Filiz Erfurt:“ Die Hunde leben das Leben mit mir- Ein Interview mit der bekannten Fernsehhundetrainerin

Filiz Erfurt bei Dreharbeiten mit dem Vox Team (Foto: Sammlung Erfurt)
 
(Foto: Sammlung Erfurt)
     

Filiz Erfurt ist mehr als eine Hundeflüsterin, wie sie liebevoll genannt wird. Für sie ist ihre Arbeit nicht nur Beruf sondern Berufung. Sie darf mit ihrem Hund das tun, was es bisher noch nie gegeben hat. Sie wurde zweimal von Moscheen eingeladen und gebucht um in Vorführungen zu zeigen, was ihr Therapie- und Behindertenbegleithunde im Alltag leisten. Das gezeigte wurde nicht mit Angst und Zurückweisung sondern mit großem Interesse und Nähe zum Hund belohnt. Außerdem reitet die in Essen lebende und ermöglicht Nähe, Vertrauen und Zuneigung über den Hund zum Pferd so dass ihre Schützlinge später eventuell auch reiten. Im November wird ihr Verein filiz-rollidogs. e.V. 3 Jahre alt. Über das und vieles mehr habe ich mit Filiz Erfurt ein Interview geführt.

Die Sendung auf Vox hat sie bekannt gemacht. Sie sitzt selbst im Rollstuhl. Die Hunde werden individuell auf die Bedürfnisse der Behinderten ausgebildet, unter anderem trainiert sie Hunde von Menschen die ebenfalls im Rollstuhl sitzen. Ich hatte die Möglichkeit mit der in Essen lebenden Filiz Erfurt ein Interview über ihre Arbeit, aber auch über die Situation in Rumänien zu führen. Am anderen Ende der Leitung unterhalte ich mich mit einer tollen Frau, die meinen höchsten Respekt verdient. Über ihre Arbeit und über ihre Vergangenheit hat sie mir in einem Interview erzählt.

Thomas Rank: Was hat sie dazu gebracht, diese Beruf zu wählen?

Filiz Erfurt: Meine Kinder. Wir hatten uns den Film „ Zerschmetterte Träume“ mit Mark Keller angesehen. Daraufhin äußerte ich vor meinen Kindern laut den Wunsch auch einen Behindertenbegleithund haben zu wollen. Meine Kinder haben einen Brief an die Zeitung geschrieben, sie hätten eine Supermami, die sich dringend einen Behindertenbegleithund wünschen würde aber leider kein Geld dafür hätte.
Auf Grund des Zeitungsartikel bekam ich eine anonyme Spende von 10.000 DM. Von diesem Geld hat Barbara Puhl, 1. Vorsitzende von ihrem damaligen Verein Therapiehunde Deutschland, mir daraufhin eine ausgebildete Therapie- und Behindertenbegleithündin verkauft. Mein erster Hund war eine Golden Retriever Hündin. Sie kam mit 4 Jahre zu uns. West Jutlands Othilde ( genannt Otti ) geboren am 2.11.1994 und verstarb am 5.10.2009 Mein zweiter Hund war ein Collie, Züchterin und Ausbilderin war ebenfalls Barbara Puhl. Er kam als Welpe zu uns. Er hieß Sela von der Stellerburg Geboren am 21.10.1999 und verstorben am 24.10.2012. Für Otti, Sela und die Ausbildung zu Therapie- und Behindertenbegleithunden wurde für uns von Barbara Puhl ein Sonderpreis von 10.000 DM vereinbart. Barbara Puhl war die erste die die Behindertenbegleithundearbeit nach Deutschland geholt hat. Nachdem ich bei ihr die Ausbildungen beendet hatte schwor ich mir, das auch ich mein Wissen was ich von ihr erworben hatte, weitergeben, erweitern und noch weiterentwickeln möchte. Ich möchte noch so viel Menschen wie möglich ihr Selbstbewusstsein steigern, glücklich und selbständiger machen Dann kam Blazy von der Arche geboren am 15.11.2004 Dann Candas von der Arche geboren am 18.6.2010 Von Britta Steckelbach wurde uns, Angus vom Hasslinger Bruch, geboren am 22.4.2012, gesponsert. Ich möchte immer vorwärts gehen. Das wichtigste ist die gute Bindung zu den Hunden. Für mich ist die Arbeit mit den Hunden kein Beruf sondern eine Berufung.


Thomas Rank:Wie wurde das Fernsehen auf sie aufmerksam?

Filiz Erfurt: Begonnen hatte alles bei Hans Meiser in der Sendung Notruf im Jahr 2004. Weitere Sendungen waren im Jahr 2009 Center TV, zwei Jahre später das tollste Tier im Revier in dem ich mit Candas den ersten Platz belegte. Im selben Jahr war es dann im WDR der West Art Talk. 2012 Brisant ein Jahr später Menschen das Magazin. 2013 wurde Kanal D ein türkischer Kanal auf mich aufmerksam und in diesem Jahr kam mit Hund Katze Maus die größte und längste Sendung die ich gemacht habe. Die Macher von Hund Katze Maus haben mich bei Menschen, Tiere und Doktoren gesehen. Die Miniserie bei Hund Katze Maus hat eingeschlagen wie eine Bombe. Als Therapiehunde gehen Blazy, Candas und Angus mit mir und meinen Mann gemeinsam ins Franz Sales Haus um Demenz-, Alzheimer- junge und ältere Klienten zu besuchen und zu beschäftigen. Außerdem werden sie in der tiergestützten Therapie mit behinderten Kinder, in der Krankengymnastik Praxis, Eva Behnke-Vogel in Altenessen eingesetzt. Zusätzlich werden wir von Schulen, Kindergärten, Krankenhäuser, Heimtiermessen und sonstigen Events angefordert, um Vorführungen zu zeigen. Der Verein filiz-rollidogs. e.V. wurde von uns am 08.11.2011 gegründet. Unser Verein ist gemeinnützig, wir haben Sponsoren und Fördermitglieder, überwiegend finanzieren wir uns durch Spenden. Durch die Medien wird die Nachfrage an der Ausbildung solcher Hunde immer größer aber ich kann nun mal nur 3 Hunde in 2 Jahren maximal ausbilden. Über ein Internet Casting für eine Sendung mit einer Berliner Redalktion sind wir jetzt in die engere Auswahl gekommen. Fürs TV wird mit denen über mich und meine Ausbildung 2 Tage im November gedreht.








Thomas Rank: Wenn sie in der Stadt ohne Fernsehteam trainieren, wie reagiert ihr Umfeld darauf?

Filiz Erfurt: Unheimlich freundlich. Ich erfahre sehr viel Unterstützung. Mit der Berufsfeuerwehr aus Altenessen absolviere ich jährlich zweimal ein zweistündiges Training. Hierbei lernen die Hunde ungewohnte Situationen und Geräusche kennen. Professor Dr. Christian Wolff, ein Kinderarzt fliegt mich mit den Kindern und den Hunden Kostenlos zu Trainingszwecken. Hierbei werden die Hunde auf spätere Flüge vorbeireitet.
Auch sonst habe ich nie Probleme. Ich kann mit meinen Hunden ohne Probleme ins Kino, Krankenhaus, Lebensmittelgeschäfte, Einkaufszentrum, Park, Zoo, Musical oder sonstigen Veranstaltungen gehen. Trainiert wird zuerst in einem kleinen, mittleren und dann einem großen Einkaufszentrum. Man kommt uns sehr entgegen. Ich bin auch Stolz, dass mein Schützling die Prüfung bestanden hat. Was mir in der Seele und auch Menschlich Emotional weh tut, dass ich eine Stalkerin habe.

Thomas Rank: Arbeiten sie ausschließlich mit Collies oder auch mit anderen Hunderassen?

Filiz Erfurt: Ich arbeite auch mit anderen Hunderassen. Collies sind Hütehunde, mit ihnen arbeite ich am liebsten, weil sie von Natur aus sehr feinfühlig sind. Mit Jagdhunden die einen sehr ausgeprägten Jagdtrieb haben ist es viel schwieriger, wenn diese draußen z.B. einen Hasen sehen, rennen sie instinktiv hinterher. Dann muss ich unerwünschtes Verhalten abtrainieren auch arbeiten diese Hunde meistens viel grobmotorischer. In meiner Ausbildung arbeite ich sehr viel mit und über Stimme, zuerst hoch, mittel und dann tief, so wie auch das Muttertier. Je nach Höhenlage meiner Stimme versteht mich der Hund. Was der Hund von der Mutter gelernt hat vergießt er nie. Wenn man einem Hund die Zähne zeigt ist es damit gleich zu setzten wie wenn ein Hund die Zähne fletscht. Ich trainiere zu 20% die Hunde und zu 80% die Menschen.

Thomas Rank: Wie lange dauert die Ausbildung?

Filiz Erfurt: Die Ausbildung dauert zwei Jahre. Dann hat man aber Tip Top Ausgebildete Hunde. Wenn die Hunde allerdings in die Teenagerphase kommen, kann das Kippen. Kurz vor die Hunde zwei Werden, sind sie dann fertig. Von meinen eigenen Hunden habe ich fünf ausgebildet. Vier fremde. Momentan habe ich noch zwei neue ( Anfang 6. Monat) Im Dezember kommt noch einmal ein neuer dazu. Bis zu 3 Hunde bilde ich maximal gleichzeitig aus.

Thomas Rank: Haben sie Praktikanten und wie ist die Konsequenz der Jugendlichen?

Filiz Erfurt:Ja, ich hatte eine Praktikantin und eine weitere kommt Anfang nächsten Jahres. Die war ganz hin und weg. Absprünge gab es noch keine. Im Gegenteil. Es kommen immer mehr auf mich zu. Auch viele meiner Türkischen Landsleute, und viele Menschen die bisher keine Hunde hatten. Ich hatte ein junge Frau, die jetzt eine Ausbildung zur Kindergärtnerin macht, die hat schon im letzten Jahr ihre Therapiehundeteamausbildung mit ihrem 4jährigem Golden Retriver bestanden. Im Dezember diesen Jahres möchte sie mit einem Welpen erneut eine Ausbildung absolvieren. Viele Jugendliche stehen diesem Thema sehr offen gegenüber. Sie loben oft meine Arbeit, stellen sehr oft sinnvolle Fragen und diskutieren auf einer sehr tollen respektvollen Ebene mit mir.


Thomas Rank: Wie kam die Liebe zu den Tieren?

Filiz Erfurt: Ich habe Hunde schon immer geliebt. Ich durfte und konnte auch nie Hunde halten. Im Bezug auf den Koran, weil dies immer wieder Landsleute von mir sagen, ist der Hund reiner als der Mensch. Ich habe den Koran gelesen. Seit 1999 arbeite ich fest mit Hunden zusammen. Das entwickelt sich immer weiter. Hunde haben ein tolles Sozialverhalten. Die Hunde helfen mir selbst in vielen Dingen. Sie können mich ausziehen, sind eine Stütze an jeder Ampel, selbst Fahrstuhlknöpfe sind kein Problem oder bei Botengängen greifen sie mir unterstützend unter die Arme. Außerdem öffnen und schließen sie Türen, Schubladen und Schränke, u.v.m. Meine Hunde leben dieses Leben mit mir. Die muss man nicht anschreien. Ich finde es nur Schade, dass manche Hundetrainer sich als Konkurrenz sehen.

Thomas Rank: Ist es richtig, dass sie reiten und auch dies anbieten?

Filiz Erfurt: Ja das stimmt, seit August 2014 wird das Reiten und die Kontaktaufnahme zwischen Hund und Pferd aufgebaut. Danach für unsere Schützlinge, über den Hund zum Pferd und wenn möglich auch zu reiten. Familie Cernik arbeitet mit uns ehrenamtlich zusammen. Deren 20 jährige Tochter Miriam hat einen 10 jährigen Haflinger Wallach " Street Boy. Das Pferd wurde noch nie von einem Behinderten geritten. Das Pferd versteht sich mit meinem Epilepsie- Warn- Hund so gut, dass sie sich sogar die Mörchen teilen(lach).Die Laufen Huf an Pfote. Ich nehme nicht wie üblich über die Füße oder Beine Kontakt zu dem Pferd auf, sondern nur über meine Stimme. Durch das Reiten wird die Spastik gelöst. Im Trab kann ich tief in den Bauch einatmen, sowie ich wieder mit dem Po auf dem Pferd aufkomme atme ich aus. Dem Hund wird beigebracht während des Reiten an meiner Seite zu bleiben. Und der Hund warnt mich eine halbe bis eine 3/4 Stunde vorher vor, wenn ich einen Epileptischen Anfall bekomme, so dass ich rechtzeitig eine Pause oder ein Medikament einnehmen kann. Familie Cernik und ihr Pferd Steetboy sind für uns eine große Bereicherung in unserer Ausbildung, eine tolle Familie und ein ganz besonderes Pferd.

Thomas Rank:Was sagen sie zu der Situation der Hunde in Rumänien?

Filiz Erfurt: Das erschüttert mich sehr. Der Hund macht nie etwas verkehrt. Die Hunde sagt dem Menschen so schön was er möchte. Schade ist es das nur sehr wenige Menschen verstehen, was ein Hund ihnen gerade sagt. Leider sagt man zu recht, das der Mensch das schlimmste Raubtier auf Erden ist. Es ist doch nicht normal oder nachvollziehbar, auf Hunde ein Kopfgeld auszusetzten. Aber irgendwann, irgendwo und irgendwie wird die Natur zurückschlagen, für das was Rumänien diesen armen Kreaturen angetan hat.


Thomas Rank:Wie schaut ein Drehtag aus?

Filiz Erfurt: Wir beginnen Morgens mit den Interviews und mit den Drehs mit den Welpen. Am Beispiel von Yannick haben wir nachmittags gedreht. Es ist nicht so einfach mit Kindern und Hunden zu drehen. Aber ich habe ein tolles Drehteam, die wissen damit umzugehen.Es war auch ein Wahnsinns toller Dreh.Es ist sehr anstrengend, aber ich mache das mit Herz.

Thomas Rank: Vielfach wird gesagt, der Mensch ist Rudelführer. Sehen sie das auch so?

Filiz Erfurt: Das kommt immer darauf an, wer vorne geht. Wenn der Hund vor dem Menschen beim Gassi gehen läuft, übernimmt der Hund die Führung. Wenn der Mensch dem Hund demonstriert, wer das Sagen hat, muss er auch vorne bzw. neben dem Hund laufen, wörtlich gesagt dem Hund sagen wo es langgeht, sprich er ist der Chef von einem Rudel.


Thomas Rank: Sie hatten mit 11 Jahren einen schweren Sportunfall. Wie war das für sie?

Filiz Erfurt: Das war eine sehr schwere Zeit. Die die alles haben, wissen nicht was sie haben.
Einmal bin ich mit 15 Jahren auf einer Brücke gestanden. Kurz danach habe ich meinen Mann kennengelernt. Mit ihm bin ich seit über 28 Jahren glücklich verheiratet, habe den besten Ehemann der Welt, drei tolle Kinder von denen zwei Krank sind und drei tolle Hunde. Mit 29 Jahren hat man mir empfohlen, da ich für die Gesellschaft nicht mehr tragbar sei, solle ich vorzeitig in Rente gehen. Ich bin mit meiner Berufung jetzt Glücklich und Zufrieden und kann nebenbei anderen Menschen und Hunden noch helfen, etwas schöneres gibt es für mich nicht.


BILDRECHTE: ALLE BILDER SIND AUS DER SAMMLUNG ERFURT UND WURDEN UNS FÜR DIESEN BERICHT ZUR VERFÜGUNG GESTELLT.
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Gaby Floer aus Garbsen | 09.10.2014 | 08:26  
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