Türkische Erzählungen...

Autorin Cigdem Akyol (rechts) mit Moderatorin Anna Lena Koschig
Ein Informationsabend der besonderen Art versprach der Vortrag der türkischen Journalistin Cigdem Akyol im Ballonmuseum Gersthofen zu werden. Die etwa 100 Besucher wurden nicht enttäuscht. Akyol stellte ihre Biografie über den türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan vor und informiert in einem gut gestalteten Vortrag über den derzeitigen Zustand der Türkei.

Erwartungsgemäß widmete sie einen Großteil ihrer Ausführungen dem jetzigen Ministerpräsidenten Erdogan. Er wuchs in einem Hafenviertel von Istanbul unter ärmlichen Verhältnissen auf. Dort lernte er sich durchzusetzen und beschloss seine Weg in der Politik zu suchen. Der „Mann aus dem Volk“ weist gerne auf seine Herkunft hin; damit punktet er bei den „einfachen Leuten“. Seinen ersten großen politischen Erfolg feierte er mit der Wahl zum Bürgermeister von Istanbul. Er setzte Akzente in Bildung und Gesundheit. In seiner späteren Amtszeit als Ministerpräsident sorgte er für bessere Lebensbedingungen auf dem Land und für einen gesunden Mittelstand. Dabei versäumte er es nicht, sich selbst einen großzügigen Lebensstiel zu gönnen. Gleichzeitig lockerte er die Trennung zwischen Staat und Religion was ihm Beifall aber auch viel und Kritik, hauptsächlich von Jugend und Militär, einbrachte. Die Opposition konnte sich nicht durchsetzen. Akyol: „Erdogans Stärke hat viel mit der Schwäche der Opposition zu tun.“ Die Beitrittsbemühungen zur EU und deren Verzögerungen wegen fehlender demokratischer Voraussetzungen, verletzten den Stolz der Türken. Man kann nicht eine Demokratie nach westlichem Vorbild in der Türkei etablieren. Akyol ging u. a. besonders auf den misslungenen Putsch ein, den Erdogan als ein „Gottesgeschenk“ bezeichnete. Jetzt hatte er endlich Gelegenheit, ihm gegenüber kritische Lehrer, Staatsanwälte, Richter und sonstige Beamte in die Provinz zu schicken. Journalisten landeten im Gefängnis wo meist Folter auf sie wartete. Oft wurde einfach die Arbeitserlaubnis entzogen. Die Presse- und Meinungsfreiheit liegt am Boden.

Akyol ergänzte ihre Ausführungen mit Leseproben aus ihrer Erdogan-Biografie. Die Zuhörer hatten Gelegenheit, Fragen zu stellen bzw. zu diskutieren. Dabei gingen die Ansichten über den geschilderten Zustand der Türkei auseinander, was zu Wortwechseln führte. Ein Zeichen dafür, dass das Thema „Türkei“ von großem Interesse ist. Akyol, die derzeit für österreichische Medien arbeitet, war selbst ein wenig über die Resonanz ihrer Ausführungen überrascht. Insgesamt gesehen war der Vortrag ein guter Griff der aus der Zusammenarbeit von der Volkshochschule „Augsburger Land“, Friedrich-Ebert-Stiftung und Ballonmuseum Gersthofen entstand.
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Gabriele B. aus Gersthofen | 28.10.2016 | 12:55  
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