Das Labyrinth der Worte (F 2010)
Günzburg: BiiGZ | Germain, ein korpulenter und ungebildeter Arbeiter um die 50, trifft auf die feinsinnige und kultivierten Margueritte, die bereits 90 Lenze zählt. Das ungleiche Duo sitzt auf der Parkbank. Sie liest ihm aus Romanen vor und öffnet ihm die Tür zur Literatur - einer für ihn fremden Welt, warf er doch kurz zuvor noch den Guide Michelin und den "Guide Maupassant" (Guy de Maupassant) in einen Topf. Seine Kumpels beobachten Germains Wandlung mit stetig wachsender Skepsis.
In der Verfilmung von Marie-Sabine Rogers Roman setzt Regisseur Jean Becker auf bewährte Werte, auf Naivität und Unschuld, auf Einfachheit, auch wenn die manchmal sehr gewollt und gekünstelt daher kommt, vor allem bei den Buddys an der Bar. Aber die Protagonisten haben das Herz am rechten Fleck und die Kombination von Depardieu mit der 96-jährigen Gisèle Casadesus (seit ihrem ersten Film "Die Ausgebufften" von 1934 eine feste Größe im französischen Film), die durch Vorlesen seine Vorstellungskraft weckt, macht den nostalgisch angehauchten Film zum schauspielerischen Erlebnis.
"Das Labyrinth der Wörter" ist sowohl ein Drama über das, was hinter den Dingen und daher nicht sichtbar ist, als auch über den Umgang damit. Über die Möglichkeit der Veränderung, des Hinzulernens, des sich Weiterentwickelns. Depardieus Germain ist am Ende dieses kleinen leisen, zutiefst berührenden Films nicht mehr Derselbe, der er zu Beginn noch war. Das hat er Margueritte zu verdanken - und sich selbst.
Regie: Jean Becker
Darsteller/innen: Gérard Depardieu, Gisèle Casadesus, François-Xavier Demaison
Dauer: 82 Min.
Abendvorstellung (genaue Zeit siehe Tagespresse bzw. Internet)
Eintritt: € 5,50 (auf allen Plätzen; keine weitere Ermäßigung möglich)

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