Pop-Art-EVOLUTIONISIERUNG: Neo-POPISM der ars evolutoria zu POP LIFE

von Werner Hahn aus Gladenbach | am 14.03.2010 | 1315 mal gelesen | 1 Kommentar | 2 Bildkommentare | 43 Bilder
Albrecht Dürer 1502: Die Darstellung des Tieres hat in der Evolutionsgeschichte der Bildenden Kunst einen Wandel erfahren. Nicht zum Guten! Franz Marcs "Animalisierung" der Kunst war innovativ-fortschrittlich. Erweiterung des Kunstbegriffs (Beuys & Co) ..
 
WARHOL - Schlüsselfigur zu POP LIFE: Die Kunstmarkt-Heroen „von Warhol bis Hirst“ werden derzeit in „Pop Life“ unkritisch in „wahnwitziger Parade“ (so 3sat-„kulturzeit“) provokativ als „Hype“ gefeiert und nicht kritisch kommentiert. a&s-Bild.
 
Pop-Life-Schau in Hamburg: Lieber folgen die Kuratoren bereitwillig den Markt- Selbstinszenierern, die für die „Gegenwart“ abermals in „Kunstszene“ gesetzt werden. Mehr dazu im Artikeltext. a&s-Bild. W.H.
 
Pferd-Darstellung bei Pop Life: macht deutlich, wohin die "Erweiterung des Kunstbegriffs" bis heute geführt hat. Hat dieses Werk des ars-evolutoria-Neo-POPISM die Kraft, einen Wandel im "Kunst-Denken" zu initiieren? Beaucamp fordert einen "Bruch" ...
 
Die Kunstmarkt-Künstler-Figur Damien HIRST wird im Artikel kritisch beleuchtet. Hier eine a&s-Bild-Mutante zu Hirsts geflügeltem Ferkel.
 
Franz MARC war ein seriöser Künstler, der die Evolutionisierung der Kunst originell förderte. Siehe Artikel zu F.M. von mir im WWW. (Bild a&s-Mutante 14/3/10.)
 
Schau, die Selbstinszenierung, Massenmedien, Provokation und Kommerz vereint: Kuratorin Annabelle Görgen-Lammers. a&s-Bild W.H. AGL fasziniert vor POP LIFE "Poppen-art" (Jeff Koons).
 
Dezent von einem schwarzen Vorhang verhüllt und mit einem Schild "Zutritt nur für Besucher über 18 Jahre" versehen, werden drei riesige Fotos von Jeff Koons gezeigt. a&s-Neo-Popism-Bild.
 
Poppen-art in der Hamburger Kunsthalle: Jeff KOONS & Co. Nach 3sat-Film SSBild mutiert. "Kulturzeit"!
 
"Poppen Life" - 3sat-Kulturzeit-Bericht zu Pop Life. Bild-Mutante ars evolutoria.
 
Ursprung-der-Welt-Neo-popism. a&s&Courbet. (7/3/10)
 
SEX sells: Ursprung-der-Welt-neo-popism. a&s&GerhardRichter. Vgl. Artikeltext.
 
1
Alptraum des DARWINschen Geistes am 12.02.2009: Diamantenschädel von Damien HIRST - a&s-mutiert; vgl. Homepage Werner Hahn; Link Vorstellung.

Manche Besucher in der „Galerie der Gegenwart (!)“ der Kunsthalle Hamburg werden momentan sicherlich ratlos vor bestimmten „Pop Life“-Werken stehen, die aktuell dort nicht etwa provokatorisch als „Lachnummer“ gezeigt werden. Die Alt-Pop-Art und Neo-Pop-Art (Old-POPism- und Neo-Popism) stoßen eher auf Unverständnis und Ablehnung bei interessierten Kunstliebhabern und Fachleuten. Spaßmacher sehen in der Life-Schau statt „Popism“ (ein Warhol-Begriff) eher „Poppen“-art; dazu mehr weiter unten.

Um Künstler-Skandale und die subversivsten Marktstrategien vermittels der Skandal-Kunst-Ware sog. moderner bzw. postmoderner „Kunstmacher“ geht es. BesucherInnen haben zu Recht das Gefühl, vom Pop-Wunderland „verarscht“ (SZ 15/2/10) zu werden. Kunst-Ansichten des Banalen und von teurem Kitsch provozieren hier Widerspruch. Jeff Koons silbernes Kaninchen-Luftballon-Machwerk „Rabbit“, das in der Londoner Tate Modern noch zu sehen war, fehlt in Hamburg.

„Werke und Kunst-Theorien fördern, die Anti-Chaos, Anti-Unsinn und Anti-Beliebigkeit visualisieren“ titelte ich in „Der Tagesspiegel“ Wer heute die Mächtigen samt Höflingen im Kunstbetrieb ausstellt, sollte parallel über die Machenschaften der Herrschenden in Politik & Kunst-Kommerz diskutieren. In einem ausgestellten Bazon-BROCK-Spruch zur Ausstellung „MACHT ZEIGEN“ (DHM Berlin) heißt es, die Repräsentanten der Macht würden vor schwieriger (post)moderner Kunst "geradezu stolz" demonstrieren, "dass sie hinreichende psychische Stabilität besitzen, mit dem Chaos, dem Unsinn, den Beliebigkeiten in den Werken der Künstler spielend fertig zu werden". (1) Das besagt nun NICHT, dass es in deutschen Landen auch künstlerische Werke und Kunst-Theorien gibt, die Anti-Chaos, Anti-Unsinn und Anti-Beliebigkeit verkörpern und erkenntnistheoretisch für innovative transmoderne Kunst als „Kunst-Erneuerung“ plädieren. Hierzu mehr in ((2) a/b) - Eduard BEAUCAMP (FAZ), der einen Symmetrie-„Bruch“ in „Kunststücke“ gefordert hat.

In einer abgelaufenen 60/60-Privat-Schau im Gropiusbau Berlin wurde ein„Kanon“ der „Ästhetik der Sieger“ gezeigt: Natürlich wurden die privat selektierten „Kunstwerke“ der bizarren 60/60-PROPAGANDA-Schau NICHT nur unter den „Bedingungen des Grundgesetzes“ (Art 5 Abs. 3 – GG-Kunstfreiheitsgarantie) geschaffen? (Eine MERKEL-Legende!) Die These, dass allein „freie Kunst“ (Staatskunst) auch „gute Kunst“ sei“, war zu widerlegen! (3)

Pop-Art-Auferstehung? Vorsicht ansteckende NEO-Popartitis

In ihrer „Galerie“ der sog. „Gegenwart“ zeigt die Hamburger Kunsthalle bis 9. Mai in „POP LIFE“ auch Jahrzehnte alte Kunstwerke (Alt-Popism) – WARUM?: Die Schau vereine nach Ansicht der institutionellen Hamburger Macher „spektakuläre Werke von einigen der bekanntesten Künstler“ der vergangenen Jahrzehnte. Diese hätten „ihre Kunst und ihre öffentliche Person mit verschiedenen Strategien“ kalkuliert und für die Medien inszeniert. Die Kunst-Macher der Pop Art-Bewegung (OLD- / NEO-P.A.) strebten „ihren materiellen Erfolg unverhohlen mit den Mitteln einer durch und durch kommerzialisierten Gesellschaft“ an. So behaupten es die Ausstellungsmacher. Zur Schau werden theorie-lastige Katalogtexte präsentiert.

Wer kennt sie nicht, die Heroen des Kunstmarktes: Namen wie „Warhol, Haring, Koons, Hirst, …“? Namen, die für „Kunst“ – Kitsch – Kommerz stehen. Die Hamburger Schau will über künstlerische Marketing-Tricks informieren – klärt aber weniger auf! Wie in England, als die Schau dort in der Tate Modern London verheerende Kritiken bekommen hat, ist die Ausstellung in der Kunsthalle Hamburgs ebenfalls ein Ärgernis für viele. Trotz der von der Kuratorin in Interviews lobend-schwärmerisch zu sehenden Kommentare zu Werken der Star-Künstler in der Galerie-der-Gegenwart. (Siehe dazu meine Bilderstrecke.)

Die britische Tageszeitung "The Independent" urteilte z. B. negativ so: "Eine zutiefst seichte Schau!". Andy Warhol kreierte als Pop-Art-Altmeister angeblich einen – nach Ansicht der Kuratoren der Schau - äußerst zukunftsweisenden Künstlertyp, der in Hamburg unkritisch institutionell propagiert wird. Dieser K-Typ nutze die Regeln der Mediengesellschaft perfekt und macht damit viel Geld. Die ausgestellten Markt-Stars mit teuren Werken hätten erfolgreich die Grenze zwischen Kunst und Kommerz überschritten. Die („Kunst“)Markt-Gesetze der medialen Gesellschaft hätten sie für sich geschickt mit kalkulierten Skandalen zu nutzen verstanden.

Kopfschütteln ist angebracht, wenn im Katalog zu lesen ist, es sei heute zum „Kunst“-Durchsetzen exzessives künstlerisches Unternehmertum nicht nur unvermeidlich, sondern es wirke als „Stimulans bis in unsere Gegenwart" (Jack Bankowsky, Kurator der Londoner Ausstellung). In Warhol & Co sieht man „kommerzielle Marktstrategien“ von Künstlern wie ehemals bei Lucas Cranach d. Ä. oder Peter Paul Rubens, die damals schon gute Geschäftsleute gewesen seien, liest man: Wie die „Pop-Life“-Stars heute, ließen diese Künstler erfolgreiche Bildideen von handwerklich versierten Gehilfen quasi in Serie produzieren und signierten diese von anderen geschaffenen Werke lediglich. In diesem Zusammenhang wird auch Rembrandt genannt.

Auf der Homepage der Kunsthalle heißt es auch: „Der Besuch einiger Ausstellungsräume ist für Besucher unter 18 Jahren nicht möglich.“

Die skandalösen jugendgefährdenden Besonderheiten der Schau (vgl. dazu die Bilder-Galerie-a&s-Mutanten) haben mit Andy Warhol nichts zu tun. „Warhol“ wurde Markenzeichen: Er hat sich „selbst mit den Reichen, den Sternchen und den Künstlern in New York zur Celebrity stilisiert“ (Homepage Kunsthalle). Visuell verführerisch zeigt sich Jeff KOONS mit seiner berüchtigten Serie „Made in Heaven“. Koons wollte bekannt, reich und berühmt werden. Deshalb zog er sich aus - für „poppen art“. 1991 heiratete JK die ungarisch-italienische Pornodarstellerin Cicciolina alias Ilona Staller, die auch als Politikerin agiert hat. Drastische Kopulations-Szenen entstanden, die jedes Museum wegen der Sex-Szenen zu dem werbewirksamen Hinweis zwingen: "Für Jugendliche unter 18 Jahren nicht zugelassen“. Die Medienwirkung war schon damals immens; auch mit kitschigen Aktfotos erregte Koons Aufmerksamkeit.

„EVOLUTIONISIERUNG der poppenden PO(P)-Art (2): ANTI-Popartitis als Neo-POPism“

Neben seinem Interesse für SEX, erarbeitete der „Kitsch“-Macher KOONS auch Objekte aus der Alltagskunst und Werbung. Berühmt-berüchtigt machten ihn aber die „sexuell-obszönen Werke“. 1992 überraschte Koons am Rande der documenta IX (HOETiade) - zu der er nicht offiziell als Künstler eingeladen war - mit dem Werk „Puppy“: einem zwölf Meter hohen „Hündchen“ bestehend aus 17.000 Blumen.
(Bild siehe in http://de.wikipedia.org/wiki/Jeff_Koons - Homepage von Mega-Kitsch-Star J.K.: http://www.jeffkoons.com/site/index.html (Darin „Puppy“, “Made in Heaven” u.a.m.)

Im handwerklichen Sinne malt Koons erst seit einigen Jahren: Eigenhändigkeit ist aber kein Kriterium für Koons Künstlertum (siehe oben), denn für die Umsetzung seiner Ölgemälde steht - wie in einer altmeisterlichen Werkstatt - ein Team von Assistenten zur Verfügung, das Koons' Ideen auf riesige Leinwände überträgt. Nichts wahres Neues und Originelles entspringt dem Kopf des J.K.:

Jeff Koons ist lediglich die beste Marketing-Abteilung der Kunstszene, die genau weiß, wie visuelle Klischees sofort wegen perfekter Plattheit begriffen werden können. Dass Koons „verdammt konservativ“ sei und er als „Superstar“ die Kunst „endgültig zur kritiklosen Kitschware verkommen lässt“, machen ihm „Kritiker und Künstler gleichermaßen zum Vorwurf“, stellte auch „Focus“ fest (Nr. 9/1993, Christoph Blase).

Mich wundert es, dass Jan HOET den Künstler J.K 1992 nicht zur documenta 9 eingeladen hat (siehe oben), „der größten Unterhaltungsshow, die die Kunstwelt je sah“ (Blase). Seinen 12 m hohen Terrier „Puppy“ soll aber – laut internationaler Kunstkritik - der „Höhepunkt“ des documenta-Sommers der HOETiade gewesen sein, was ich bezweifle; siehe im Web zum „Fall documenta“ (Justiz-Fall googeln).

Im „art“ Kunstmagazin kommentierte ich zu KOONS (13/09/08): Kulturschaffende aller Länder vereinigt euch!

Viele „Kunstwerke“ der Gegenwartskunst stehen dem „Kitsch“-Phänomen nahe: Das gilt insbesondere auch für die Spielzeugwelten des amerikanischen „Kunst-Stars der Achtziger“, den Künstler Jeff Koons (Jahrgang 1955), der als „King of Kitsch“ kritisiert wird. „Kunst“-Markt-Liebhaber Koons hat z. B. übergroß aus Metall geformte Ballonhündchen geschaffen; so den aufgeblasen-knalligen und naiven Magenta-Pudel vor Palazzo Grassi in Venedig und ein triviales-dekoratives Blumenhündchen vor dem Guggenheim Bilbao. Der pinkfarbene Pudel darf nun im Barockschloss Versailles vor den Toren von Paris Hof halten – zusammen mit anderen bekannten provokativen Kitsch-Objekten des Markt-Stars aus den 80er und 90er Jahren. Neu ist nun, dass nicht nur das Feuilleton der Medien, sondern endlich „seriöse“ Kulturschaffende sich öffentlich zu Wort melden: Die Ausstellung wird als „Geschäft unter Freunden“ kritisiert, weil der mit Koons befreundete ehemalige Kulturminister (2001 ernannte der Koons zum „Ritter der Ehrenlegion“) der Ausstellungs-Initiator ist. Viele beurteilen die „Kitsch-König“-Objekte als Beschmutzung des französischen Kulturerbes, als Nicht-Kunst-Angriff á la Duchamps „Mona Lisa“ mit „Bart“: Meta-Spaß „Mona Lisa L.H.O.O.Q. rasée".

Neu ist auch hierzulande, dass Kulturschaffende dafür plädieren, dass die documenta 13 von einem Team – der Findungskommission - geleitet werden sollte (Prof. Peter Weibel, Kunstkritiker Karlheinz Schmid). Ein a&s-Mutations-Bild zeigt Koons „Ballon-Tier im Schloss Versailles.

Eduard BEAUCAMP ist zuzustimmen, wenn er heute klagt:

Die „Resteverwertung der Moderne“ muss aufhören, wünschte sich Eduard BEAUCAMP in „KUNSTSTÜCKE“ (FAZ – (2)). Ein „Bruch“ müsse her; Naturwissenschaftler sprechen von Symmetrie-Brüchen, wenn evolutionär Neues entstehen soll. Der FAZ-Kunstkritiker verlangt eine „substantielle, individualistische und emanzipatorische Kunst“ und will Aufklärer, denkende Künstler, Begründer einer fundamentalen Ästhetik unterstützen. Gefordert wird (fast missionarisch) ein „neuer Weltgeist“. Angesichts von globalem „Kommerz & Rummel“ und vermisster Kunst-Kennerschaft im Kunstbetrieb - eine ehrenhafte Absicht. Der Evolutions-Weg zum Ziel starte - nach Selbstbefreiung und Selbstauslöschung der entzauberten Kunst - mit Gewissensforschung & Kassensturz: Folgen müssten Kunstszene-„Ethos“-Erneuerung, Reformwille mit Qualitäts-Denken und eine konstruktive Kunst-Erbe-Kritik.

Jeff KOONS will momentan in New York in einem staatlichen Museum (New Museum) unter anderem „Evolution“ zeigen: Zum „Kurator-Neuling“ mutierte der Pop-Macher J.K., der selbst seinen „schwimmenden Basketball“ in einem gemeinnützigen Museum - öffentlich gefördert -ausstellt. Skandalös ist, dass der Kitsch-„Künstler“ aus der JOANNOU-Privat-Sammlung, in der er selbst mit 40 Werken vertreten ist, Werke ausgesucht hat. Damit profitieren Kurator, Sammler & Händler von der Schau. Die Domäne Kunstgeschichte wird nun total privat „gekauft“ (so die FAZ (Niklas Maak). Schwer-Reiche, Sammler &„Zuhälter“ lenken zeitgenössische „Kunst“ ohne öffentliche Kontrolle und bestimmen den Kunst-Diskurs.

Die Kunsthallen-Präsentation „POP LIFE“ beweist wiederum: Die ästhetischen Energien des 20. JHs (der „heroischen Moderne“ samt Postmoderne mit Koons & Co) sind nicht erst seit 2010 verbraucht: Der FAZ Kunstkritiker Beaucamp sprach von einer „launischen“ Post-Moderne: Die „Metamorphose“ müsse sich heutzutage über „experimentelle Phantasie“ zu einem „radikalen Neuanfang“ entwickeln; durch „Bruch“. Das geforderte „Einzigartige und Außerordentliche“ ist m.E. nur über eine „l’art-pour-la science“ (evolutionisierende Erkenntniskunst) möglich; nicht durch Epigonen von „Pop Life“:

Apropos Damien HIRST & Takashi MURAKAMI in Hamburg

Die Ausstellung in der Hamburger Kunsthalle beginnt mit WARHOL (dazu Mutationen in meiner Galerie) und schließt mit Werken von Damien HIRST, die dieser auf seiner eigenen Auktion bei Sotheby’s „Beautiful Inside My Head Forever“ zu Rekordpreisen versteigern konnte. Zusammen mit Takashi MURAKAMI, der für seine künstlerischen Produkte den weltumspannenden Konzern „KaikaiKiki Co. Ltd.“ gegründet hat.

„Gute Geschäfte sind die beste Kunst", sagte Andy Warhol kurz und präzis. In den letzten 20 Jahren seines Lebens war Warhol eben da angekommen, wo er Geschäfte gemacht hat. A.W. legte viel Wert darauf, mit Popstars und Schauspielern gesehen zu werden und ließ in seiner „Factory“ seine alten Bilder-Ikonen neu produzieren. So bekannt wie "richtige" Markenprodukte wurden Warhols Gesicht und die Bilder.

Über HIRST- & MURAKAMI-„Kunst“ habe ich mich schon kritisch in früheren Beiträgen geäußert: Der Japaner Takashi Murakami unterhält einen ganzen Konzern zur Vermarktung seiner bunten Blümchen-Kunst. Im „art“ Kunstmagazin kritisierte ich am 27/09/08:

Takashi MURAKAMI trägt nicht zur „EVOLUTION der Kunst“ bei!

Dass MURAKAMI die „Revolution“ Marcel Duchamps und des All-is-pretty-Warhol bewundert, kann man angesichts von Syntax und Semantik der Werke des Japaners gut verstehen. Wenn der Künstler aber behauptet, er trage zur „Evolution der Kunst“ bei (im „art“-Interview), ist das anzuzweifeln. Evolutionsprinzipien (Auslese, Anpassung etc.) gelten in Kunst und Kunstgeschichte und dienen letztlich der Erkenntnis des Wesens der Welt und unseres Selbst. Im Stammbaum der bildenden Kunst wird sich MURAKAMI – mangels kulturellen Tiefgangs - als absterbendes Seitenzweiglein etablieren (negatives Mem-Produkt). Seine momentane „Berühmtheit“ im Kunstbetrieb verdankt „Japans Andy Warhol“ den autoritären und ausgeklügelten Marketing-, VIP- und PR-Strategien des nervenden zeitgenössischen Kunstmarktes, der auch die Kitsch-Macher wie Hirst und Koons fördert.

Die Non-Art des provokativen Geschäftsmannes MURAKAMI ist eine letale Mutante dessen, was heute noch „Ästhetik“ (Variante „Kunst der Kunstlosigkeit“) genannt wird. Den bewusstlosen Bewusstseins-Zustand des Kunst-Markt-Künstler-Betriebs – mit „Kunst der Absatzstrategie“ (Holger Liebs) - spiegeln besonders die genannten 3 „Künstler“-Figuren (deren NICHT-Originalität/Innovation) wider; nicht den Erkenntnis-Stand des gebildeten Kunstkenners. Was soll’s, wenn die infantile Pop-Bildsprache des Takashi MURAKAMI an die Welt der Mangas, der bunten und wilden, neckischen japanischen Comics, erinnert; Comic-als-„Kunst“-Verehrer dürfen sich freuen, Kunstkritiker sollten ihren Beruf (der Kritik) ernst nehmen, Kunstmarkt-Satire sollte nicht nur mit Satire beantwortet werden.

Weiter titelte ich am 3.10.08 im „art“-Kommentar: „Kunst“ der Evolutionslosigkeit: Glaubenssystem statt Wissenssystem:

Das Museum (MMK) wirft sich in Frankfurt (wieder einmal) dem Kommerz in die Arme. MURAKAMIs „Kunst“ kann als „Kunst“ einer „Kunst der Evolutionslosigkeit“ gesehen werden, wenn sich auch MURAKAMI-Meme in bestimmten empfänglichen „Kunst“-Hirnen fortpflanzen werden. MURAKAMIs momentane Bekanntheit im nervigen Kunstbetrieb verdankt „Japans Andy Warhol“ den neofeudalen, autoritären Strukturen des öffentlich geförderten Kunst-Marktes (exemplarisch: MMK-Beispiel). Der Kult um MURAKAMI hat nur dann Sinn, wenn es sich um „Kunst als Glaubenssystem und nicht als Wissenssystem“ handelt:

Peter WEIBEL postulierte, in Zukunft werde die Kunst „weniger im Feuilleton als im Wirtschaftsteil besprochen“. So einfach ist es: „Der herrschende Geschmack im Kunstbetrieb ist der Geschmack der Herrschenden.“ Siehe TAZ-Artikel B. Werneburg: „Kunst und Publicity: Das Diktat der Marken“. In Frankfurt „brillierte“ das öffentlich geförderte MMK mit einer von der Gagosian Gallery bezahlten Ausstellung „© Murakami“; Merchandising-Universum (…). Die „Autonomie des Museums“ steht auf dem („freien“ (?)) Spiel der KUNST, erklärte ich im Internet: Das Museum als Ort von „Bedeutung“, „Autorität“ und „Selektion“ des Wichtigen, Innovativen.

Als ein anderer übler Kuhhandel in Frankfurt ist die „Kunst“-Dauerleihgabe der Deutschen Bank an das Städel-Museum zu sehen: Er beinhaltet „anzukaufende“ (!) Werke der „Staatskünstler“ & Kunst-Markt-Stars A. Kiefer (umstrittener „Friedenspreis“-Mann) etc. Die Deutsche Bank darf den privaten DB-„Kunst“-Geschmack öffentlich machen. (4)

Wenn das nicht "voll porno" ist

Als Gustave Courbet 1866 einen halb geöffneten weiblichen Schoß auf die Leinwand bannte (Titel: "Der Ursprung der Welt") löste er damit einen Skandal aus. Das Gemälde (vgl. a&s-Mutante in der Galerie zu meinem Artikel) musste fast hundert Jahre hinter anderen Bildern versteckt werden. Sex galt in der Kunst noch lange als größter Tabu-Brecher. Heute heißt die nackte Wahrheit höchstens noch: Sex sells. Partnertausch, Peepshow und Pornogucken. Sex sells muss sich auch der Maler-Star Gerhard RICHTER gedacht haben, als er eine „Studentin“ im Jahr 1967 in banaler Pornoästhetik aus billigen Magazinen als Voyeurismus-Mutante in Schwarz-Weiß auf die Leinwand bannte; vgl. dazu meine a&s-Neo-Popism-Mutante zu Richters Bild in Farben.

POP Life, RAMOS, RUSCHA und die Kunstwelt heute

Die Kunstmarkt-Heroen „von Warhol bis Hirst“ werden derzeit in „Pop Life“ unkritisch in „wahnwitziger Parade“ (so 3sat-„kulturzeit“) provokativ als „Hype“ gefeiert und nicht kritisch kommentiert. Im Gegenteil: Für die mit der Tate London programmatisch konzipierte – in England verrissene – nicht immer jugendfreie Schau, die Selbstinszenierung, Massenmedien, Provokation und Kommerz vereint, schwärmt die Kuratorin Annabelle Görgen-Lammers; siehe Video des „Hamburger Abendblattes“ - http://video.abendblatt.de/watch/66244971001.

Lieber folgen die Kuratoren bereitwillig den Markt- Selbstinszenierern, die für die „Gegenwart“ abermals in „Kunstszene“ gesetzt werden. Gnadenlos werden erneut Bilder vom Geschlechtsverkehr des KOONS-Glamour-Paars und anderer vermarktet. 3sat-„Kulturzeit“ zeigte Beispiele davon, die mich zum Mutieren reizten (siehe Beispiele Galerie). Danke.3sat.

„Sex sells“ gilt in wachsendem Maße sowohl für neue als auch für altehrwürdige, renommierte Museen bzw. Kunsthallen.

Kunst-Ansichten des Banalen und von teurem Kitsch provozieren auch in Tübingen Widerspruch. ZEIT ONLINE präsentiert eine Bilderstrecke mit Werken von Mel RAMOS: „Mel Ramos. Ein Provokateur, ein Künstler. Kunst? Das sind doch nackte Frauen, die sich vor Cola-Flaschen räkeln, vor einem Schlüsselloch oder – wie hier zu sehen – auf einem Nilpferdrücken“, wird kommentiert. Der Pop-Artist Ramos malt Pin-up-Girls und ihre Signale sexueller Verfügbarkeit auch mit exotischen Tieren. Das eine hat mit dem anderen zwar nichts zu tun, wird aber als Kunstmarkt-Werbe-Strategie eingesetzt. Popism als Perversity-Pop-Art .

Mel Ramos hatte in den 1960iger Jahren die ersten "Commercial Pin-ups" gemalt, noch kritisch gemeint: Als Dauer-Popartist malt M.R. heute immer noch fotorealistische Pin-ups; der Kunstmarkt ist gefräßig. Im Grunde malt M.R. immer dasselbe: nackte Girls, Girls, Girls.
Warf man M.R. Banalität vor, verwies der Maler auf Kunstgeschichte und die Geschichte der Aktmalerei.

Neue „Popartitis“ auch in München: Edward RUSCHA, der 1972 an der Documenta 5 teilnahm, wird in München als wichtigster lebender amerikanischer Künstler nach 1960 in der Pinakothek gefeiert. Die von der Londoner Hayward Gallery organisierte Wanderausstellung zeigt Ruscha als konsumberauschter Zyniker der Konsumgesellschaft, der Werbung malt, Tankstellen, Werbeschriftzüge, Filmzitate etc.

Die Hinwendung von Kunst zu Mainstream und Kommerz galt lange Zeit als kultureller Verrat.

Zum „Phänomen Damien Hirst“:

Zu Damien Hirst wurde von mir in ZEIT ONLINE (Community) ein längerer aktueller Artikel veröffentlicht. Bitte Googeln: „Damien Hirst: Kunst-Markt-Kunst primär & sekundär und die unabhängigen Künstler“. Ist Hirsts Versteigerung von Formaldehyd-Kadavern bei Sotheby's am 15./16. September 2008 eine Ausverkaufsaktion für dumme Reiche? Damien Hirst sei eine „unumstrittene Majestät des gegenwärtigen Kunstbetriebs“, ein Mann „der traurigen Sehnsucht der Museen“, schreibt die SZ am 13.09.08. Holger Liebs fördert mit seinem Artikel „Ich bin Kunst“ den Prozess, dass „am Ende überall nur noch ein Name kursiert“ - der des D.H.. Warum reiht sich die SZ ein in die frohe Bewunderungsepistel-Verkündigung statt eine gehaltvolle Strafpredigt für die Irrlehre des Tier-Mumien-Kunst-Markt-„Künstlers“ zu halten. Dass Hirst reicher sein soll als der reiche „King of Kitsch“ (Kollege Jeff Koons) ist kein Kriterium für etwaige gute oder innovative Kunst. Siehe auch ausführlich zu HIRST meinen ZEIT Artikel :
http://community.zeit.de/user/wernerhahn/beitrag/2... .

Wie HIRST sich für den Kunstmarkt prostituiert

Hirst zelebrierte im September 2008 seine Macht und seinen Ruhm, indem er 223 atelierfrische Varianten seiner Schmetterlingsbilder, Arzneimittelschränke und Formaldehyd-Tiere bei Sotheby’s versteigerte. Der „Spiegel“ kritisierte die Versteigerung: „eine Reallife-Performance um Geldgier und Dekadenz, um Kunstspekulationsgeschäfte und Hirst-Hysterie“.

Im Gegensatz zu Franz Marcs Auffassung einer „Animalisierung der Kunst“ bietet Hirst’sche „Animalisierung“ ein viele Besucher verstörendes Tiere-Bild: in einer als „geschmacklos“ zu empfindenden Weise, soll angeblich an Tod und Vergänglichkeit gemahnt werden. Tierleichen-„Pop-Life“-Werke Hirsts stoßen auf Unverständnis und Ablehnung. Siehe Bildergalerie zum Artikel - Diamanten-Schädel.

Nicht-Kunst-Tricks: Hirsts verkaufsstrategisch optimierte Kunstware

Manche Kritiker wünschen sich, dass der sensationslüsterne D.H. selbst einmal nach seinem Ableben als Leiche in Formaldehyd eingelegt werde. Aber das Konservierungsmittel zum Einlegen biologischer Präparate altert, was man in Naturmuseen an präparierten Tieren beobachten kann. Mein Vorschlag: Gunter von Hagens Methode der Menschen-„Plastination“ ist die bessere um die D.H.-Leiche in Form zu halten; D.H. sollte einen Vertrag mit dem umstrittenen Plastinator G.v.H. (aber besseren Konservator) abschließen. Bei G.v.H. und seinem Team wäre er in guten Händen, so würde er uns als der große „Kunst“-Vorgaukler länger plastiniert erhalten bleiben, nachdem die „Kunst“-Präparate des D.H. vielleicht schon längst in den Palästen der Reichen zerfallen sind. Damit das potentielle D.H.-Plastinat nicht das Gruseln lehrt, könnte man D.H.s Hände vergolden, seinen Schädel mit Diamanten bestücken etc. (Dazu ein a&s-Mutationsbild „Blutkörperchen und Plastinator-Fußballer“.)

Reiche und doofe Sammler von Schlachtplatten à la Hirst (so Elfi Kreis in der „Kunstzeitung“) könnten ihre Sammlung mit dem „Goldjungen der Postmoderne-Beliebigkeit“ ergänzen. Eigentlich gehört der Goldjunge dann in die Sammlung des Formaldehyd-Tigerhaies: Das Opus magnum des sensationslüsternen Duos D.H.&G.v.H. (der Gold&Diamanten-D.H.).

Zur unheilvollen PRIVATISIERUNG der Ausstellungspolitik

Unter dem Titel „Museale Selbstentmachtung durch Superreiche, Privatsammler und deren „Zuhälter““ schrieb ich in der FAZ am 4/3/2010:

Prominente Kunstmarkt-Stars thematisieren in New York in einem staatlichen Museum unter anderem „Evolution“. Kurator ist der Pop-Macher Jeff KOONS, der selbst seinen „schwimmenden Basketball“ in einem gemeinnützigen Museum - öffentlich gefördert -ausstellt. Skandalös ist, dass der Kitsch-„Künstler“ aus der JOANNOU-Privat-Sammlung, in der er selbst mit etlichen Werken vertreten ist, Werke ausgesucht hat. Damit profitieren Kurator, Sammler & Händler von der Schau. Die Domäne Kunstgeschichte wird nun total privat „gekauft“ (FAZ (-). Schwerreiche, Sammler &„Zuhälter“ lenken zeitgenössische „Kunst“ ohne öffentliche Kontrolle. Allein die unabhängigen (?) Medien können noch Deals wie zwischen Joannou/Koons und dem New Museum geißeln. N.M.s Artikel klärt auf, wer die Macht im Kunstbetrieb hat: Museen und staatliche Kunsthallen überlässt man Privatsammlern mit Kunsthändlern und ihren kommerziellen Interessen. Dass eine korrupte Kunstwelt weiter negativ evoluiert, in der Karrieren vollkommen steuerbar werden und weiterhin stets dieselben „Stars“ auftauchen, ist bekannt: vgl. die Berliner „Christianfriedrichflickcollection“. Ein NY-Witz: Das Thema „Evolution“ wird mit frühmenschlich behaarten Doppel-Nackedeis visualisiert: sog. „"Masters of the Universe" (…)

Macht zeigen: "Skin Fruit: Selections (…)" schreibt neue Kunstgeschichte

Manch ein Museum gibt heute offenkundig seine Unabhängigkeit auf: So präsentiert der Großsammler Dakis Joannou in New York zusammen mit seinem Freund Jeff Koons - staatlich öffentlich gefördert - Werke aus seiner 1500-Werke-Sammlung. Eine der rund 40 Arbeiten von Kurator Koons aus der D.J.-Sammlung stellt Schau-Macher-Neuling Koons aus. Und der reiche Grieche sitzt im Aufsichtsrat des Museums. Das Thema „Evolution“ wird mit Doppel-Neandertaloiden als sog. „Masters of the Universe" dargestellt: Die Fiberglasfiguren tragen die Gesichtszüge ihrer Erschaffer, des Duos Webster/Noble. Koons-Joannou sollten sich mit „ars evolutoria“ befassen. Das angereiste internationale „Kunst“-Jetset wandte sich offenbar nicht angewidert von der NY-Schau ab. Selbst Udo Kittelmann kam vorbei - Vertreter wichtiger Berliner öffentlicher Institutionen! Die New-Museum-Direktorin Lisa Phillips kündigte an, dass man von nun an regelmäßig führende Privatsammlungen zeitgenössischer Kunst präsentieren will. Und am 13. März veranstaltet das Museum ein eintägiges Symposium zur "Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft von Kooperationen zwischen Privatsammlern und öffentlichen Institutionen". Vielleicht berichten FAZ-Kunstkritiker demnächst darüber. (FAZ.Net, 6.3.10.)

In der FAZ äußerte Niklas MAAK zum Plan, das Museum in regelmäßigen Abständen Privatsammlern und ihren Interessen zu überlassen, zu Recht: „Damit wird ein entscheidender Bruch vollzogen. Im Kampf darum, wie Bedeutung hergestellt wird, wie Macht entsteht, Deutungshoheiten behauptet und Eichsysteme für Qualität geprägt werden, haben sich offensichtlich die Gewichte verschoben. Wer hat die Macht im Kunstsystem? Wer entscheidet, was gezeigt wird, was als bedeutend gilt? Bisher war die Antwort auf diese Frage meistens: die staatlichen Ausstellungshallen und Museen, vielleicht noch die Biennalen - und weniger die privaten Sammler. (…) (5)

Eine FAZ.net-Userin schlug als GEGENSTRATEGIE vor: unabhängige Medien mit freier und kompetenter Berichterstattung sollten intervenieren.

Dass krösusgleiche Sammler ihre Künstlerschaft puscht, sei kein neues Phänomen und „menschlich und kapitalpolitisch gesehen nachzuvollziehen“. Problematisch sei heute jedoch die bereits weltweit aufgegriffene Methode der „Sammlungswerterhöhung durch ihre Schau in einem Museum“. NY sei die Spitze des Eisbergs: Tatsächlich seien viele Museumsfachleute „bis in kleine, regionale Museen heute vom Virus der Privatkollektions-Schau erfasst“ worden. Die Bestimmung des Kunstmarktes durch Macht, Einfluss und Geld gebe es, seit für Kunst bezahlt wird: „Profis wissen, dass ein hoher Preis und ein international bekannter Name noch lange nichts über die tatsächliche Qualität von Kunst aussagen. Da eine objektivere Bewertung von Kunst meist jedoch erst in der zweiten Generation nach der Kunstveranlagung zum Tragen kommt, da erst dann viele Macht- und Freundschaftsketten zerbrochen sind, bietet sich erst ab diesem Zeitpunkt die Möglichkeit, die Werke klaren Verstandes zu würdigen.“

Da im Kunstsystem sich die Gewichte verschieben, seien weitere Artikel notwendig, um die Augen des Publikums zu öffnen, kommentierte Michaela Preiner: Als Gegenstrategie empfehle sich ein „unabhängiger Medienmarkt“, der mithilfe von Fachkundigen aufzeige, dass vieles, was derzeit kursiert, nichts anderes als „Des Kaisers neue Kleider“ ist.

Kunstkritiker Maak hatte vorbildlich deutlich gemacht, dass in vielen Museen heute an die Stelle früher noch unabhängiger Experten, heute Privatsammler und ihre bevorzugten Künstler getreten sind, „deren Karrieren völlig steuerbar werden“. Maak zitierte die Berliner „Christianfriedrichflickcollection“, die auch ich schon Artikeln angeprangert habe. Im Netz meinte ich im „Tagesspiegel“:

Hamburger-Bahnhof-„Unappetititliches“ zum Artikel von Nicola KUHN am 10.9.09:

Im Kunstmuseum „Hamburger Bahnhof“ hat dessen neuer Leiter Udo KITTELMANN die Sammlungen neu sortiert: Die raumgreifende Sammlung FLICK sollte ‚in überraschenden Dialogen’ mit der Sammlung MARX zusammengebracht werden. FLICKs „Collection“ mit tausenden von Kunstwerken übte Druck aus, so dass man dem Sammler Friedrich Christian FLICK einen ganz eigenen Flügel bauen musste; ein Riesentrakt auf Staatskosten. Der mächtige SAMMLER konnte darüber bestimmen, welche Kunstmarkt-Kunst in sein Haus kommt. Die Sammlung MARX ist auf Beratung des Galeristen Heiner BASTIAN, der ehemals Sekretär von Joseph BEUYS war, entstanden! (Siehe meinen weiteren Kommentar zum Artikel von Nicola KUHN, Tagesspiegel v. 03.09. „Weit und Breit“ über BEUYS.)

Viele befürworteten das widerliche, in Intrigen und Seilschaften verstrickte Kunstmarkt-Betriebssystem: Der Fall MARX/BASTIAN lehrt, dass Kunst-Sammler den deutschen öffentlichen Museen uneingeschränkt die Bedingungen diktieren konnten, auf die sich institutionelle Kunstvermittler leichtfertig einließen. Im WEB ist mehr „Unappetititliches“ (FAZ) zum Duo Kunstsammler MARX & Kunsthändler BASTIAN zu lesen. Der schwerreiche Erbe eines verurteilten Kriegsverbrechers – der Sammler Friedrich Christian FLICK – gehört zum Darling des Berliner „Kunst“-Establishments. F. C. Flick sammelt zeitgenössische Kunst, deren kritisches Potential zur moralischen Entlastung zu missbrauchen ist. F.C.F. hat sich zur Schuld seines Großvaters bekannt.

FAZIT und EPILOG

Die Ausstellung "Pop Life", die jetzt in Hamburg zu sehen ist, behauptet, dass Kommerz die Fortsetzung der Kunst mit anderen Mitteln sei. Zu Recht kritisiert die „taz“ am 12.2.10: Leider würden die Kuratoren in London und Hamburg „bereitwillig den Spuren der Selbst-Inszenierer“ folgen, die sie, „kaum vermeidlich, abermals inszenieren“. Kuratoren wie auch das Publikum balancierten gemeinsam zwischen Kitsch und Kunst – „vermutlich ganz so, wie Koons es wollte“, schreibt Petra Schellen. Die Ausstellungsmacher kopierten „schlicht die Strategien der Ausgestellten“ und die Hamburger Co-Kuratorin Annabelle Görgen-Lammers (vgl. Galeriebilder) suggeriere, „dass die Hamburger Kunsthalle verzweifelt nach Besuchern lechze“, wobei „diese Ausstellung über Oberflächlichkeit und Ambivalenz von Eigen-PR selbst zu einem glänzenden Beispiel“ eben für „Pop Life“ geworden sei.

Unabhängige Medien mit freier und kompetenter Berichterstattung – sofern es sie überhaupt noch unabhängig vom Kunstmarkt gibt - sollten intervenieren, meine nicht nur ich. Noch gibt es kritische Kunst-Berichterstatter (vgl. Maak/FAZ). Meine Internet-Dokumentation im Internet „Mahnmal der 100 Verrisse“ zur documenta 12 (BUERGELiade) sollte KritikerInnen Mut machen! (http://www.art-and-science.de/verrissemahnmal.html ) Nicht nur zur drohenden BAKARGIEViade! (documenta 13.)

Unter dem Thema „Privat-Sammler & institutionelle Vermittler: Kunstlenkender Einfluss auf die Kunst-Evolution“ habe ich neben Udo BRANDHORST (7) und Reinhold WÜRTH mehrfach den Jahrzehnte dauernden unseligen Einfluss des Schokaladen-Fabrikanten Peter Ludwig kritisiert (vgl. Bildergalerie-Foto). Meine KRITIK: Skandalös sei, dass „der Staat die Lust einer geringen Minderheit der Bevölkerung mit den Steuer-Geldern aller zur allgemeinen Staats-Kultur erhebt“. Das Kunst-System könne via ERKENNTNIS-Kunst befreit werden „von den Zwängen der Verwertbarkeit und Beschleunigung, von vordergründigen Sammler- und Händlerinteressen“. Der Wert der Kunstmarkt-„Kunst“ (von Kunst, Nicht-Kunst-als-„Kunst“ & Antikunst) der Sammler mit Geltungsdrang & Zeigestolz (MARX & FLICK etc.), sollte hinterfragt werden.

Zur „Entflechtung von Kunst und Kommerz“ forderte ich die Berufung geeigneter, innovativer Ausstellungsmacher, „damit die Museen (als Unabhängige!) nicht länger ein Spiegelbild des Kunst-Markts mit seinen Preis-Explosionen sind“. VORSICHT vor Sammlern, Leihgebern und Stiftern, warnte ich: vor einem „Kultur-Sponsering“, das über private Geldgeber-MACHT Einfluss und Abhängigkeiten schafft. Siehe den SKANDAL mit falschen sog. „Mäzenen“. Zum „Fall des Peter LUDWIG“ konstatierte ich: Durch Reichtum konnte sich Peter Ludwig zum leidenschaftlichen Kunstsammler entwickeln. Er fand in seiner Frau Irene Monheim eine Lebensgefährtin, die diese Leidenschaft teilte. Die Erbin des großen Schokoladen-Unternehmens („Trumpf“ und „Lindt“) brachte ein zweites „finanzielles Standbein“ für die Sammel-Leidenschaft mit. Peter und Irene Ludwig organisierten mit den Beständen ihrer Sammlung Museums-Projekte, Schenkungen und Initiativen zur Verbreitung und umstrittenen privaten „Förderung“ (Lenkung) der modernen Kunst.

WICHTIG zum Thema privates und öffentliches „Kunst“-Sammeln ist:

Geeignetere nicht-konservative Kuratoren müssen in der institutionellen Kunstvermittlung (ohne Sammler/Händler-Verbindungen!) angestellt werden, die sich nachweislich mit dem Thema QUALITÄT (der Kunstbeurteilung – verbindlichen Kriterienkatalogen) in der bildenden Kunst intensiv befass(t)en.

Auch Karlheinz SCHMID stellt aktuell in der „Kunstzeitung“ (Nr.3- 2010, S.05) fest, dass „zunehmend“ die oben genannten den Kunstbetrieb prägenden Privatsammler „von Jahr zu Jahr mehr Einfluss nehmen, die Kunst der Gegenwart herauszufiltern und für die Zukunft festzuschreiben“. Die Zeiten seien vorbei, dass „Kunsthistoriker in den Museen, einst Weihestätten bildnerischer Qualität, dank ihres Wissens und ihrer Erfahrung bestimmten, was öffentlich gesammelt , in den Universitäten analysiert und in den Kunstgeschichtsbüchern publiziert wird. (…)“ Neben den „privaten Sammlern als wahren Mächtigen im Kunstbetrieb“ gebe es im „Kunst-Diskurs“ heutzutage „nur jene institutionelle angestellten Kuratoren“, die „als Autoren, Berater und Juroren über den musealen Keilrahmen-Rand hinausschauen“.
K.S. spricht von der „Verzerrung in der Darstellung der Kunst unserer Zeit“ – lebt aber durch/von Anzeigen der MACHThaber in seiner KZ (Vgl. ebenda S. 06 – Anzeigen Museum WÜRTH, „Pop Life“ Kunsthalle Hamburg) SCHMIDs Vision will nicht verschweigen, dass heute „alle mehr oder minder das Gleiche sammeln“, was 2099 gar zur Feststellung einer „Verwahrlosung“ führen könnte: „als der Staat seiner Pflicht nicht mehr nachkommen wollte oder konnte (…)“!

Die Ausstellung „Wie-Kunst-Machen-geht“ beschäftigte sich in Frankfurt mit den Kreuz- und Querverbindungen zwischen Künstlern, Kritikern, Sammlern, Händlern, die ein Werk heute leider erst zu dem machen, was es ist. Die „Kunst“-Schau „The Making of Art“ (Schirn Kunsthalle) machte deutlich, dass man um die Unabhängigkeit des zeitgenössischen Kunstwerks bangen muss. (6)

PS: Siehe zum Thema auch mit vielen Bildern:in der „Giessener Zeitung“:
a) http://www.giessener-zeitung.de/giessen/beitrag/28...
b) http://www.giessener-zeitung.de/giessen/beitrag/28...

LITERATUR &Anmerkungen

(1) PATACZEK, Anna: DEUTSCHES HISTORISCHES MUSEUM - Die Kunst der Mächtigen. In „Der Tagesspiegel“ vom 20.02.10 (Printausgabe) (http://www.tagesspiegel.de/kultur/ausstellungen/Mu...;art2652,3035659 )

(2) HAHN, Werner (2010): Kultureller SYMMETRIE-Bruch in KUNST gefordert: Eduard BEAUCAMP (FAZ). In: DIE ZEIT Online v. 29.01.2010. Mit Links siehe in: http://community.zeit.de/user/wernerhahn/beitrag/2... .
AUCH:
(a) BEAUCAMP, Eduard (2010): Wir brauchen den Bruch. Die Resteverwertung er Moderne muss aufhören. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 08.01.2010, S. 34.
(b) BEAUCAMP, Eduard (1999): Die moderne Kunst am Ende ihres Jahrhunderts. In: Hans Thomas: Die Lage der Kunst am Ende des 20. Jahrhunderts. Lindenthal-Institut 1999. S.27-44.

(3) HAHN, Werner (2010): (ohn)MACHT ZEIGEN: „Kunst als Herrschaftsstrateg (D.H.M). In: DIE ZEIT Online v. 27.02.2010. Mit Links (auch zu Bildern) siehe in: http://community.zeit.de/user/wernerhahn/beitrag/2...

(4) HAHN, Werner (2008): Takashi MURAKAMI trägt nicht zur „Evolution der Kunst“ bei! UND Murakami & Evolution, Kunst-Markt-„Kunst“ und Qualität . In: Warhol als Manga. ZEIT-ONLINE vom 26.09.08 (Bilder-Galerie); Kommentare Nr. 1 und Nr. 3 vom 27.9./02.10.08. ( Siehe auch „MURAKAMIs „Kunst“ der Evolutionslosigkeit: Glaubenssystem statt Wissenssystem“ – www-Kommentare zu MURAKAMI in faz.net, taz.de, art-magazin.de. Googeln bei GOOGLE: murakami werner hahn.)

(5) MAAK, Niklas (2010): Die gekaufte Kunstgeschichte. Privatisierung der Ausstellungspolitik. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung v 03.03.2010.

(6) Wer bestimmt, was KUNST ist und welchen Weg ein KUNSTWERK geht? Der Künstler? Oder Sammler, Galeristen, Kuratoren und Kritiker? Die SCHIRN Kunsthalle Frankfurt warf in einer Ausstellung einen (angeblich) „bissigen Blick“ (hr) auf den KUNSTBETRIEB: Hierzu bebildert und kunstkritisch:
a) http://www.myheimat.de/gladenbach/zur-krise-der-ku...
b) http://www.myheimat.de/gladenbach/zur-krise-der-ku... (mit Kommentaren).

(7) HAHN, Werner (2009): Die Macht der staatlichen Museen wird aufgeweicht. Welche Kunst museumswürdig ist und welche nicht, kann PRIVAT gelenkt werden! Der Staat hat für BRANDHORST das neue Gebäude bezahlt (47 Mill. Euro). Mehr Kritik: „Staatstragendes BRANDHORST-Museum: Monument staatlich subventionierter Kunst-Lenkung?“ In: DIE ZEIT Online v. 28.05.09. Siehe auch (244mal gelesen) http://www.myheimat.de/gladenbach/kultur/museum-br... - KRITIK ebenfalls in meinem DIE ZEIT-Artikel: http://community.zeit.de/user/wernerhahn/beitrag/2...

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Werner Hahn aus Gladenbach am 16.03.2010 um 10:17 Uhr  
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