Ein Mann, der Illusionen schafft

Cafè Müller in Königsbrunn (Foto: Röhm)
 
Helmut Röhm in seinem Arbeitszimmer
Gäbe es noch die beliebte Fernsehreihe „Heiteres Beruferaten“ mit dem unvergessenem Robert Lembke, wäre Helmut Röhm aus Rettenbergen für das Rateteam eine harte Nuss. Wer weiß schon was ein „Diplom-Gestalter (FH)“ ist? Was gestaltet ein Gestalter? Einfache Antwort: alles was mit Bau im weitesten Sinn zu tun hat; egal ob Wände, Fassaden, Brunnen, Fenster oder Gärten weckt sein Interesse hinsichtlich einer möglichen Verschönerung. Aufzählung nicht erschöpfend...

Seine Auftragslage ist gut, er hat Projekte im ganzen Bundesgebiet. „Ich bin sehr zufrieden und dankbar“, sagt Röhm. Er kann nun die Früchte seiner Arbeit ernten. Bis es soweit kam musste der 61-jährige freischaffende Gestalter einen dornenreichen Weg gehen, der ihn anfangs um seine Existenz fürchten ließ. 1972 bis 1975 erfolgte die Ausbildung zum Druckformhersteller im Buchdruck; einem Beruf, dem keine große Zukunft mehr beschieden war. Über den 2. Bildungsweg konnte er 1983 an der Fachhochschule Augsburg mit dem Diplom (FH) für Gestaltung abschließen. Leider gab es anfangs kaum Möglichkeiten, sein Können und Wissen in Form von Aufträgen unter Beweis zu stellen, denn keiner wusste mit dem neuen Berufsbild „Baugestaltung und Denkmalpflege“ etwas anzufangen. Oder es fehlte einfach hierfür die Akzeptanz. Er hielt sich mit handwerklichen Altbaurenovierungen aller Art und Restaurierungen - auch solcher für die Kirche - über Wasser. „Ein 14-Stundentag war keine Seltenheit“, schaudert Röhm noch heute. Sein Körper quittierte mit einer Reihe von Bandscheibenvorfällen. Nicht arbeitsfähig, finanziell keine Absicherung, die Ehefrau schwanger, folglich kein Verdienst. Kurz um: Er stand mit dem Rücken zur Wand. Hinzu kamen die Belastungen durch den Kauf und Umbau eines alten Bauernhauses zu Atelier und Wohnung. Mit Zähigkeit, Fleiß und dem unbändigen Willen zum Durchbruch kämpfte er sich durch diese schwierige Zeit.

Dann war endlich das Ende der Durststrecke abzusehen. Helmut Röhm gewann 1988 den ersten Preis bei einem Kunstwettbewerb der Stadtsparkasse Mering. Es ging um eine Brunnengestaltung, die Röhm mit einem früheren Studienkollegen gemeinsam durchführte. Durch anschließende erfolgreichen Teilnahmen an Wettbewerben wurde er immer mehr bekannt. Schließlich trudelten die ersten Aufträge ein. Es folgten Fassadengestaltungen, Wandmalereien, Fertigung von Sonnenuhren und Gartenskulpturen, aber auch Karikaturaufträge und Schriftgestaltungen. Aufträge führten ihn u. a. nach Tettnang am Bodensee, Düsseldorf, Frankfurt, Leipzig und Lagerlechfeld. In Königsbrunn ist eines seiner Meisterwerke zu sehen: das Café Müller. Hier konnte der „Gestalter“ nach anfänglichen Widerständen seine Vorstellungen über Kunst am Bau voll einbringen. Sein Name hat in Fachkreisen inzwischen einen guten Klang; er hat keine Werbung mehr nötig. Er ist nicht mehr der „Künstler“ aus früheren entbehrungsreichen Jahren, der einfach vor sich hin wurstelte. Diese Zeit brachten ihm jedoch viel Erfahrung über die Arbeit am Bau. Sie ist für ihn wertvoll, er weiß von was er spricht, wenn es um Planung und Ausführung von Bauarbeiten geht. Dem entsprechend groß ist sein „Kunst am Bau“-Angebot, das sich von anspruchsvoller Außenbereichsgestaltung bis zum individuellen Wanddesign erstreckt. Röhm arbeitet gerne mit einer Malart, die er „Illusionsmalerei“, nennt. Hier wird das physisch vorhandene Kunstobjekt in eine gemalte Scheinwelt eingebunden, welche die optische Illusion einer Zusammengehörigkeit erweckt. Er selbst sieht seine Position als Bindeglied zwischen Kunst, Bau, Handwerk und Denkmalpflege und dies zunehmend mit den Schwerpunkten Beratung, Planung und Baubetreuung. Es lässt sich nicht vermeiden, dass dabei verschiedene Anschauungen zwischen Künstler, Bauherr oder Bauverwaltung aufeinander prallen. Dann ist Überzeugungsarbeit erforderlich, die dem ruhigen „Baumenschen“ in seiner beharrlichen Art nicht immer, aber immer öfters gelingen. Neuen Herausforderungen steht er durchaus offen gegenüber. Wirklich? Da gäbe es ja etwas in Gersthofen, das vielleicht eine Bereicherung seiner Angebotspalette sein könnte. Wie wäre es mit einem Projekt namens „Kunst am Loch“? Ein Arbeitstitel könnte vielleicht lauten: Kunst am Loch in der Stadt am Lech...
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4 Kommentare
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Romi Romberg aus Berlin | 22.09.2016 | 16:05  
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Franz X. Köhler aus Gersthofen | 22.09.2016 | 21:16  
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Werner Aßner aus Affing | 27.09.2016 | 20:16  
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Gabriele B. aus Gersthofen | 03.10.2016 | 15:58  
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