Kleingärtner dürfen Abwasser chemisch behandeln - Alle 3800 Parzellen müssen bis Ende 2013 die gesetzlichen Anforderungen zur Abwasserbehandlung erfüllen. Entsorgungsfahrzeuge können viele Gärten nich

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Greifswald: Während Kleingärtner im Land gegen die Richtlinie zur Abwasserentsorgung protestieren, hat Greifswald eine unkonventionelle Lösung gefunden. Die Untere Wasserbehörde erlaubt den Kleingärtnern der Stadt ihre sickerfreien Sammelgruben mit der Chemikalie Ammovit zu behandeln. Die Chemikalie werde in der Landwirtschaft eingesetzt, um Gülle aufzubereiten. Sie bindet Gerüche und tötet Bakterien. Das sei laut Sachbearbeiter Matthias Werner zwar nur eine Notlösung, werde jedoch akzeptiert. Auch nach 2013. Ab 2014 müssen alle Parzellen landesweit und damit auch die 3800 Kleingärten in Greifswald die gesetzlichen Anforderungen für die Abwasserentsorgung erfüllen (OZ berichtete). Bislang darf das Schmutzwasser unkontrolliert abfließen. Bereits 1992 wurden die Kleingärtner verpflichtet, ihre Abwasserentsorgung anzupassen. Der lange Übergangszeitraum ist bald zu Ende. Groben Schätzungen der Unteren Wasserbehörde zufolge sind etwa 80 bis 90 Prozent der hiesigen Kleingärten mit einer Sammelgrube ausgestattet. Trockentoiletten und Kleinkläranlagen seien die Ausnahme. ?Sickerfreie Sammelgruben sind mit dem Gesetz konform?, erklärt Matthias Werner. Das dreckige Wasser aus der Parzelle darf also nicht in ein Loch im Boden abgeleitet werden, sondern muss durch eine Beton- oder Kunststoffhülle aufgefangen werden. Solche sickerfreie Gruben sind in der Gartensparte Nord in Ladebow längst Standard: ?Wir haben die Sache damals sehr ernst genommen. In unserer Sparte haben wir von 2002 bis 2005 verstärkt daran gearbeitet, dass jeder Garten mit einer sickerfreien Grube ausgestattet ist und nun sind mit allem fertig?, sagt der Sparten-Vorsitzende Ingolf Trettin. Problem jedoch: Wohin mit den Fäkalien und dem Dreckwasser aus der Sammelgrube? Eigentlich müsste das Abwasser aus der Grube von Entsorgungsautos abgesaugt und in eine Kläranlage transportiert werden. So wünscht es der Gesetzgeber. Das klappt in vielen Fällen jedoch nicht, weil die 18 Tonnen schweren Entsorgungsfahrzeuge den Weg zu den Parzellen nicht schaffen. Die Gartenwege sind zu schmal und aus Sand. Weder die Greifswald Entsorgung GmbH (GEG) noch andere Entsorgungsfirmen in der Umgebung verfügen über kleinere Multicars, eine Anschaffung rentiert sich bislang nicht. ?Sollten sich die Beauftragungen erhöhen, ist vorstellbar, ein kleineres Fahrzeug anzuschaffen?, sagt Matthias Mögling, Betriebsleiter der GEG. Bisher nehmen eher wenige Kleingärtner am Rande von Gartenanlagen das Absaugen durch Firmen in Anspruch. Die unkonventionelle Lösung der Unteren Wasserbehörde daher: Die Kleingärtner dürfen die Fäkalien in der Sammelgrube mit Chemikalien wie Ammovit oder Terra Biosa behandeln. ?Ammovit bindet Ammoniak und Gerüche?, erklärt Werner. Die chemische Substanz verflüssigt feste Bestandteile. Die Flüssigkeit kann dann wiederum in den Garten geleitet werden. ?Diese Variante ist nicht das Allheilmittel?, sagt Werner. Bis eine Lösung mit kleinen Abfuhrfahrzeugen gefunden wurde, sichert der Mitarbeiter der Stadt jedoch zu, dass die Kleingärtner ihre sickerfreien Sammelgruben mit Chemikalien wie Ammovit oder Terra Biosa behandeln dürfen. Langfristig wünscht sich Werner jedoch, dass Verhandlungen zwischen dem Kreisverband der Kleingärtner und Entsorgungsfirmen aufgenommen wird, um eine optimale Lösung zu finden. Die Initiative müsse hierzu von den Kleingärtnern ausgehen, so Werner.39 KleingartenvereineIn Greifswald gibt es 3800 Kleingärten, die sich in 39 Vereinen zusammengeschlossen haben. Der kleinste Verein verfügt über zwölf Gärten, die größte Anlage über 394 Gärten. Alle Kleingärtner müssen die Art ihrer Abwasserentsorgung bei der Unteren Wasserbehörde melden. Dort werden die Daten derzeit erfasst und demnächst ausgewertet. Ab 2014 wird die Abwasserentsorgung kontrolliert. Die Gartenanlagen Am Silberberg (Sammelgrube) und Am Bodden (Anschluss an zentrale Kanalisation) besitzen eine innere Erschließung mit einer Gemeinschaftsanlage.

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