Der Theatermann

Eder, bereits fertig geschminkt, ist bereit zu seinem Auftritt
 
Ehepaar Eder amüsiert sich bei der Durchsicht eines Programmhefts
Die Kulturszene in Gersthofen ist geprägt von ansprechender Vielfalt. Sie ist durchaus vergleichbar mit der anderer Kommunen. Grund hierfür ist u.a. nicht nur das umfangreiche Veranstaltungsangebot der Stadthalle; es sind die kleinen "Nischen", die Bürger -abseits vom grossen Theaterbetrieb- bewegen, ihr schauspielerisches Talent unterhaltsam und leicht "verdaulich" einem Humor und Entspannung suchenden Publikum anzubieten.

Dies gelingt immer wieder den Akteuren des "Theater Gersthofen e. V". An ihrer Spitze Spielleiter und künstlerischer Leiter Peter Eder, den der Pressemann diesmal nicht auf der Bühne sondern in der urgemütlichen Wohnküche seines Hauses in Batzenhofen erleben kann. Ein Blickfang ist der alte, mit Holzfeuerung betriebene Herd samt Wasserschiffchen und Trockenstangen. Der Kachelofen im Nebenzimmer sorgt für behagliche Wärme. Eigentlich erwartet man jeden Moment, dass der Großbauer die Stube betritt. Wobei diese Rolle nur eine von mehreren ist, die Eder auf den Leib zugeschnitten zu sein scheint. Beim "jugendlichen Liebhaber" stellt Schauspieler Eder sogar ein wenig den Mensch Eder dar, wie er augenzwinkernd dem myheimat-Mann verrät. Als Gangsterboss wirkte er ebenfalls schon sehr überzeugend. Seine Rollen spielt der 68-jährige Protagonist sehr selbstbewusst ohne jemals eine schauspielerische Ausbildung genossen zu haben. Ganz ohne Medienerfahrung ist Amateurschauspieler Eder hingegen nicht. Er war in den 80iger Jahren viele Jahre Rundfunkmoderator bei Radio RT 1, parallel zu seiner Arbeit als Geschäftsstellenleiter bei der Augsburger Allgemeinen. Seine Musiksendungen mit deutschen Schlageroldies und amerikanischem Rock `n Roll und Country-Songs fanden eine große Zuhörerschaft.

Etwas wehmütig erinnert sich Eder an diese Phase. "Es war zugleich die Zeit der grossen Volksschauspieler wie z. B. Maxl Graf, Gustl Bayernhammer oder Ernie Singerl. Sie konnten das Publikum durch ihre Originalität begeistern. Seit acht Jahren ist er nun im Ruhestand. Wohl eher ein Unruhezustand. Bühnenkünstler Eder schlüpft zuhause in praktische Rollen. Die da wären: selbst Brot backen, braut eigenes Bier, mostet Obst aus eigenem Garten, räuchert Fleisch im Räucherofen. Nicht genug: er repariert Gitarren ("Der Gitarrenbauer von Batzenhofen"), spielt Gitarre, singt dazu und "fummelt" an alten Radios herum von denen er sich dann nicht trennen kann. Und wenn noch zusätzliche Zeit vorhanden ist, baut er ferngesteuerte Flugzeugmodelle. Daneben zeigt er soziales Engagement durch seine ehrenamtliche Mitarbeit im Seniorenbeirat der Stadt Gersthofen. Noch was vergessen? Letztes Jahr konnte er auf sein 50-jähriges Bühnenjubiläum zurück blicken. Er hat seit 1963 in ca. 70 Inszenierungen bei den „Bühnenfreunden Augsburg“ mitgewirkt. Zwischen beiden Bühnen gibt es viele Gemeinschaftsproduktionen. Er liebt das Spielen interessanter oder schrulliger Charaktere. "Die Rolle muss mich fordern", erklärt der Schauspieler und sucht gute Stücke mit bodenständigem Hintergrund. Und der Erfolg gibt ihm recht - obwohl: "Das Publikum ist zuweilen eine launenhafte Diva“, so Eder. Mal lacht es zu einer bestimmten Situationskomik, in der nächsten Vorstellung rührt sich an der gleichen Stelle keine Hand. Eder gelingt es auch, ohne aufwändige Inszenierung das Publikum in seinen Bann zu ziehen, wie z. B. in der Adventszeit. Er liest Besinnliches oder Heiteres vor. Seine kräftige Stimme mit pointierter Betonung, vorgetragen in Mundart, garantiert Hörvergnügen.

Was wäre Bühnenprofi Eder ohne seiner Frau Ingeborg? Als Mädchen für alles was hinter der Bühne geschieht wie Bühnenbild, Requisiten, Schminken, Maske, Kartenverkauf hält sie ihm den Rücken frei. Ist sie auch Kritikerin? "Nein, da halte ich mich raus", lacht sie. Eine gute Rollenverteilung, die mit zum Erfolg des Theatervereins Gersthofen beiträgt. Könnte sich Eder noch eine Verbesserung der Theaterszene in Gersthofen vorstellen? Er kann. „Es wäre schön, wenn es ein Haus für Kleinkunstdarbietungen gäbe“, sinniert er. Für Kabarett, Gesang, Zauberei, Lesungen, Sprech- und Musiktheater würde eine eigene Bühne das berühmte I-Tüpfelchen sein. Wieder ein Blick zurück: Gersthofen hatte sogar früher ein Kino. Jetzt kommt Eder ins Schwärmen. „Es wäre ideal, wenn beides unter einem Dach wäre – wechselweise benutzbar als Kino oder Bühne.“

„Hat was für sich“, denkt der Pressemann auf dem Heimweg und denkt dabei gerne zurück an seine Kinoerlebnisse. Vielleicht findet sich eine gute Theaterfee, welche zaubern kann und Eder's Wunsch erfüllt. Vermutlich müsste sie aber zuerst an anderen Stellen ihren Zauberstab schwingen...
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Weiterveröffentlichungen:

myheimat-Stadtmagazin gersthofer | Erschienen am 03.05.2014
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