Seit über 600 Jahren Handel mit regionalen Erzeugnissen - OB Jauernig: „Wochenmarkt besitzt auch heute noch Strahlkraft“

Rathausmitarbeiterin Georgine Fäßler im Gespräch mit dem Käselieferanten Schierle. Er gehört zu den Stammhändlern auf dem Günzburger Wochenmarkt (Foto: Sabrina Schmidt/ Stadt Günzburg)
 
Tausende von Besuchern strömen Woche für Woche auf den Günzburger Marktplatz, um frische Erzeugnisse aus der Region zu kaufen (Foto: Sabrina Schmidt/ Stadt Günzburg)
Als der Günzburger Wochenmarkt zum ersten Mal seine Pforten öffnete, pflegten die Marketender noch mit Kutschen anzureisen und die Marktbesucher bezahlten ihre erstandenen Waren mit Groschen oder Dukaten. Seit dem Mittelalter gibt es den Wochenmarkt und wie damals zieht er bis heute die Menschen in die Große Kreisstadt.

Rund 20 Standbetreiber aus Günzburg und der Region sind regelmäßig beim Günzburger Wochenmarkt vertreten. Unter den Beschickern finden sich Blumen- und Gemüsehändler, Obstverkäufer, Anbieter von Käse- und Wurstspezialitäten, Bäcker und sogar ein Wagen für Fischspezialitäten. Manche der Händler sind seit Jahrzehnten auf dem Wochenmarkt vertreten, einige schon in der zweiten oder dritten Generation.

Fokus auf regionalen Produkten

„Wir legen den Fokus auf heimische und regionale Produkte“, sagt Georgine Fäßler, die im Rathaus seit diesem Jahr mit dem Marktwesen betraut ist. Doch auch die Vielfalt der angebotenen Produkte spielt eine große Rolle. „Wir versuchen, die ganze Bandbreite an Frischwaren abzudecken“, so Fäßler. Besonderes Augenmerk legt Marktmeister Gerald Schymik auch auf saisonale Angebote. „Im Frühjahr gibt es zusätzliche Stände, etwa für Spargel.“ Derzeit locken die Stände mit ihren sommerlichen Angeboten: „Erdbeeren und Salate gibt es jetzt in Hülle und Fülle“, so Schymik.

Mehrere tausend Besucher strömen Woche für Woche auf den Markt am Dienstag; manche kommen jede Woche. „Für viele ist der Wochenmarkt mehr als nur ein Ort, an dem man frisches Obst und Gemüse kauft“, sagt Oberbürgermeister Gerhard Jauernig. „Er ist ein Ort des Austauschs, der Gelegenheit bietet, Freunde und Bekannte zu treffen und einen unterhaltsamen Vormittag auf dem Günzburger Marktplatz zu verbringen.“

Der Wochenmarkt im Mittelalter


Dieses Phänomen beschreibt Gerhard Grießmayr auch für den Wochenmarkt des Mittelalters. Grießmayr war bei der Stadtverwaltung lange Zeit für das Marktwesen zuständig. „Der Wochenmarkt hatte besonderes Gewicht im städtischen Leben. Wenn man sich vor Augen hält, dass es damals noch kein Auto oder Telefon gab, wird klar, was der Markttag auch gesellschaftlich bedeutete“, sagt der städtische Mitarbeiter. „An diesen Tagen kamen viele Menschen in die Stadt, die ihren Einkauf mit Verwandtenbesuchen kombinierten.“

Der so genannte „Aftermontagsmarkt“, sprich Dienstagsmarkt, war zunächst in der heutigen Unterstadt abgehaltem worden. Mit dem raschen Aufblühen der Oberstadt wurde der Wochenmarkt 1397 auf den Marktplatz verlegt. „Jeden Dienstag kamen dann so viele Anbieter in die Stadt, dass viele auf die benachbarten Plätze ausweichen mussten, weil auf dem Marktplatz kein Platz mehr war“, sagt Gerhard Grießmayr. Vor den Häuserfronten versammelten sich dann Weber, Hutmacher, Schneider, Gerber, Drechsler, Bürstenmacher, Seifensieder, Siebmacher, Spengler und Kammmacher, um ihre Waren feilzubieten.

„In der Fahrbahnmitte boten Bauern und Gärtner ihre Erzeugnisse an und Schweine wurden vor den Stadtmauern auf dem heutigen Bürgermeister-Landmann-Platz und später dann auf dem Wätteplatz gehandelt. Es war ein reges Treiben, das oft in einer Tanzveranstaltung gipfelte“, schildert Grießmayr. „Schließlich sollte sich die oftmals beschwerliche Anreise auch lohnen.“

Inzwischen kommt der Wochenmarkt ganz ohne Tanz aus: „Die bunten Stände mit regionalen und biologisch hergestellten Erzeugnissen mitten in unserer malerischen Altstadt mit ihren vielen inhabergeführten Ladengeschäften besitzen auch heute eine wahnsinnige Strahlkraft“, sagt der Günzburger Rathauschef. Er sei sehr froh, dass die Stadtverwaltung die lange Tradition des Wochenmarktes in die Gegenwart habe hinüberretten können. „Der Markt ist für unsere Stadt eine echte Bereicherung. Es braucht solche Angebote, um die Innenstadt zu beleben. Märkte schaffen Aufenthalts- und Lebensqualität“, so der OB.

--> Der Wochenmarkt findet jeden Dienstag in der Zeit von 7 bis 12.30 Uhr auf dem Marktplatz statt. (Oktober – April: von 08.00 - 12.30 Uhr)
--> Außerdem veranstaltet der Bauernmarktverein jeden Samstag zwischen 8.30 und 12 Uhr einen Bauernmarkt im Dossenbergerhof.
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