TSV Gersthofen gratuliert Ludwig Haberle zum 100. Geburtstag
Ludwig Haberle feiert den 100. Geburtstag zwei Jahre früher als sein TSV Gersthofen - in der früheren Theaterabteilung war der Haberle Wig der große Star...
Ludwig Haberle ist 100 Jahre alt und 86 Jahre Mitglied des TSV Gersthofen.
Und er ist beim TSV der unbestrittene Rekordhalter. Mit 100 Lebensjahren und 86 Jahren Vereinsmitgliedschaft steht er, was sein Lebensalter und seine Vereinstreue anbetrifft, einsam an der Spitze der über 3.700 Mitglieder. Seinen 100. Geburtstag feierte Ludwig Haberle deshalb auch im Kreise des TSV Gersthofen, der zwei Jahre jünger ist als er. Als Bub mit zwölf Jahren feierte er schon das zehnjährige Gründungsfest des Turnvereins mit und hat seitdem kein Vereinsjubiläum ausgelassen. Sein Wunsch und Ziel ist, im Alter von 102 Jahren im Jahr 2009 auch beim 100jährigen Jubiläum des TSV Gersthofen wieder mit dabei zu sein.
Mit 14 Jahren trat der Haberle „Wig“ im Jahr 1921 in den damaligen Turnverein Gersthofen ein. Gemeinsam mit anderen Sportkameraden gründete er 1926 den Fußballverein „Eintracht“ Gersthofen. Weil es dem jungen Club an Geld mangelte, wurde statt Fußball zunächst Theater gespielt. Diese Zeit machte Ludwig Haberle zu einem begeisterten Theaterspieler. Die Bühnenleidenschaft ließ ihn dann im weiteren Leben nie mehr los. So eroberte er mit großem Talent als Laienschauspieler auf vielen Bühnen, vor allem mit komischen Rollen, sein Publikum im Sturm. In der früheren Theaterabteilung des TSV Gersthofen war er der „große Star“.
Nicht nur als Fußballer, was damals überhaupt kein „hoffähiger Sport“ war, sondern auch als Turner und Leichtathlet war Ludwig Haberle sportlich aktiv. „Im Sprint war ich gut, 100 Meter bin ich in 12 Sekunden gelaufen, und wenn ich eine bessere Ausrüstung gehabt hätte, wären es bestimmt 11 Sekunden gewesen“, erinnert er sich. Ludwig Haberle hat viele Erinnerungen an seine 86 Jahre im TSV Gersthofen. So war es früher noch eine Ehre, vom Trainer am Sonntag für den Einsatz auf dem Spielfeld nominiert zu werden. Heute lockt dagegen hauptsächlich nur noch das Geld, weniger die Kameradschaft und die Ehre. Ludwig Haberle erinnert sich auch daran, als der Turnverein Gersthofen und der Sportverein „Eintracht“ Gersthofen, dessen einzig lebendes Gründungsmitglied er noch ist, nach der Machtergreifung Hitlers im Jahr 1934 zum TSV Gersthofen fusionieren mussten.
Dass Sport Geist und Körper fit hält, ließ Ludwig Haberle bei seiner Geburtstagsfeier in der TSV-Stadiongaststätte noch recht deutlich erkennen. Er verblüffte und rezitierte auswendig sicher und gekonnt zwei Couplets und erinnerte sich dabei auch daran: „Ach, wie sind die Weiber nett“. Herzliche Geburtstagsglückwünsche überbrachte ihm TSV-Präsident Karl-Heinz Wagner. Dieser würdigte seine langjährige Vereinstreue und wünschte ihm gleich einladend zum 100jährigen TSV-Jubiläum noch beste Gesundheit an Leib und Seele. Die perfekte Überraschung lieferte dem Jubilar der TSV-Spielmannszug mit einem musikalischen Ständchen. Mit dem Marsch „Wir wollen unseren alten Kaiser Wilhelm wieder haben“ gab es musikalisch auch einen Rückblick in die Kaiserzeit, in die der 100jährige Ludwig Haberle hinein geboren wurde. „Doch das ist lange her“, resümierte Ludwig Haberle und ließ gleich wissen, „das Leben geht weiter“.





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