"Den besten Stoiber, den wir je hatten“

"Stoiber" freut sich
 
Zum Vergeich: der "echte" Stoiber in Gersthofen
Mittwoch Abend in der Stadthalle Gersthofen. Die Stadthalle ist bis auf den letzten Platz besetzt. Ist doch bayerische Politprominenz nach Gersthofen gekommen. Dazu geschaltet der ehemalige Ministerpräsident Franz Josef Strauss, der seinen derzeitigen außerbayerischen Aufenthaltsort nicht verlassen kann. Thema des Abends: Was muss ein freier Bayer im Freistaat Bayern alles „können“.

Viele Leser werden sich verwundert die Augen reiben. „Habe ich da was versäumt?“ Keine Angst. Die bayerische Politprominenz erweist sich bei näherem Hinsehen als Einmann-Auftritt. Kabarettist und Parodist Wolfgang Krebs schlüpft an diesem Abend in die Rollen von Edmund Stoiber, Horst Seehofer, Markus Söder, Günther Beckstein und Schorsch Scheberl (Gemeinderat) und Meggy Montana (Schlagersänger). Damit die Frauenquote nicht zu kurz kommt: Bundeskanzlerin Merkel und Frauenbeauftragte Waldemarie Wammerl geben auch ein Stelldichein. Paraderolle von Krebs ist ohne Zweifel die Parodie auf Edmund Stoiber. Wie sein Vorbild: Er greift ein Thema auf, beredet es, verliert den Faden und gleitet ins Detail ab. Er verwendet keine abgedroschenen Worthülsen; nein er schafft neue Begriffe mit Fremdwörtern und bayerischer Umgangssprache garniert. Dazwischen mit Händen und Füßen gestikulierend. Köstlich: Stoiber`'s Version der "Glocke", frei nach Schiller.

Manchmal fragt man sich, ob nicht der „echte“ Edmund auf der Bühne steht. Weitere Themen: Seehofer als wendiger Sonnenkönig, Landtagsabgeordnete die sich ständig neu über Kurswechsel orientieren müssen und wegen Arbeitsüberlastung Ehepartner anstellen, Abendessen mit Kriminellen (Haderthauer), Geschäfte der Landeszentralbank (Markus Söder), Maut für durchfahrende Preußen usw. Die gesamte Politik der staatstragenden Personen aus bayerischen Staatskanzlei (Schnapskanzlei) - was das Leben im Freistaat also kurzweilig macht. Dazwischen Präsentation von bayerischem Liedgut und Interessantes vom Leben auf dem Lande. Mehr zu schreiben geht aus Platzgründen nicht. Eine bayerische Lebensweisheit soll den Lesern aber mit auf den Weg gegeben werden: Scheißt dir eine Taube auf den Kopf, dann sei froh, dass Kühe nicht fliegen können...Das Publikum nahm diesen Rat dankbar an und antwortete einmal mehr mit einer Lachsalve.

Vor der Veranstaltung hatte der Pressemann Gelegenheit, mit Edmund Stoiber alias Wolfgang Krebs bei einem kleinem Imbiss zu sprechen. Hat Krebs manchmal Probleme, seine Identität zu wahren, wenn er sich so intensiv mit den Zielpersonen beschäftigt. „Nein, ich bin zwar bei den Vorbereitungen für den Vortrag gedanklich sehr auf den Politiker fixiert. Ich kann aber jederzeit mich auf „Wolfgang Krebs“ zurück ziehen.“ Stoiber bietet viele Eigenheiten, die eine Parodie erleichtern. Sie nachzuahmen erfordere jedoch viel Kraft und Geduld. Anders bei Seehofer; der Mann hat ein unauffälliges Erscheinungsbild. Und was passiert, wenn „Stoiber“ nicht mehr ist? Sucht er sich eine neue Zielperson? „Ja, aber ich kann auf ein Reservoir von Kandidaten zurück greifen, die ich schon kenne.“ Eine Frage interessiert den myheimat-Mann besonders: „Wie kommt Krebs zu seinen Informationen um abendfüllende Vorträge zu daraus zu „basteln“? „Ich verfolge intensiv über die Medien die bayerische Landespolitik.“ Der Pressemann ist etwas skeptisch. „Ist das alles?“ Krebs grinst süffisant. „Ich habe natürlich auch meine Informanten aus dem Landtag – und zwar quer durch alle Parteien.“ Und die verrät er nicht. Die Zeit eilt, der Teller ist fast leer. Noch eine abschließende Frage. Der Pressemann, der sich intensiv auf das Gespräch vorbereitet hat, weiß, das Krebs ein Märchenbuch verfasst hat. Gibt's hier Bezüge zur bayerischen Landespolitik? Rein zufällig natürlich....Krebs lacht lauthals. „Nein, ich habe das Buch für meine beiden Söhne -mittlerweile 19 und 21 Jahre alt- geschrieben. Es heißt „Sternreisen“ und es sind Einschlafgeschichten.“ Und die produziert die Bayerische Staatskanzlei ja nun wirklich nicht.

Der Pressemann bedankt sich für das Gespräch. Nach der fast 3-stündigen Veranstaltung geht er mit dem Gedanken nach Hause, „den besten Stoiber, den wir je hatten“ kennengelernt zu haben." Er freut sich auf den nächsten Vortrag von Wolfgang Krebs....
0

Weiterveröffentlichungen:

myheimat-Stadtmagazin gersthofer | Erschienen am 18.12.2014
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.