Krisenvorsorge-Finanzkrise-Droht dem Euro eine Spaltung
Manfred Neumann äußerte dem Magazin WirtschaftsWoche gegenüber dieses Szenario: Danach drohe langfristig die Euro-Zone aufgrund frappierender Wirtschaftsunterschiede die ökonomische Spaltung in zwei Teile: eine relativ stabile Nordzone und eine in ihren Schulden erstickende Südzone, die auf Transfers der reicheren Länder hofft. „Am Ende dieser Entwicklung könnten durchaus auch zwei verschiedene Währungen stehen. Es war ein zentraler Konstruktionsfehler der Währungsunion, dass man auf die Option verzichtete, penetrante Schuldenmacher einfach wieder hinauszuwerfen“, so Neumann, der emeritierter Professor für Wirtschaftliche Staatswissenschaften in Bonn ist.
Joachim Starbatty, ebenfalls emeritierter Wirtschaftsprofessor, empfahl im Focus sogar eine derartige Aufspaltung – er begründet dies mit dem Maastricht-Urteil des Bundesverfassungsgerichts von 1993, das die Währungsunion nur unter einer Bedingung zulassen wollte: die Euro-Zone soll eine Stabilitätsgemeinschaft darstellen. Das heißt, dass alle Beteiligten ihren Staatshaushalt in Ordnung bringen sollten und einen Sparkurs verordnen.
Nur so hätten die Kriterien für eine Aufnahme in die Währungsunion erreicht und die Schuldengrenzen eingehalten werden können. Unter diesen Voraussetzungen hätte die Währungsunion auch ohne politische Union funktionieren können. „Diese Bedingung ist eindeutig verletzt“, sagt Starbatty. Der Umkehrschluss müsse daher eigentlich lauten, dass die Währungsunion in ihrer jetzigen Form von der deutschen Verfassung nicht mehr gedeckt ist. Konsequent zu Ende gedacht müsste dies den Austritt Deutschlands aus dem Euro bedeuten.
Der rechtliche Rahmen für einen solchen Schritt wäre also durchaus gegeben – doch ist er wirklich wahrscheinlich? Ist eine Aufspaltung der Euro-Zone in einen währungsstarken und einen währungsschwachen Block wirklich eine Lösung, die gewisse Politiker goutieren? So mancher Kapitalmarktexperte erklärt, dass die Wahrscheinlichkeit recht groß sei, dass diese Spaltung Wirklichkeit werde.
Diese Teilung der Euro-Zone käme einer Währungsreform gleich. Gemeinhin bringen Währungsreformen immer große Verluste für die Ersparnisse der Bevölkerung mit sich, denn die Einführung einer neuen Währung oder die tief greifende Umstrukturierung einer Währung wird die Staaten veranlassen, sich ihrer Schulden weitestgehend zu entledigen. Alle, die in irgendeiner Weise in den Euro investiert haben, müssten sich auf große Verluste einstellen.
Wie wahrscheinlich diese Variante ist, kann ich nicht sagen – denkbar wäre auch dieser Schritt, denn in Krisenzeiten erscheint der Politik wohl jede Option recht, sich irgendwie durchzuschummeln. Doch meine ich, dass es letztendlich gleichgültig ist, ob die Euro-Zone in solidarischer Gemeinschaft untergeht, oder ob einige Länder durch Austritt verzweifelt versuchen, den drohenden Ruin noch einmal aufzuschieben. Am Ende wird die Krise auch diese Länder zum Zusammenbruch zwingen – der Crash wäre wieder einmal nur aufgeschoben. In Sicherheit wiegen sollte man sich in keinem Fall.
Quelle: Focus, Wirtschaftswoche





