Goldenes Stroh in meinem Haar – Gräfin von Schöngau-Brixendorf bringt ihr zweites Buch heraus

  Elisabeth Keller im Gespräch mit der Erfolgsautorin Elisabeth Margaretha Gräfin von Schöngau-Brixendorf

EK Frau von Schöngau-Brixendorf, es freut mich, dass Sie Zeit für mich gefunden haben.

vS Im Moment ist mein Plan wirklich etwas voll, aber dieses Gespräch wollte ich unbedingt führen. Es ist schließlich mein erstes Interview.

EK Wie sind Sie, als Bankerin, zum Schreiben gekommen?

vS Es muss etwa zwei oder drei Jahre her sein, da wurde ich von einer irischen Kollegin auf die englischsprachige Ausgabe von „Leben im Matriarchat“ von Lena Birkthal aufmerksam gemacht. Das Buch habe ich verschlungen. Erst als ich wieder in Deutschland war, habe ich herausgefunden, dass es sich um eine Übersetzung handelt und dass das Buch zur Buchreihe „Starke Frauen“ gehört.
Danach las ich „Die Stille eines Lebens“ von Yvonne Zündler. Die Geschichte eines Mädchens, das in den letzten Kriegstagen seinen Vater verliert und zusehen muss, wie die eigene Mutter einen derben psychischen Knacks abbekommt, im Heim landet und dort von den, ach, so heiligen Nonnen missbraucht und versklavt wird, hat mich enorm mitgenommen.
Die Ignoranz der Bevölkerung hat mich wütend gemacht. Da werden Mädchen gequält und alle schauen weg. Als sie später für Gerechtigkeit sorgen will, stößt sie überall auf verschlossene Ohren. Es ist eine Schande, was rings um uns her passiert.
Über „Die Prinzessin vom Leuchtturm“ und „Das Mädchen Yvonne“ habe ich mich durch alle Bücher der Reihe nach und nach hindurchgelesen. Alle Geschichten basieren auf wahren Erlebnissen und sind fundiert recherchiert worden. Aber ich war nicht nur immer wieder geschockt, nein, ich habe auch viel aus diesen Büchern gelernt.
Ich bin in einem Umfeld aufgewachsen, in dem es keine Gewalt gab. Ich denke mal nicht, dass ich selbst sexuell missbraucht wurde. Mit Sicherheit sagen kann ich das natürlich nicht. Ich weiß ja nicht, was unsere Kindermädchen mit uns Geschwistern veranstaltet haben, als wir noch ganz klein waren. Heute würde ich jedem alles zutrauen. Ich habe gelernt, die Welt mit realistischeren Augen zu sehen. Ich denke, ich habe vor der Lektüre vieles einfach übersehen, da ich mir Geschichten dieser Art nicht vorstellen konnte.
Zwischendurch habe ich die Bücher des Herausgebers dieser Buchreihe, Herrn Hans Georg van Herste, gelesen. Seitdem bin ich in der Lage, Zeichen, die z. B. auf sexuellen Missbrauch hinweisen, zumindest im Ansatz zu erkennen. Ich hatte bis dahin nicht gewusst, dass Bettnässen, Nägelkauen oder Ritzen auf Erlebnisse dieser Art hinweisen können. Auch seine Biografie „Am Fluss meines Lebens“ hat mich fasziniert. Wie jemand, der so viele Niederschläge einstecken musste, immer noch am Ball ist, wird mir ein ewiges Rätsel bleiben.
Als dann eine Bekannte anrief und mich auf eine ihrer Patientinnen aufmerksam machte, die eine unglaubliche Geschichte zu erzählen hätte, war ich sofort bei der Sache. Ich reiste von Köln nach Hannover und lernte tatsächlich Sara, das Wiesel, kennen. Obwohl sich diese alte Frau mir gegenüber anfangs sehr abweisend verhielt, konnte ich nicht anders, als mir ihre Geschichte anzuhören. Es war einfach nur der Hammer. Nachdem ich mich vom ersten Schrecken erholt hatte, beschloss ich, Saras Geschichte an Herrn van Herste weiterzuleiten. Der erklärte mir, dass all seine Autorinnen beschäftigt seien und schlug mir vor, es selbst zu versuchen.
Ich hatte bis dahin noch nie einen längeren Artikel geschrieben und war erst einmal völlig überfordert. Nachdem ich mich selbst wieder runtergeholt hatte, schrieb ich einfach das auf, was ich von Sara gehört hatte.
Natürlich war das Ganze anfangs etwas holprig, da ich ja alles richtig machen wollte. Nach einigen Gesprächen mit Herrn van Herste, er hatte mir den einen oder anderen Tipp gegeben, stellte ich ihm mein Erstlingswerk vor. Er hat es lektoriert und überarbeitet und anschließend veröffentlicht. Als ich mein Buch zum ersten Mal im Internet entdeckte, wurde mir schon ein bisschen flau. Mein Buch war wirklich erschienen und konnte gekauft werden. Und dann kam der nächste Hammer: es landete sofort auf vorderen Verkaufsrängen. Mir blieb tatsächlich, entschuldigen Sie bitte den Ausdruck, die Spucke weg.

EK Haben Sie sich inzwischen etwas von dem Schrecken erholt?

vS Ja, der Schreck ist weg und hat einer großen Freude Platz gemacht.

EK Wie sind Sie denn auf Antjes Geschichte gestoßen?

vS Na ja, auf die Geschichte bin ich nicht gestoßen, eher gestoßen worden. Herr van Herste rief mich an und fragte, ob ich Lust hätte, ein zweites Buch zu schreiben. Er hat die Story kurz umrissen. Allerdings haben die wenigen Worte ausgereicht, um mich neugierig zu machen. Er stellte mir daraufhin Tagebuchkopien und Aussagen des noch lebenden Ehemannes zur Verfügung. Obendrein habe ich mich in die Geschichte der letzten Kriegstage eingelesen und hier und da recherchiert. Zum Schluss ist „Goldenes Stroh in meinem Haar“ dabei herausgekommen.

EK Ich habe es, genau wie die Sara-Geschichte, sofort verschlungen. Tolles Buch. Sie haben wirklich Talent. Auch Ihr zweites Buch hat einen grandiosen Start hingelegt.

vS Ja, ich kann es immer noch nicht glauben. Es fühlt sich fantastisch an.

EK Na, dann kann der Rubel ja rollen.

vS Ach, es geht mir nicht ums Geld. Ich denke, wenn etwas dabei herausspringt, werde ich das Meiste sowieso spenden. Ich verdiene als Kreditfachfrau für gehobene Ansprüche genug Geld. Mir liegt es eher am Herzen, etwas zu bewegen. Vielleicht schauen auch ein paar Leser in Zukunft etwas genauer hin, wenn irgendwo eine Untat, welcher Art auch immer, passiert. Vielleicht kann ich ein wenig aufrütteln. Wenn nur ein Kind mithilfe meiner Bücher vor einem Martyrium bewahrt, wenn nur eine Frau nicht mehr geschlagen wird oder aufsteht und sich wehrt, freue ich mich darüber.

EK Wie sieht Ihre Zukunft aus?

vS Ich werde weiterhin als Bankerin arbeiten. Ich habe mir fest vorgenommen, Opfern zu helfen – soweit es in meiner Macht steht. Auch hier in Köln wird es sicherlich Projekte geben, die ich unterstützen kann. Die „Insel-Methode“ von Herrn van Herste finde ich super. Ich weiß noch nicht genau, wie und wo ich anfangen werde. Die Bücher und ihr Erfolg haben mich etwas kalt erwischt. Ich denke, ich muss mich erst einmal selbst sortieren.

EK Frau von Schöngau-Brixendorf! Es hat mich gefreut, Sie kennen zu lernen. Ich wünsche Ihnen weiterhin viel Erfolg.
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