Großer Andrang bei TransBorderLes e.V. in Stade

  Schon am Donnerstag, den 19. März 2015 wurden die Autos mit den Messeutensilien bepackt. Die neuen Poster mussten genauso mit, wie Monitor, DVD-Spieler, Zelt und Tische. Auch die Stühle, die Bücher und Info-Materialien durften nicht fehlen. Schließlich wollten die Vereinsmitglieder dafür sorgen, dass jeder Besucher umfangreich informiert werden konnte.
Kaum waren am Freitag die Tore geöffnet worden, standen auch schon die ersten Hilfesuchenden vor dem Messe-Stand. Während der Freitag noch relativ ruhig verlief, nahmen die Besucherzahlen am Samstag spürbar zu, um am Sonntagnachmittag extrem anzuschwellen.
Alle Vereinsmitglieder waren nun im Dauereinsatz, um tausende von Fragen zu beantworten und sich mehr als achtzig Geschichten anzuhören.
Vereinsmitglied Matthias Nickel dazu:
„Es erstaunt mich immer wieder, wie viele Menschen es gibt, die von den Themen Homo-, Trans- und Intersexualität keine Ahnung haben. Das ist schlimm, aber dem kann man abhelfen. Schockierend finde ich, dass es nach wie vor eine große Anzahl von Menschen gibt, die nicht glauben wollen, dass diese angeborenen, also genetisch bedingten, Varianten zu unserer Gesellschaft dazugehören, dass es sogar Menschen gibt, die schwule Männer oder lesbische Frauen mit Kinderschändern in einen Topf werfen. Wir haben uns einige hämische oder sogar feindselige Kommentare gerade von Menschen ost- oder südosteuropäischer Herkunft anhören müssen. Ich denke, wenn man in einem Land lebt, dessen Vorteile man genießt, sollte man sich den dortigen Gepflogenheiten anpassen oder in sein Heimatland zurückkehren, anstatt den hiesigen Menschen das Leben schwer zu machen.“
Ein Gast dazu:
„Ich habe bei den TBLern vor zwei Jahren um Rat gefragt, da meine Tochter transsexuell ist. Sie konnten mir wertvolle Tipps geben und heute lebt meine Tochter als das, was sie schon immer war, nämlich als Junge und ist der glücklichste Mensch der Welt. Ohne diese Hinweise hätten wir wohl manchen Umweg gemacht.“
Auch Opfer häuslicher Gewalt oder Frauen, die als Mädchen sexuell missbraucht worden waren, erschienen in großer Zahl, um sich zu informieren, um ihre Geschichten zu erzählen oder von ihren teils hanebüchenen Therapien zu berichten. Sogar eine rituell missbrauchte Frau hatte all ihren Mut zusammengenommen, um ihre Leidensgeschichte zu erzählen und mit Rita Krüger, der Heldin des Buches „Die Goldesel-Töchter“ der Autorin Heide Marie Zimmer zu reden.
„Ich finde es nach wie vor schlimm, dass man als Opfer unglaublicher Grausamkeiten nicht ernstgenommen wird, dass niemand über den sexuellen Missbrauch von Kindern reden will, dass einem keiner glauben will, selbst wenn man Beweise auf den Tisch legt. Ich habe, nachdem mein Vater erst meine Mutter und dann sich selbst erschossen hat, Fotos gefunden, die meine Erinnerungen bestätigen, aber niemand will mir zuhören, mir glauben. Manchmal bin ich sehr verzweifelt und habe schon gedacht, ich spinne und habe mir alles nur eingebildet. Aber die Fotos sprechen eine andere Sprache. Die sind echt. Es ist eine Schande, dass so viele Kinder Ähnliches erleiden müssen, wie ich es musste, und kein Mensch kümmert sich ernsthaft darum. Aber in Wahrheit wundert mich das nicht wirklich, wenn ich mir die unglaublich großen Zahlen anschaue. Es wird wohl so weitergehen.“
Mehrere Frauen hatten den Bericht über Margaretha Main bei FrauTV im WDR-Fernsehen gesehen und bekamen am TBL-Stand direkt die Möglichkeit mit der bekannten Autorin zu sprechen. Frau Main hatte im TV über ihren oft steinigen Werdegang berichtet und konnte den einen oder anderen Tipp geben.
Margaretha Main dazu:
„Eigentlich wollte ich ja Motorradmechanikerin werden. Dieser Traum zerplatzte allerdings schnell, da ich damals nur hämisch abgewiesen worden war. In allen Betrieben hatte man mir damals erklärt, es gäbe kein Frauenklo und somit könne man mich auch nicht einstellen. Später habe ich mich von der Krankenschwester zur Heimleiterin hochgearbeitet, um mich noch später als freiberufliche Pflegekraft selbstständig zu machen. Ich kann nur jeder Krankenschwester oder Altenpflegerin ebenfalls zu diesem Schritt raten, da nur dann eine angemessene Bezahlung erfolgt. Ich finde es schade, dass Frauen auch heute noch bei gleicher Arbeit gut ein Viertel weniger verdienen, als Männer.“
Auch Michaela Main und Hans Georg van Herste wurden oft aufgesucht, da viele Besucher ihr neues Gesundheitsbuch „Endlich frei, glücklich und gesund“ gelesen hatten. Während die eine über langjährige Rückenprobleme klagte, kämpfte der andere mit Kopfschmerzen.
Simone Petzold stand ebenfalls oft im Fokus des Interesses. Ihr neustes Buch „Der süße Herbst des Lebens“ steht seit Monaten auf ersten Plätzen bei Amazon und beschreibt das Leben einer Frau, die erst einen Schlaganfall erleiden musste, um aufzuwachen, um zu sehen, dass sie nur ausgenutzt wird, um dann ihr Leben von Grund auf zu ändern und ganz neu durchzustarten.
Erst spät am Sonntagabend, nachdem man die Messe noch einmal hatte Revue passieren lassen und das letzte Steak verzehrt worden war, verließen die Mitglieder des Vereins das Steak-House in Elm. Im nächsten Jahr werden alle wieder dabei sein, um zu beraten und aufzuklären, um Tränen zu trocknen und in den Arm zu nehmen, um der Welt zu zeigen: „Hey, Leute, wir sind, wie wir sind! Und das ist gut so!“

Informationen:
www.transborderles.de
www.van-herste.de
www.margaretha-main.de
www.starke-frauen.org
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