Stadtkapelle Gersthofen: Musikalisch in die Donaumonarchie

Mit großem Erfolg gastierte die Stadtkapelle Gersthofen beim Konzert des Lions-Clubs im Dillinger Stadtsaal. (Foto: Pawlu)
 
Ehrengäste und Mitwirkende stellten sich zum Erinnerungsfoto: 1. Reihe v. l. Kurtmichael Richter, Alfred Sigg, Leonhard Schuster, Ernst König, Fritz Schombacher, Sebastian Gindhart. 2. Reihe v. l. Toni Resch, 1. Vorsitzender Dr. Rainer Schaller, Oberbürgermeister Frank Kunz, Zithersolist Lothar Lägl, Dirigent Manfred-Andreas Lipp, Anderl Schürner, Franz Ammann und Adolf Olbrich.
von Erich Pawlu

„Die ganze Welt ist himmelblau“ - unter dieses Motto stellte der Lions-Club Dillingen sein Benefizkonzert. Die Stadtkapelle Gersthofen unter der Leitung von Manfred-Andreas Lipp führte die Besucher zurück in eine Welt der Melodienseligkeit, die von den Komponisten der k.u.k. Monarchie begründet wurde.

Rhythmischer Schwung und musikalische Ästhetik

Die Besucher im fast vollständig besetzten Stadtsaal erlebten eine perfekte Demonstration von rhythmischem Schwung und musikalischer Ästhetik. Im Mittelpunkt des Programms stand das Tongemälde „Der Traum eines österreichischen Reservisten“ aus dem Jahre 1890, in dem Carl Michael Ziehrer eigene Kompositionen mit Zitaten aus berühmten Musikwerken seiner Zeit zusammenfügt. Souverän bewältigten die Mitglieder der Stadtkapelle Gersthofen den ständigen Tempowechsel, die Kontraste zwischen Solostellen und polyphonen Strukturen, die unterschiedlichsten Tonfärbungen von lyrischer Sensibilität bis zu dramatischer Wucht. Manfred-Andreas Lipp sicherte mit seinem werkkundigen Dirigat der Interpretation nicht nur den Wiener Charme, er erhob den Traum des Reservisten auch in den Rang einer Dokumentation: Wenn Kaiserjäger- und Deutschmeistermarschmotive auf polnische, ungarische und böhmische Regimentsmusik folgt, wird das Tongemälde zu einem Beleg für eine Europa-Idee, die zwei Weltkriege überflüssig gemacht hätte, wenn sie von den Völkern Europas akzeptiert worden wäre. Mit Titelprojektionen wurde der thematische Ablauf der Traumgeschichte verdeutlicht, computergestützte Spezialeffekte (vorbereitet von Peter Wahl, Timo Thöle und Stephan Baumann) gaben den Szenen ein milieubezogenes akustisches Kolorit. Ernst König, Fritz Schombacher und Leonhard Schuster sorgten als Mitglieder der Wertinger Reservistenkameradschaft und der Chevaulegers-Kameradschaft Augsburg für eine nostalgische Militärpräsenz, wobei der schroffe Befehlston mit dem Kommando „Steht kommod!“ schnell wieder eine versöhnliche Note bekam.
Dr. Rainer Schaller, Präsident des Lions-Clubs und Vorstand der Stadtkapelle Gersthofen, begrüßte zu Beginn eine Reihe von Ehrengästen, unter ihnen Oberbürgermeister Frank Kunz. Kenntnisreich moderierte Dr. Schaller die Gesamtveranstaltung und erläuterte die Zielsetzung des Konzerts, aus dessen Erlösen der Lions-Club auch die Kartei der Not, das Leserhilfswerk unserer Zeitung, unterstützen wird. Alfred Sigg, Wertingen, skizzierte in pointiertem Stil die historischen Hintergründe zu einzelnen Musikstücken, vermittelte einen Überblick über das Militärwesen im österreichischen Kaiserreich und über Verbindungen zwischen Dillingen und der Donaumonarchie. Im Besitz dieser Informationen konnte das Publikum die Vortragsfolge mit besonderem Verständnis genießen. Nowotnys Regimentsmarsch „Aller Ehren ist Österreich voll“, Fuciks „Florentiner Marsch“, der Walzer „Geschichten aus dem Wiener Wald“ von Johann Strauß, der „Ungarische Tanz Nr. 6“ von Brahms und das Medley „Die ganze Welt ist himmelblau“ von Robert Stolz erhielten stürmischen Beifall.

Perfekte Beherrschung der Zither durch Lothar Lägel

Zu einem Star der Veranstaltung wurde der Zitherspieler Lothar Lägel aus Mühldorf. Mit seinen Soli zu „Geschichten aus dem Wiener Wald“ und vor allem mit der Gestaltung des Harry-Lime-Themas aus dem Carol-Reed-Film „Der dritte Mann“ bewies er die perfekte Beherrschung seines Instruments. Lägel war es auch, der auf die Weiterentwicklung der österreichischen Geschichte einging, indem er Ödön von Horvaths bissige Version der „Geschichten aus dem Wienerwald“ und Georg Kreislers „Wie schön wäre Wien ohne Wiener!“ in einen historischen Zusammenhang stellte.
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