Gebäude mit Geschichte- Zeughaus in Gießen

Gießen: Deutschland | Das Zeughaus am Neuen Schloss beherbergt heute einen Teil der Universitätsbibliothek. Erbaut wurde es nach dem Neuen Schloss in den Jahren 1586-90 nach Plänen von Kurdt Rode von Baumeister Eberhardt Baldewein. Ursprünglich als Arsenal und Kaserne genutzt, bildete das Zeughaus mit dem Neuen Schloss, dem Marstall und dem Rentamt einen Schlosshof. Marstall und Rentamt stehen heute nicht mehr. Heute ist der Schlosshof nach Süden, der jetzigen Senckenbergstraße offen. Der lang gestreckte Renaissancebau beeindruckt durch das mächtige Satteldach und die Zwerchgiebel der Langseiten mit Schnecken- und Kugelverzierungen. Eindrucksvoll gestaltete ist auch das Doppelportal. In der Pilastergliederung findet man Wappentafeln. Darauf zu sehen das hessisches Wappen und das Wappen der Herzogin Hedwig von Württemberg, der Gemahlin Ludwig IV. Auf der Seite des Landgraf-Philipp-Platz ist der hohe Renaissancegiebel markant. 1609 bekam das Zeughaus einen kleinen Anbau, auf den viele Gießener Studenten gerne verzichtet hätten. Michael Kersten, der Baumeister des alten Kollegiengebäudes, errichtet den neuen Universitätskarzer am Zeughaus. Hier durften sich die bösen Burschen der Universität über ihre Taten Gedanken machen. Bis ins frühe 20. Jahrhundert war eine Arrestzelle in Universitäten und Schulen üblich, so auch in Gießen. Es galt als Ehrensache für einen Studenten, während seiner Studentenzeit wenigstens einmal eine Karzerstrafe abgesessen zu haben. Dieses Ereignis wurde dann auch gebührend begangen, wie die wenig besinnlichen Wand-, Tisch- und Türmalereien in einigen noch vorhandenen Museums Karzer belegen. In Gießen ist es nicht mehr zu sehen. In Quellen des 19. Jahrhunderts wird immer wieder über das gesellschaftliche Ereignis mit exzessivem Alkoholkonsum berichtet. Da sich die Studenten im Karzer in der Regel selbst verpflegen mussten und auch Besuch empfangen durften, gab es Karzerpartys.
Der jeweiligen Karzerwärter geführte „Gästebücher“. Wer da wohl alles ,,eingeschrieben,, wurde?
In den heutigen Schulen lebt der Karzer noch im Nachsitzen weiter. Nicht mehr über Nacht und ohne Besuch und Party.
Im Dezember 1944 brannte das Zeughaus komplett aus. Wie bei einem hohlen Zahn standen nur noch Teile der Fassade. Die Universität bemühte sich um einen möglichst originalgetreuen Wiederaufbau des Zeughauses. Im Inneren des Zeughauses ist heute nichts mehr aus der Zeit des Landboten zu sehen.
Moderner Standard für eine Universitätsbibliothek klare Linie versteckt in historischer Fassade.
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7 Kommentare
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Lothar Wobst aus Wolfen | 11.02.2016 | 10:17  
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Roland Horn aus Dessau | 11.02.2016 | 10:23  
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Jost Kremmler aus Potsdam | 11.02.2016 | 20:52  
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Findus Quist aus Gießen | 20.02.2016 | 21:43  
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