufgaben in der Zukunft!
Das Kulturamt mit seinem Leiter Herrn Bannwarth ist unser Hauptansprechpartner, wir werden zu vielen Entscheidungen hinzugezogen. Für den Jahresanfang planen wir gemeinsam eine „Besuchstour“ zu den weiteren Kultureinrichtungen der Stadt: Bücherei, Touristinformation und Forum am Hofgarten. Wir möchten uns auch persönlich bekannt machen.

Stefan Baisch: Wir bringen uns auch in einigen Arbeitsgruppen ein: bei der Auswahl von Kunstwerken für den öffentlichen Raum, in der Arbeitsgruppe Heimatmuseum oder bei der Weiterentwicklung und Neukonzeption des Forums am Hofgarten. Ich habe mich auch schon bei einer Lesung in der Stadtbücherei eingebracht und übernehme ab 2015 Stadtführungen für die Touristinfo.

mh bayern: Frau Dr. Fischer, Sie sind als Stadträtin auch im Integrationsbeirat vertreten. Werden Sie diese beiden Aufgaben miteinander verbinden und ein interkulturelles Fest oder Ähnliches ins Leben rufen?

Angelika Fischer: Das ist eine wunderbare Idee, die ich gerne aufgreifen möchte! Danke dafür! Unsere Stadt wird durch viele Menschen aus sehr unterschiedlichen Kulturkreisen bereichert, neben den vielen etablierten Vereinen und Gruppierungen der Günzburgerinnen und Günzburger mit griechischen, türkischen, italienischen, russischen, verschiedenen asiatischen Wurzeln kommen nun durch die AsylbewerberInnen auch vermehrt Menschen aus dem afrikanischen Raum , Menschen aus Syrien, Pakistan, Afghanistan dazu. Beste Voraussetzungen, um ein buntes Fest zu feiern, das dem Kennenlernen, Abbau von Berührungsängsten und letztlich der Integration dienen kann!

mh bayern: Die Stadt Günzburg rief dieses Jahr die Kulturtafel ins Leben, die es ermöglichen soll, dass Menschen mit wenig oder gar keinem Einkommen umsonst an verschiedenen kulturellen Veranstaltungen teilnehmen können. Wie hoch ist die Nachfrage und wie groß ist die Bereitschaft seitens der Veranstalter, bei diesem Projekt mitzumachen?

Beide: Zu dieser Frage können wir momentan nichts sagen, da die Organisation nicht in unsren Händen liegt und das Projekt erst angelaufen ist. Wir haben beide die Idee für gut gehalten. In einem Jahr können wir mehr sagen.

mh bayern: Was erwartet die Günzburger im nächsten Jahr?

Beide: Neben einer Vielzahl von kulturellen und gesellschaftlichen Veranstaltungen, die im Forum am Hofgarten angeboten werden, findet auch wieder der dreimonatige Kultursommer von Juni bis August statt. Der zweite Kunstpreis der Stadt, in Kooperation mit dem Off-Art Kunstverein, steht ebenso in den Startlöchern wie eine neue „Galerie im Schloss“, die Einführung einer Ehrung für Kulturschaffende, drei Ausstellungen im Heimatmuseum und das Festival Bach in Rokoko mit den Augsburger Domsingknaben.
Wir freuen uns auch auf den nächsten Besuch einer Delegation aus unserer Partnerstadt Lannion im April kommenden Jahres.

mh bayern: Besten Dank für das Interview!
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Weiterveröffentlichungen:

myheimat-Stadtmagazin günzburger | Erschienen am 07.01.2015
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