Informationsveranstaltung der Betreuungsstelle über Zwangsmedikation und Ruhigstellung

Rund fünfzig Personen kamen zu einer kostenlosen Fortbildungsveranstaltung, um sich über Anwendung, Wirkung und möglichen Alternativen zur Vermeidung von zwangsweiser Medikation zu informieren.

Aufbauend auf die Fachveranstaltung zum „Werdenfelser Weg“ – ein Verfahrensansatz zur Vermeidung von freiheitsentziehenden Maßnahmen in Alten-, Pflege- und Behindertenheimen – im April 2015 hatte die Betreuungsstelle nunmehr gesetzliche Betreuer sowie Beschäftigte von Alten- und Pflegeheimen zu einer Informationsveranstaltung in den Sitzungssaal des Landratsamtes eingeladen.

Sedierende Medikamente, also beruhigende Medikamente, die Personen in ihrer Bewegungsfreiheit einschränken, werden in Alten- und Pflegeheimen immer wieder mal verabreicht. Dagegen spricht eigentlich nichts, wenn die Gabe derartiger Arzneien aus medizinischer Sicht zwingend geboten ist. Oft gibt es aber weniger einschneidende Maßnahmen, also Alternativen auch zu derartigen Medikamenten.

Mit Professor Dr. Dr. Rolf Hirsch, Facharzt für Nervenheilkunde, Geriatrie, psychotherapeutische Medizin und Psychoanalyse, konnte ein bundesweit bekannter und anerkannter Fachmann gewonnen werden. In seinem Referat ging Professor Hirsch kurz auf den „Werdenfelser Weg“ ein und erläuterte dann ausführlich die Wirkungen der verschiedenen Medikamente auf alte und behinderte Menschen. „Die Verabreichung von die Freiheit entziehenden Medikamenten muss soweit wie nur irgend möglich vermieden werden. Insoweit bedarf es eines ständigen Prozesses, eines immer wiederkehrenden Dialogs, der Information, Aufklärung und Schulung aller Beteiligten. Zwingend in den Entscheidungsprozess eingebunden werden müssen die Betreuer, denn diese allein – und nicht der Arzt oder das Pflegepersonal – entscheiden über die Medikamentengabe.“ Eindringlich schilderte Professor Hirsch die negativen Auswirkungen von sedierenden Medikamenten, also deren Nebenwirkungen und vor allem Folgeschäden.

Dass es aber nicht immer ohne die Verabreichung derartiger Medikamente geht, bestätigte auch Professor Hirsch. Dies muss aber auf die Fälle beschränkt sein, in denen die Verabreichung des Medikaments zur Behandlung einer konkreten Erkrankung und auch nur für deren Dauer geboten ist. Dienen sedierende Medikamente lediglich der Ruhigstellung stellt dies - wenn der oder die Betroffene nicht selbst eingewilligt hat bzw. einwilligen kann – eine Freiheitsbeschränkung dar, für die der Betreuer oder Bevollmächtigte eine Genehmigung eines Betreuungsrichters am zuständigen Amtsgericht benötigt.

Seine Erfahrungen aus der Praxis schilderte anschließend Andreas Mattern. Mattern ist ausgebildeter Verfahrenspfleger nach dem „Werdenfelser Weg“, er wird als solcher vom Amtsgericht bestellt und ist auch in den Alten- und Pflegeheimen im Landkreis Günzburg tätig. „Häufig ist das Pflegepersonal ganz erstaunt, welche Alternativen es zu den Freiheit entziehenden Maßnahmen – auch zu den sedierenden Medikamenten – gibt. Und oft sind sie auch ganz dankbar, wenn ihnen diese Alternativen aufgezeigt werden. Denn auch sie leiden mitunter, wenn sie anderen Menschen derartiges antun müssen.“
Dem Landkreis Günzburg ist es ein großes Anliegen, die Freiheit beschränkende Maßnahmen in den Alten- und Pflegeheimen, egal ob Bettgitter, Bauchgurt, Hand-oder Fußfessel und dergleichen, weitestgehend zu vermeiden. Die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Betreuungsstelle am Landratsamt haben sich daher über die gelungene Veranstaltung und die positiven Rückmeldungen der Teilnehmer sehr gefreut.
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