Die Erfolgsgeschichte der Friedberger Handballer/Vorstellung des Jugendkonzepts des TSV
Mittlerweile spielt der TSV Friedberg das dritte Jahr hintereinander in der dritthöchsten deutschen Spielklasse. Damit nimmt der Verein in der gesamten Region eine Vorrangstellung ein: Kein anderes Team kann auf eine derartige Erfolgsgeschichte zurückblicken wie die Handballer aus Friedberg.
Aber es war ein langer Weg hin bis zu diesem hohen Niveau. Zum Beginn der letzten Spielzeit, als aus der Regionalliga durch die Umstrukturierung der zweit- und dritthöchsten deutschen Spielklasse die Dritte Liga wurde, galt die Mannschaft aus Friedberg als der Abstiegskandidat Nummer eins. Schließlich hatte man 2008/09 nur ganz knapp die Qualifikation für die neue Klasse geschafft.
Nun kamen zahlreiche neue Teams in die Dritte Liga, gespickt mit Topspielern. Ferner wurde die Abstiegsregelung verschärft: Von 16 Mannschaften mussten sieben, also beinahe die halbe Liga, den Gang in die Viertklassigkeit antreten. Niemand setzte einen Pfifferling auf die Herzogstädter. Schließlich traten sie mit beinahe demselben Kader an, der in der vorangegangenen Saison gerade noch den Klassenerhalt geschafft hatte. Sollte dieser Club aus der schwäbischen Provinz mit dieser jungen Mannschaft ohne Stars es tatsächlich im Haifischbecken Dritte Liga in die erste Hälfte des Klassements schaffen?
Man weiß, wie die Geschichte ausging. Der Verzicht auf Handballsöldner, das Vertrauen in die Qualität der eigenen Jugendarbeit, die gute Stimmung im Team, die jeden zu Höchstleistungen anstachelte, und die tolle Arbeit von Trainer Hartmut Mayerhoffer sowie des gesamten Managements machten dieses kleine Handballwunder möglich. Während der gesamten Saison 2009/10 standen die Herzogstädter nie auf einem Abstiegsplatz und waren sogar an zwei Spieltagen an der Tabellenspitze der Dritten Liga zu finden. Bei jedem Heimspiel bejubelten über 800 Zuschauer die Auftritte ihrer Handballhelden, zu jeder Auswärtsfahrt machten sich Dutzende Anhänger mit der Mannschaft gemeinsam auf die Reise und waren oftmals sogar lauter als die jeweiligen Fans der Gastgeber.
Als am vorletzten Spieltag, natürlich vor ausverkauftem Haus, der spätere Meister und Zweitliga – Aufsteiger aus Haslach – Herrenberg – Kuppingen in einem phantastischen Spiel vollkommen verdient mit 34:24 (19:14) geschlagen wurde, kannte der Jubel keine Grenzen mehr. Friedberg hatte sich für eine weitere Saison in der Dritten Liga qualifiziert. Am Ende belegten die Handballer einen sehr guten achten Rang.
Für die Saison 2010/11 konnte der TSV fast alle Leistungsträger halten. Lediglich Juniorennationalspieler Niko Link wechselte zum EHF – Pokalsieger TBV Lemgo. Und die Friedberger legten los wie die Feuerwehr. Nach vier Siegen in den ersten vier Spielen, darunter beim mittlerweile souveränen Tabellenführer aus Leutershausen, der danach kein Spiel mehr verlor, waren die Handballer ganz vorne dabei. Erst die Bundesligareserve von Balingen – Weilstetten konnte die Herzogstädter kurz stoppen. Aber nach sieben Spielen hatten sie dennoch sechs Siege auf der Habenseite.
Es war jedoch allen im Verein klar, dass es nicht ewig so weiter gehen konnte. Man freute sich natürlich über diesen tollen Saisonstart, verlor aber nicht das eigentliche Ziel aus den Augen: Das Erreichen des neunten Tabellenplatzes, um ein weiteres Jahr in der Dritten Liga spielen zu können.
Und der TSV ist dabei auf einem guten Weg. Momentan stehen die Handballer auf dem sechsten Rang und haben drei Zähler Vorsprung vor dem Zehnten. Am vergangenen Wochenende nahmen die Friedberger den Dritten aus Balingen vor eigenem Publikum förmlich auseinander und siegten souverän mit 41:34 (22:13).
Die Säulen des Erfolgs der Herzogstädter sind die gleichen geblieben: Eine flache Hierarchie innerhalb der Mannschaft, der Verzicht auf teure „Stars“ sowie das Vertrauen auf die Klasse der eigenen Jugend. Mit Jonas Link, dem jüngeren Bruder des Bundesligaspielers Niko, Jonathan Scholz, Alexander Grobe und Andreas Dittiger gehören gleich vier große Talente zum Friedberger Drittligakader.
Sicherlich können sich die Fans des TSV noch lange an ihrer tollen Mannschaft erfreuen. Wie gut die Gewaltwürfe von Johannes Luderschmid, die präzisen Abschlüsse von Manuel Vilches – Moreno, die dynamischen Gegenstöße von Markus Walk, der Tempohandball von Max Segmüller, die phantastischen Paraden von Michael Luderschmid und Willi Seiler und die gradiose Arbeit der gesamten Mannschaft beim Publikum ankommen, zeigt der konstant hohe Besuch bei den Friedberger Heimspielen. Im November des letzten Jahres kamen über 1000 Zuschauer in die Augsburger Sporthalle, um ihr Team beim Spiel gegen Haßloch anzufeuern. Und auch die TSV – Halle in der Herzogstadt ist jedesmal bis auf den letzten Platz gefüllt.
Drücken wir den Friedbergern also beide Daumen, damit es auch in dieser Saison mit der Qualifikation für die Dritte Liga klappt. Noch wartet viel Arbeit auf das Team und die Verantwortlichen, aber den Respekt und die Hochachtung der anderen Mannschaften und der Handballwelt haben sie sich bereits jetzt schon verdient. Seit langem unterschätzt niemand mehr den Verein aus der Herzogstadt Friedberg.
Aber auch die Friedberger Handballhelden haben einmal klein angefangen. Natürlich mussten sie diesen Sport erst einmal erlernen und haben in den Friedberger Jugendmannschaften dafür ein perfektes Umfeld gefunden. Die hohe Qualität der Handballausbildung beim TSV ist unbestritten. Schon lange kommen fast alle Talente aus der Region und dem weiteren Einzugskreis in die Herzogstadt. Natürlich lockt sie auch die Aussicht, vielleicht einmal sogar in der dritten Liga auflaufen zu können.
Einer hat es sogar schon weiter geschafft: Niko Link spielt mittlerweile beim Bundesligisten und aktuellen EHF – Europapokalsieger TBV Lemgo. Der 20 – jährige kam im Jahr 2000 zu den Friedbergern. Nach herausragenden Leistungen in der A – Jugend rückte er in der Spielzeit 2008/09 in die Regionalligamannschaft auf. Innerhalb von zwei Jahren avancierte er dort zum unverzichtbaren Leistungsträger und erhielt im April 2010 seine erste Einladung zur deutschen Juniorenauswahl. Schon kurz darauf kamen die ersten Angebote aus der Bundesliga. Niko wechselte zum ruhmreichen TBV Lemgo und hat sicherlich eine große Karriere vor sich.
Seit vielen Jahren stellen die Friedberger A- Jugendlichen den bayerischen Meister. Auch in der weiblichen A – Jugend und der männlichen B – und C – Jugend feiern die Herzogstädter regelmäßig Erfolge und spielen regelmäßig in der höchsten deutschen Liga.
Der Verfasser dieses Textes erinnert sich mit Grausen an seine Erfahrungen mit den Jugendteams des TSV: Obwohl wir nicht zu den Schlechtesten gehörten, war eigentlich immer klar, was passieren würde, wenn es gegen den TSV Friedberg ging. Ich glaube, in meiner Jugendzeit habe ich nicht einmal ein Erfolgserlebnis gegen die Herzogstädter feiern können. Meistens bekamen wir einfach nur eine hohe Klatsche, schon Mitte der ersten Halbzeit war die Partie eigentlich schon gelaufen. So wie mir wird es sicherlich auch vielen anderen gegnerischen Spielern gehen.
Der TSV Friedberg verfolgt bei seiner Jugendausbildung aber nicht nur sportliche Ziele. Auch auf die Ausbildung der sozialen Kompetenz des Nachwuchses wird streng geachtet: Fairness, Respekt vor dem Gegner und eine umfassende Charakterschulung stehen gleichberechtigt neben dem Erlernen der handballerischen Fähigkeiten.
Seit zwei Jahren geht der TSV Friedberg einen neuen Weg. Mittlerweile arbeiten die Herzogstädter mit Dasing im männlichen Jugendbereich zusammen. Beim weiblichen Nachwuchs ist auch der SC Kissing gemeinsam mit den Dasingern und den Friedbergern an Bord.
Bei den Minis und der E – Jugend erfolgt eine eigenständige Ausbildung im jeweiligen Verein. Ab der D – Jugend jedoch spielen die Handballer aus diesen drei Clubs gemeinsam. Damit können bestehende Hallenkapazitäten effektiver genutzt werden und das Einzugsgebiet für den Handballnachwuchs zum gemeinsamen Nutzen aller Beteiligten vergrößert werden.
Sicherlich träumt jeder kleine Sportler von der großen Karriere. Beim TSV Friedberg hat er die Möglichkeit, mit viel Einsatz und harter Arbeit einen großen Teil des Weges dahin zurückzulegen. Ab der C – Jugend kann er sich in den höchsten deutschen Spielklassen beweisen. Im Seniorenbereich stehen ihm dann Teams von der Bezirksklasse über die Bezirksoberliga und die Landesliga bis hin zur Dritten Liga zur Verfügung.
Und selbst wenn es nicht bis ganz nach oben gehen sollte: Beim TSV Friedberg stehen nicht nur der Sport und der Erfolg im Mittelpunkt. Man lernt auch, dass es wichtig ist, Regeln zu befolgen, fair und ehrlich zu sein, dem Anderen zu helfen und vieles mehr. Diese Tugenden haben ihren festen Platz nicht nur in der Jugendarbeit des TSV Friedberg.
Domenico Giannino (gia)




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