Christoph-Rübsamen-Steg eröffnet

Die Gießener Bevölkerung "erobert" den neuen Christoph-Rübsamen-Steg
 
Der Projektchor des Jugendwerks Gießen
 
Gießens Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz bei ihrer Eröffnungsrede
Gießen: Christoph-Rübsamen-Steg | Genau hundert Jahre nach der ersten Idee einer Brücke über die Lahn in Verlängerung der Sudetenlandstraße und nach rund eineinhalbjähriger Bauzeit wurde heute der Christoph-Rübsamen-Steg eröffnet. Zum Festakt waren neben geladenen Gästen - darunter Nachfahren des Namenspatrons und Vertreter der Gießener Wassersportvereine - auch viele Gießener Bürgerinnen und Bürger, insbesondere aus der Nord- und Weststadt, auf den neu geschaffenen Platz vor der Brücke in der Gießener Nordstadt gekommen. Die Eröffnung nahmen gemeinsam der Hessische Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU), Gießens Oberbürgermeisterin (OB) Dietlind Grabe-Bolz (SPD), Bürgermeisterin Gerda Weigel-Greilich (Grüne), das Ehrenmitglied des Regatta-Verein Gießen e.V. und Hauptinitiator des Namensvorschlages Rolf Beck sowie Vertreter der beteiligten Baufirmen und städtischen Ämter vor. Für die musikalische Untermalung sorgte zum einen ein Projektchor der Jugendwerkstatt Gießen, welche auf die Melodie des Liedes "Über sieben Brücken musst Du gehen" einen eigenen Text gedichtet hatte und der Fanfarenzug Zauberklang Gießen. Gleichzeitig mit der Brückeneröffnung wurde auch das Anrudern als gemeinsame Saisonauftaktveranstaltung der drei Gießener Rudervereine durchgeführt. Ebenso fand im Anschluss das 3. Suppenfest in der Nordstadt statt. Am Rande der Veranstaltung gab es stillen Protest einiger Kleingartenanlieger wegen der neuen Verkehrsführung.

In ihrer kurzen Rede begrüßte OB Grabe-Bolz alle Anwesenden und bezeichnete die Brücke als einen der Höhepunkte der 5. Hessischen Landesgartenschau, welche dieses Jahr in Gießen stattfindet. Sie verwies auf die lange Planungszeit und zeigte sich erfreut, dass Alle in der Stadt für diese neue Brücke seien. Sie sei ein neues Wahrzeichen für Gießen und verbinde zwei große, nicht gerade privilegierte Gießener Stadtteile - die Nord- und die Weststadt. Bereits jetzt gebe es konkrete Planungen zu gemeinsamen Projekten der Grundschule Gießen West (Weststadt) und der Georg-Büchner-Schule (Grundschule in der Nordstadt), welche sich nun dank der Brücke einfacher und schneller besuchen könnten.
In ihrer Rede ging Grabe-Bolz auch auf die Namensfindung und den Namenspatron der Brücke näher ein. So habe man Ende 2012 einen öffentlichen Aufruf an die Bevölkerung gestartet, woraufhin 152 Namensvorschläge eingegangen seien, darunter auch der jetzige Name Christoph-Rübsamen-Steg. Rübsamen war ein engagierter Demokrat und Patriot, Mitkämpfer in der Revolution von 1848 sowie Sportpionier und Unternehmer in Gießen. Er war Gründer der Gießener Rudergesellschaft 1877 e.V., städtischer Turnlehrer, Mitbegründer der freiwilligen Feuerwehr und Betrieb eine Badeanstalt sowie ein Kieswerk in der Lahn. Bezüglich des Namensvorschlages dankte die Oberbürgermeisterin auch Rolf Beck, Ehrenmitglied des Regatta-Verein-Gießen und seit Jahrzehnten aktiver Ruderer, welcher seit 1996 immer wieder diesen Vorschlag für die Benennung eines Ortes an der Lahn gemacht habe und überreichte ihm ein Präsent.
Abschließend dankte OB Grabe-Bolz in ihrer Rede dem Land Hessen für die rund 1,7 Mio. € Zuschuss zur Baumaßnahme sowie allen beteiligten Planern, Ämtern und ausführenden Firmen.

Zweiter Redner war Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier, der die Brücke als einen für ihn symbolträchtigen Ort bezeichnete; hier werde Stadtgeschichte lebendig. Das vielseitige Engagement des Namensgebers der Brücke für die Gesellschaft und das Allgemeinwohl sei wegweisend auch für die heutige Zeit so Bouffier. Wichtig sei der gelebte Zusammenhalt. Auch er überreichte dem Initiator des heutigen Brückennamens, Rolf Beck, ein Präsent.

Bevor das rote Band Durchschnitten und die Brücke offiziell für alle freigegeben wurde, sprach noch Gießen Bürgermeisterin und Dezernentin für die Landesgartenschau Gerda Weigel-Greilich. Sie ging vor allem auf die Historie seit der ersten Idee eine Lahnbrücke an dieser Stelle zu errichten ein. So habe der damalige Gießener Stadtverordnete Prof. Dr. Robert Sommer in einem Vortag am 11.06.1914 gefordert, Gießen näher an die Lahn zu bringen und in Verlängerung der heutigen Sudentenlandstraße eine Brücke über die Lahn zu errichten. Bereits 1935 sei diese Idee in einem Plan des städtischen Hoch- und Tiefbauamtes zu finden gewesen. Der Generalverkehrsplan von 1967 habe im Rahmen der damaligen Planungen für eine autogerechte Stadt an dieser Stelle eine vierspurige Nordtangente vorgesehen, welche vom Ursulum über die Sudentenlandstraße bis zum Gleiberger Weg führen sollte. Zum Glück sei dieser Plan jedoch nie realisiert worden. Erstmals konkret wurde die Idee einer dritten Lahnbrücke dann 1996, als in der Stadtverordnetenversammlung ein einstimmiger Projektbeschluss gefasst wurde. Die im Jahre 2000 beschlossene Umsetzung sollte damals 2 Mio. DM kosten, wurde jedoch nicht realisiert. Erst mit dem Zuschlag für die Landesgartenschau wurde die Idee wieder aufgegriffen und nun endlich in die Tat umgesetzt, so Weigel-Greilich abschließend in ihrem kurzen historischen Überblick.

Nach der symbolischen Freigabe mittels Band durchschneiden marschierte der Fanfarenzug Zauberklang gefolgt von den vielen anwesenden Bürgerinnen und Bürgern über die Brücke. Auf dem Wasser begrüßten die verschiedenen Lahanliegervereine die Festgäste mit einem großen Bootscorso, so z.B. der Marine-Verein Gießen mit seinem neuen Eventboot oder der Ski- und Kanu-Club mit einigen Kanuten. Das traditionelle Anrudern - die alljährliche Saisoneröffnung der drei Gießener Rudervereine - hatte der diesjährige Ausrichter, die Gießener Rudergesellschaft 1877, auf das heutige Datum gelegt, so dass auch zahlreiche Ruderboote vom Einer bis zum Achter unter der Brücke hindurch ruderten. Auf dem Wasser waren u.a. ein Teil der Mannschaft des Gießener Bundesliga-Achters sowie ein Altherrenachter, in dem über 700 Lebensjahre versammelt waren. Vor Ort vertreten war auch die DLRG Kreisgruppe Gießen mit einer Abordnung und einem Motorrettungsboot.
Im Anschluss an die Einweihung der neuen Rad- und Fußgängerbrücke über die Lahn fand das 3. Gießener Suppenfest in der Nordstadt statt.

Auch wenn Oberbürgermeisterin Grabe-Bolz in ihrer Rede meinte, alle Gießener seien für die Brücke (gewesen), so wurde sie am Rande der Veranstaltung eines Besseren belehrt. Einige Anlieger der umliegenden Kleingärten hatten auf der Nordstadtseite auf einem der Poller neben der Brückenrampe ein Protestschild angebracht, um gegen die neue Verkehrsführung im Bereich der Kleingärten beidseits der Brücke zu protestieren. Bereits bei einer Infoveranstaltung der Stadt zur neuen Brücke am 11.02.2012 im Nordstadtzentrum hatte es massiven Unmut darüber gegeben, dass der Anliegerweg zwischen den Kleingärten, der nun unter der Rampe zur Brücke durchführt, zukünftig mit Pollern in zwei Teile geteilt wird und daher nicht mehr wie bisher als Rundweg befahren werden kann. Gleichlautende Beschwerden gab es Ende 2013 auch von Gartenbesitzern auf der Weststadtseite.
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