"Ein Grund für mich und mein hoch motiviertes Team stolz zu sein": Interview mit Gersthofens Kulturamtsleiter Helmut Gieber

Kulturamtsleiter Helmut Gieber
 
Chinesischer Nationalzirkus präsentiert: "Shanghai Nights"
 
Chinesischer Nationalzirkus
 
Monika Gruber
mh bayern: Bereits im Januar lief das Jahr gut an mit Standing Ovations bei der Aufführung von „Shanghai Nights“ des Chinesischen Nationalzirkus. Weitere erfolgreiche Veranstaltungen folgten. Hat sich diese Begeisterung bei den Bürgern durch das ganze Jahr hinweg durchgezogen?

Helmut Gieber: Die Jahresstatistiken liegen noch nicht vor. Aber nach den Zwischenständen und der persönlichen Einschätzung zu urteilen, reiht sich das Jahr 2014 erneut in die Serie der erfolgreichen Vorjahre ein. Der Besucherzuspruch lag in den meisten Fällen eher über den Erwartungen.

mh bayern: Der Kartenvorverkauf für die Kabarettistin Monika Gruber war ungewöhnlich, um nicht zu sagen, fast ein Event für sich. Bereits ein halbe Stunde nach Öffnung der Kassen waren die Karten vergriffen. Hast es sich gelohnt, eine solch bekannte Künstlerin nach Gersthofen zu holen?

Helmut Gieber: Der Hype um Monika Gruber hat schon was von Beatlemania. Ab kurz nach 5.00 Uhr warteten die ersten hartgesottenen Fans mit Campingstühlen ausgerüstet auf die Öffnung der Pforten zum Ticketverkauf. Leider konnte nur ein Teil der über den Rathausplatz bis zur Bahnhofstraße reichenden Schlange „beglückt“ werden. Monika Gruber, die Ikone des bayerischen Kabaretts, im Programm zu haben, ist fast schon eine Auszeichnung. Wir verstehen uns als Altbayern sehr gut, sie fühlt sich wohl in der Stadthalle und es ist sicher keine falsche Prognose zu behaupten, dass sie nicht zum letzten Mal hier war.

mh bayern: Zum zweiten Mal schon wurde der Wettbewerb „Jugend musiziert“ in Gersthofen ausgetragen. Ihre Worte waren dazu: „Eine Stadt, die so gut aufgestellt ist wie Gersthofen, steht es gut an, wenn sie einen solch hochrangigen Wettbewerb herholt.“ Ohne viele Worte an die Finanzierung im Vorfeld zu verlieren, sehen Sie sich in Ihrer Arbeit bestätigt? Die Entscheidung hätte trotz sicherer Geldmittel auch auf eine andere Stadt fallen können. Glauben Sie, dass das vielfältige kulturelle Angebot in Gersthofen dazu beigetragen hat, die Stadt als Austragungsort attraktiv zu machen?

Helmut Gieber: Leider gab es im Vorfeld der erneuten Durchführung des Wettbewerbs einige Irritationen, die aber dann doch ausgeräumt werden konnten. Dank der Vermittlung des damaligen Bürgermeisters Jürgen Schantin konnte die VR Bank Handels- Gewerbebank als großzügiger Sponsor gewonnen werden und somit die Durchführung des Landeswettbewerbs sichergestellt werden. Gersthofen bezeichnet sich mit seinen leistungsstarken Musikvereinen und Orchestern, die zum Teil hervorragende Nachwuchsarbeit leisten, nicht zu Unrecht als Musikstadt. Die Verantwortlichen des Wettbewerbs waren 2009 von der reibungslosen Organisation durch das Kulturamt und den aktiven Musikvereine begeistert und kamen deshalb 2014 sehr gerne wieder.

mh bayern: Ende Mai wurde der erste Ballonmuseumscup ausgerichtet mit einer Wettfahrt von zwölf Gasballonen am 31. Mai. Die Ballonfahrt in Gersthofen hat schon eine lange Tradition, den Flugplatz gibt es schließlich schon seit über 100 Jahren. Wie zufrieden sind Sie mit der Bilanz des Cups? Denken Sie, dass er zu einem festen Bestandteil im Gersthofer Veranstaltungskalender werden kann?

Helmut Gieber: Die Zusammenarbeit zwischen dem Kulturamt, insbesondere dem Ballonmuseum und seinem Leiter, Herrn Dr. Thomas Wiercinski, und dem Freiballonverein Augsburg, mit seinem Vorsitzenden, Herrn Rainer Hassold, hat sich erfreulich intensiviert. Eines der Ergebnisse war die erstmalige Durchführung des Gersthofer Ballonmuseums-Cups im Mai 2014. Es ist geplant die nächste Wettfahrt vom 14. bis 17. Mai 2015 durchzuführen. Unser gemeinsames Ziel ist es, in absehbarer Zeit ein Gordon-Bennet-Rennen, es ist einer Weltmeisterschaft gleichzusetzen, nach Gersthofen zu holen.

mh bayern: Alle zwei Jahre werden die Kinderkulturtage veranstaltet, so auch dieses Jahr. Sowohl das Ballonmuseum als auch die Stadtbibliothek und die Stadthalle sind involviert und den jungen Besuchern wurde in allen Bereichen etwas geboten: ein Piraten-Mitmachstück, ein selbst produzierter Film, eine Lesung für Jugendliche. Das ist mit viel Arbeit verbunden. Wie viel Resonanz erhalten Sie, auch von den Familien?

Helmut Gieber: Bereits zum sechsten Mal fanden die im zweijährigen Rhythmus angebotenen Kinderkulturtage statt. Die Resonanz bei den Schulen und Kindergärten auf das fein abgestimmte Programm mit seinen sehr unterschiedlichen Spielformen war insgesamt recht erfreulich. Sogar das Bayerische Fernsehen war an den Kinderkulturtagen interessiert. Wegen des Bahnstreiks musste der Beitrag leider zeitlich verschoben werden. Die Kinderkulturtage waren dann nicht mehr aktuell und der Beitrag beschränkte sich auf das Ballonmuseum. Aber immerhin!

mh bayern: Zu einem viel diskutierten Thema: der neue Boden in der Stadthalle. Nicht nur das Parkett wurde erneuert, auch die Hebevorrichtung der einzelnen Podien wurde modernisiert und ist nun hydraulisch, eine neue Beleuchtung wurde am Boden angebracht und auch das Geländer wurde ausgetauscht. Alle Maßnahmen haben zusammen etwa 1,3 Millionen Euro gekostet. Mussten Sie sich oft rechtfertigen in Anbetracht dieser enormen Summe?

Helmut Gieber: Die Notwendigkeit und Sinnhaftigkeit der Gesamtmaßnahmen wurde in den zuständigen Gremien von uns und vor allem der Bauverwaltung hinreichend deutlich gemacht. Nach rund 3500 Veranstaltungen und ca. 1,5 Millionen Besuchern war der Saalboden hochgradig abgenutzt, der Bühnenboden rissig und die Steuerungstechnik nicht mehr störungsfrei. Bei der Erneuerung des Parketts und dessen Unterkonstruktion, die wegen der darunter liegenden Hubbodentechnik quasi in rund 4,50 m Höhe „schwebt“, war die Sicherheit der Besucher und Beschäftigten ein wichtiger Aspekt. Das Gesamtvolumen für die Maßnahmen einschließlich neuer pneumatischer Hubpodeste im hinteren Saalbereich lag bei rund 1 Million Euro netto. Die Mehrwertsteuer kann bei der Stadthalle als Betrieb gewerblicher Art größtenteils als Vorsteuer geltend gemacht werden.

mh bayern: Das Konzept der Stadthalle beschreiben Sie als „edel, aber nicht abgehoben.“ Damit locken Sie seit Jahren eine stabile Zahl an Besuchern an. Sicherheit bieten die Klassiker, die immer wieder in der Stadthalle zu sehen sind. Gäbe es auch einen gewissen Spielraum – sei es nun hinsichtlich des Geldes oder der Kapazitäten – mehr „Newcomer“ einzuladen und weniger populäre Stücke in der Stadthalle zu spielen?

Helmut Gieber: Der Kulturausschuss hat eindeutig bestätigt, dass bei der Programmgestaltung in etwas größerem Rahmen Neuproduktionen, neue Formate und aufstrebende Talente berücksichtigt werden sollen. Die Gastspiele des Thomanerchores Leipzig, von „Great dance of Argentina“, der Bayerischen Kammerphilharmonie Augsburg, dem Familienkonzert der Augsburger Philharmoniker, der Nachwuchskabarettisten Helmut A. Binser, Christine Eixenberger oder dem Comedian Ennio Marchetto belegen, dass wir diesem Auftrag gerecht werden. Selbstverständlich unterscheidet sich der Kulturauftrag einer Stadthalle ohne staatliche Zuschüsse von dem eines Staats- oder Stadttheaters wesentlich.

mh bayern: Nächstes Jahr wird die Stadthalle 20 Jahre alt. Freuen Sie sich schon auf die Feierlichkeiten? Haben Sie etwas Besonderes geplant und werden Sie auf die 20 Jahre Geschichte eingehen? Zur Eröffnungsfeier 1995 gab es ja ein klassisches Konzert….

Helmut Gieber: Die Stadthalle 20 Jahre in punkto Programmgestaltung, Auslastung und Besucherzahlen auf gleichbleibend hohem Niveau zu betreiben, ist ein Grund für mich und mein hoch motiviertes Team stolz zu sein. 20 Jahre sind aber kein rundes Jubiläum, so dass sich die Feierlichkeiten in Grenzen halten werden. Am 11.10.15 gratuliert uns Gerhard Polt und die Well-Brüder aus dem Biermoos zum Geburtstag und am Tag zuvor spielt die Stadtkapelle Gersthofen bei freiem Eintritt für die Gersthofer Bürgerinnen und Bürger. Geisterfahrer Silvano Tuiach hält die bestimmt unterhaltsame Laudatio. Aktuell bereiten wir eine Ausstellung mit lebensgroßen „Alltagsmenschen“ rund um die Stadthalle vor. Das Programm der Stadthalle
ist im Schwerpunkt nicht für kleine Eliten, sondern für eine breite Schicht ausgerichtet. Und bei diesen „Alltagsmenschen“, unserem geschätzten Publikum möchten wir uns mit dieser dreimonatigen Ausstellung von Juli bis September herzlich bedanken.

mh bayern: Im nächsten Jahr stehen neben der Jubiläumsfeier der Stadthalle auch der fünfte „Geburtstag“ der „kulturina“ an und viele weitere Ereignisse. Bleibt da für Sie als Kulturreferent eigentlich noch Zeit zum Luftholen? Können wir uns wieder auf ein großes Angebot an Kultur in Gersthofen im Jahr 2015 freuen?

Helmut Gieber: Die „kulturina“ wird vom Verein Lebendige Innenstadt hervorragend organisiert und ist einer der Glanzpunkte im vielfältigen Veranstaltungsangebot in unserer Stadt. Das Kulturamt bzw. die Stadt unterstützt das Fest finanziell, logistisch und mit verschiedenen Programmvorschlägen und einem speziellen Angebot im Ballonmuseum sind wir auch unmittelbar an diesem wunderbaren Bürgerfest beteiligt.
Langweilig wird uns im Kulturamt nie und mit den nötigen Rahmenbedingungen (Personal- und Finanzausstattung) werden wir auch 2015 und darüber hinaus für ein auch außerhalb von Gersthofen beachtetes Angebot sorgen.

Wir bedanken uns herzlich für das Interview!
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Weiterveröffentlichungen:

myheimat-Stadtmagazin gersthofer | Erschienen am 18.12.2014
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