Von Mähdrescher bis zum Pflug

Gleina: Hauptstrasse | Es ist Freitag, der 26.Juli 1963. Die Sonne hat längst den höchsten Stand des Tages erreicht und schickt ihre glühend heißen Strahlen nieder. Etwa 30 Grad plus zeigt die Quecksilbersäule des Thermometers im Schatten.

Im gemächlichen Tempo führt zu dieser Zeit ein blauer Wartburg durch die Gemeinde Gleina und hält Ausgang des Dorfes, Richtung Baumersroda, vor dem Stützpunkt der technischen Brigade der LPG „Weg der Einheit“ Gleina an. Nach einer Weile öffnet sich die Wagentür, aus der Ernteline mit Fotoapparatausgerüstet entsteigt Sie hatte sich heute die Aufgabe gestellt, einmal zu untersuchen, wie die Genossenschaftsbauern aus Gleina, insbesondere die technische Baubrigade, den Kampf führen zu schnellen und verlustlosen Einbringen der Ernte. Es sind nur wenige Meter, bis Ernteline das Büro des Baubrigadestützpunkts erreicht, in dem der Werkstattmeister Arno Winkler und die Brigadebuchhalterin sitzen.

„Guten Tag“, sagt Ernteline, als sie den Raum betritt und gibt, wie es sich gehört, beiden die Hand. „Ich wollte gern euren Brigadier, den Genossen Günter Linke sprechen. Wo finde ich den?“ „Ja, er ist gerade rüber in das LPG Büro zu einer kurzen Besprechung“, kam die Antwort von Arno zurück. „Du kannst aber rüber gehen, denn diese dauern nicht lange.“

Ernteline zögert nicht, verabschiedet sich von beiden und schreitet ein Stück des Weges zurück, wo sie vor wenigen Augenblicke mit dem Auto gekommen ist, zur LPG.

Im Büro angelangt, belauschte sie nach der Begrüßung noch ein wenig die Worte des Vorsitzenden, Buchhalters, Buchmeisters und anderer Mitglieder des Vorstandes, die sich mit einer innergenossenschaftlichen Frage auseinandersetzen.
Die Sitzung war zu Ende. Jetzt war ernteline an der Reihe.
„Nun Genosse LPG-Vorsitzender“ sagte Ernteline und trug das gleiche Anliegen vor wie im Brigadestützpunkt. „Das paßt ja fein“, sagte Genosse Titus, „ich fahre jetzt raus auf Feld, da kannst du mitkommen.“

Noch auf dem Sozius des Motorrades sitzend, überlegte Ernteline, was bei dem Fotografieren herauskommen muß. Sie gab sich selbst die Antwort: „Die Technik ist entscheidend.“ Die Fahrt dauert nicht lange, da sah Ernteline am Karsdorfer Weg Staub aufwirbeln. Staub, der von dem zwei Mähdrescher arbeiteten, angelangt, zückte Ernteline den Fotoapparat. Sie sagte sich: „Du musst beide haben, damit das komplexe Arbeiten richtige herauskommt.“
Ja, die Mähdrescherbesatzungen Rödel/ Bähler und Diener/ Gabor fahren im Komplex.
Ihre Meinung ist: „So geht es besser, und man fühlt sich nicht so allein. Vor allem aber sieht man, dass etwa geschafft wird.“ Bereits viele Jahre fahren Ernst Rödel, Erich Bähler, Erich Diener und Karl Gabor ihren Mähdrescher. Keine könnte man besonders hervorheben, da alle vier eine große Arbeitsfreudigkeit mitbringen, während der Erntezeit nicht auf die Uhr sehen und sich gegenseitig bei kleinen Reparaturen helfen. Sie kennen nur eins, das, was sie tun muß der Genossenschaft und dem Staat der Arbeiter- und Bauern- Macht dienen.
Deshalb stellten sie sich auch das Ziel, zusammen mit den übrigen Genossenschaftsbauern die Ernte in 32 Einsatztagen zu beenden.

Weiter geht die Fahrt über das Feld und Feldweg. Das nächste Ziel war, zu sehen, was die Traktoristen Ernst Rühlemann und Werner Böhme beim Mähen der Wicken machen. Es war ein befriedigender Anblick für Ernteline, auf dem Feld an der Querfurter Straße die langen Würste Wicken liegen zu sehen, die von den Traktoristen hingezaubert wurden.

Bereits voriges Jahr wurde am Mähbalken der Schwadmäher eine Veränderung vorgenommen, die zu einem großen Erfolg führte. Hoch aufgeworfen liegen die gemähten Wicken in Langen Reihen da und sind beim Drusch besser vom Mährdrescher zu fassen.
Die kleine technische Veränderung lieb nicht geheim, sie wurde in diesen Jahr von anderen LPG des Kreises, wie z.B. Ebersroda und darüber hinaus von der LPG Stößen im Kreis Weißenfels, aufgegriffen und verwirklicht.

Besonderes erfreulich war es für Ernteline, zu erfahren, dass die Traktoristen von Gleina sozialistische Hilfe in Laucha, Dorndorf und Wennungen geleistet haben.
Erstaunlich für Ernteline war auch die Arbeit von Rudi Kretzschmar, der gerade dabei war, den Lein zu ernten. Nicht mit der Hand, wie früher, ging die Leinernte vonstatten, sondern mit einer modernen Technik auf dem Feld dahin, rauft den Lein und legt ihn sauber ab.

Auf Grund der neuen Technik war es der LPG “Weg der Einheit“ Gleina möglich, die Leinernte innerhalb weniger Tage abzuschließen und den LPG in Baumersroda, Reinsdorf, Karsdorf und Ebersroda ebenfalls sozialistische Hilfe zu leisten.

Ah, was ist denn hier los? meinte Ernteline zum Vorsitzenden, Genossen Titus, als sie beide auf das Feld am albersroda Weg fuhren, wo der Traktorist Helmut Horst dabei war, die Ursache des Schadens der gerade entzweigegangen Strohpresse festzustellen.
„Die Nadeln schlagen auf die Kolben und verbiegen sich“, meinte er, als wir hinzukamen. Damit war auch gleich der Anknüpfungspunkt gefunden, für das, was Ernteline auf dem Herzen hatte. Sie wollte erfahren, wie es mit dem Strohhäckselverfahren in der LPG aussieht.

Lächelnd sah Genosse Titus Ernteline an und sagte: „Voriges Jahr war ich auch noch einer von denen, die alle möglichen Ausreden zum Strohhäckselverfahren hatten. Dieses Jahr ist es bei uns anderes. Von den 400 ha Getreide werden etwa 200 ha gehäckselt. Noch mehr haben wir uns im nächsten Jahr vorgenommen. Da pressen wir nur das Stroh, was die Mitglieder für ihr individuelles Vieh bekommen. Durch das Häckselverfahren sparen wir sehr viel ein und das Stroh kommt auch schneller von Feld.“
„Bravo“, meint Ernteline, als Genosse Titus endete. „Hier könnten sich alle Genossenschaften des Kreises ein Beispiel nehmen.“
Die letzte Etappe der Rundfahrt war angebrochen. Es ging, wieder in Richtung Gleina, um noch Walter Bernhard beim Bindern des Hafers und Steffan Paisdiors beim Umbruch der Stoppeln aufzusuchen.
Der Traktorist Bernhard fing gleich an zu schimpfen, als e uns kommen sah. „Was gibt es zu schimpfen Walter“, sagte der Genosse Titus. „Du kannst dich nur ärgern über die schludrige Arbeit der RTS Baumersroda. Der Binder war in Reparatur, musste aber bis heute laufend repariert werden, damit er richtig funktioniert.“
Die Farbe allein macht es nicht, liebe Kollegen von Baumersroda, zeigt etwas mehr Verantwortung, meint dazu Ernteline.
Genosse Bernhard und auch wir setzen nach diesem Gespräch unsere Fahrt fort.

Nur noch wenige Male musste der Raupenfahrer Paisior das Feld herauf- und herunterfahren, um mit dem Stoppelbruch fertig zu werden. Er meinte: „Ich muss dich dazuhalten, denn dort kommt eine Gewitterwand auf. Morgen soll nämlich die Zwischenfrucht eingedrillt werden.
Ja, Mahd, Räumung der Felder, Umbruch der Stoppeln und Aussaat der Zwischenfrucht, das ist das Prinzip, welches in der LPG „Weg der Einheit“ Gleina herrscht, denn nur so kann die Produktion gesteigert und der Wohlstand der Genossenschaftsbauern gehoben werden.

Wettbewerb und materieller Anreiz, das ist die Sache, die in Gleina eine große Rolle spielt.
Schon lange vor dem Beginn der Ernte haben sich der Vorstand, die Genossenschaftsbauern und Traktoristen Gedanken gemacht, wie so schnell wie möglich die Ernte geborgen werden kann. Dazu ein sehr guter Ablaufplan, aber auch ein sehr guter Wettbewerbsplan erarbeitet. Dieses Pläne geben die Gewähr, daß das gestellte Ziel, in 32 Einsatztagen die Ernte zu beenden, verwirklicht wird.
Jeder Genossenschaftsbauer, jeder Traktorist weiß, was er am tag zu leisten hat und was er am Tag zu leisten hat und was er bei Übererfüllung der Norden für Prämie erhält. Bisher wurden in der Brigade Technik weit über 400 DM Prämie gezahlt.
Die Prämien geben Ansporn zu noch größeren Taten.

Quelle: Nebraer Rundschau 2.8.1963
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