World of Warcraft - Vom Spiel zur Sucht

von Schülerzeitung Lupe aus Gröbenzell | am 12.10.2007 | 4327 mal gelesen | 5 Kommentare | 0 Bildkommentare | 2 Bilder
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Es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis die Politik, nach
Egoshootern auch gegen Online-Rollenspielen wie World of Warcraft vorgehen will, doch wie gefährlich ist das Spiel wirklich?


Mit über 6 Millionen Abonnements alleine in Deutschland, ist World of Warcraft das größte Massively Multiplayer Online Role-Playing Game (wird üblicherweise durch MMORPG abgekürzt) der Welt. Es basiert auf demselben Prinzip wie die meisten Rollenspiele, umso mehr Zeit der Spieler für seinen Charakter investiert, umso stärker wird er. Selbst wenn der Spieler das Maximum, Level 70, erreicht hat, kann er seinen Charakter durch Gegenstände und Rüstungsteile weiter verstärken, was jedoch wieder sehr Zeitaufwendig ist, denn es gibt immer noch Gegenstände die man nicht hat, aber unbedingt erreichen will, um von seinen Mitstreitern bewundert zu werden. Dadurch, dass WoW den Spieler für lange und sehr intensive Spielzeit belohnt entsteht ein hohes Suchtpotential. Um am erfolgreichsten an seltene Rüstungen und Waffen zu kommen, können die Spieler an so genannten Instanzen teilnehmen, wo 40 Spieler über mindestens 3 Stunden auf in einem “Schlachtzug“ versuchen, seltene Gegenstände zu erbeuten. Da sich diese Gruppe auf einen Zeitpunkt einigen muss, der allen passt, bestimmt das Spiel im extrem Fall den Tagesablauf weil man die Freizeit um die Instanzen herum planen muss. Wenn Gruppenmitglied während einer solchen Schlacht aussteigt, ist diese automatisch für alle anderen beendet und da so etwas den sofortigen Ausschluss aus einer Gilde zur Folge hat, entsteht ein starker Gruppenzwang, der oft zum Bleiben bewegt. Hier ein Beispiel, wie der Tagesablauf eines WoW Süchtigen aussieht:

„Total übermüdet, stehe ich am Morgen auf, der Abend gestern war anstrengend. Meine Gilde* war von 19.00 Uhr bis 3.00 Uhr in einer Instanz*, in der ich unbedingt mit musste, um neues Equipt* zu bekommen. Ich hoffte auf ein neues Brustteil*, das nicht dropte*. Das heißt, heute Abend dasselbe nochmal… Von Müdigkeit geplagt, schleppe ich mich zum PC, ich schalte ich ihn an, und fragte mich im selben Augenblick welcher Tag und wie viel Uhr es heute sei. Zum Glück kann man in WoW die Uhrzeit und durch ein Addon auch das Datum und den Tag einsehen. Es war Dienstag 10.00Uhr, in einer Stunde muss ich in die Uni. Naja, dann kann ich wenigstens noch mit meinen Freunden ein wenig Arena machen und wie erwartet waren in meiner Gilde schon 15 Leute von 80 online. Nach kurzem Fragen, stellt sich heraus, das sie noch jemanden für eine Instanz suchen. Da ich heute eh keine Lust auf die Uni hab, melde ich mich krank und wir gehen in die Instanz.
Natürlich geht das nicht jeden Tag aber zum Glück habe ich in der Uni 8 Freistunden, darum habe ich auf dem Uni PC WoW installiert um es von dort aus auch spielen zu können. Vor kurzem habe ich eine Bewerbung an die beste Gilde Deutschlands geschrieben und wurde nach einen 4 sündigen Gespräch auch aufgenommen. Das bedeutet ich muss nun noch länger spielen und so fällt jetzt meine komplette Freizeit WoW zum Opfer. Täglich spiele ich jetzt bis zu 10 Stunden und wenn ich nachschaue wie lange ich insgesamt online war, bin ich stolz, von den letzten eineinhalb Jahren 173 Tage Spielzeit geschafft haben. Eine gute Zeit wie ich finde, doch ich besitze immer noch nicht das richtig gute Equipt*. Das bedeutet ich werde weiter spielen, spielen, spielen, noch ist für mich keine Ende in Sicht...“


Um wenigstens die Jugendliche vor einer Sucht zu bewahren ist es seit Ende November 2005 für Eltern möglich, die tägliche Spielzeit ihrer Kinder einzustellen, Es können für den Account entweder festgelegte Uhrzeiten oder eine Gesamtspielzeit definiert werden. Doch auch dieser
Schutz hilft wenig, denn wie unser Beispiel belegt ist es Jugendlichen ein leichtes dieses “Hindernis“ zu überwinden, auch der Verfall zur Abhängigkeit ist hier sehr eindrücklich geschildert:

„Über einen Freund habe ich das Online-Rollenspiel WoW kennen gelernt, ich war sofort davon begeistert und kaufte mir, nach den 2 Wochen Probezeit direkt ein Jahresabo. Obwohl meine Eltern anfangs noch kein Problem damit hatten wollte ich auf Nummer sicher gehen und gab mich beim
Kauf als 18 aus, damit sie später nicht meine Spielzeit kontrollieren könnten. Da WoW erst ab Level 70 richtig losgeht, verbrachte ich die nächsten Wochen und Monate damit, dieses “Mindestlevel“ zu erreichen. Je mehr Zeit ich online war, desto weniger Zeit nahm ich mir für andere Dinge,
ich ließ mein Fußballteam hängen, ließ die Hausaufgaben komplett weg und verließ mein Zimmer nur noch sehr selten. Meinen Eltern mied ich wo es ging um mir nicht dauernt anhöre zu müssen wie viel Zeit ich vor dem Computer verbringe und natürlich um statt einer Standpauke lieber mit meiner WoW-Gilde raiden zu können. Die 13€ im Monat störten mich kaum, da ich seit ich WoW spiele eh keine Zeit für Kino oder andere Freizeitaktivitäten habe. Schließlich muss ich mit meinen neuen Freunden in WoW auf einem Level bleiben, und das ist mit zurzeit einfach wichtiger. Mittlerweile muss ich nicht einmal mehr die SMSen meiner Freunde kontrollieren, weil meine Freunde sich nicht mehr für mich interessieren. Auch meine Freundin hat mich schon lange verlassen, aber das ist mir egal, da ich in WoW mittlerweile sehr beliebt bin, und jeder der mich sieht salutiert oder sich vor mir verbeugt. Meine Mutter ist ziemlich fertig, als ich einmal Nachts um 2.00Uhr eine Klopause eingelegt habe, konnte ich sie mit meinem Vater völlig aufgelößt reden hören. Da hat sie mir fast leid getan, aber sie kann einfach nicht verstehen wie viel mir WoW bedeutet. Na zum Glück habe ich ja in WoW durch meine Gilde eine viel nettere Familie mit den selben Interessen gefunden...“


Natürlich ist nicht jeder Spieler gleich ein Süchtling doch sehr viele weisen eine Tendenz in diese Richtung auf. Wer selbst mehr als 3 Stunden täglich spielt, oder einen Freund hat, der so viel Zeit in dieses Spiel investiert, sollte sich oder ihm folgende Fragen stellen:

1. Habe ich schon öfter bewusst gelogen um WoW zu spielen?
2. Vernachlässige ich regelmäßig meine Arbeit, Uni oder Schule, um WoW zu spielen?
3. Hab ich schon mehrfach meine sozialen Kontakte vernachlässigt um WoW zu spielen?
4. Vernachlässige ich das Essen und Trinken, die tägliche Körperpflege oder sonstigen Dinge, um WoW spielen zu können?

Trotz des großen Suchtfaktors ist gegen kontrolliertes Spielen nichts einzuwenden, da WoW sich sonst nicht sonderlich von anderen Computerspielen abhebt und ausschließlich der Unterhaltung dient. Wer sich also der Gefahr bewusst ist, kann ohne Sorge das Spiel genießen.


Max Dachauer
(c) Schülerzeitung Lupe
Gymnasium Gröbenzell

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