Das verlängerte Weihnachtsfest

Moidl Mam strickt und schaukelt
 
Sohn Karl Ackermayr hört auf seine Mutter

Von einem raffiniertem Schwindel gegenüber Familienangehörigen erzählt die Komödie "Da Austragsschwindel" . Eine Austragsbäuerin, deren Wohnrecht auf fünf Jahre befristet ist, möchte sich das letzte Jahr noch richtig verwöhnen lassen. Sie täuscht einen schlechten Gesundheitszustand vor und genießt die Fürsorge ihrer Familie. Sie findet im Hausarzt einen Verbündeten, der der Familie weis macht, es läge bei ihr eine "tiefgehende Bewusstseinsstörung mit Realitätsentfremdung" vor. Sie würde das Ende der Austragszeit nicht überleben. Aus medizinischer Sicht müsse man deshalb das Weihnachtsfest künstlich verlängern, um der Bäuerin die Angst vor dem Jahresende zu nehmen. Um den Hof nicht zu verlieren, improvisiert die Familie eine Dauerweihnacht, die die Familie an ihre Belastungsgrenzen bringt.
So könnte man im Amtsdeutsch den Inhalt der Komödie beschreiben. Der Theaterverein hat mit der Auswahl der Komödie ein "gutes Händchen" bewiesen. Bei der Umsetzung hat man anfangs etwas Schwierigkeiten, das Milieu eines Gemüsebauernhofes mit dem Handlungsablauf zu verknüpfen. Dafür kann man sich den Darstellern widmen. Die Moidl Mam (Lydia Braun) schaukelt, dabei wacker strickend, durch das Stück. Sie spielt überzeugend eine von vielen Zipperlein geplagte Oma; um von einer Minute auf die andere sich den kleinen Freuden des Lebens (Leberkäse, Schnaps) zuzuwenden. Der Hausarzt Dudlhofer (Lukas Kiermeyr) brilliert durch seine profunden medizinischen Kenntnissen, gepaart mit einer gehörigen Portion Spitzbüberei - vielleicht weil er sich endlich von seinem Kanapee getrennt hat. Die Familie Ackermayr, gespielt durch Vater Wolfgang Schwarzer, Mutter Christl Dittmann und Tochter Regina Stanglmeier zeigen mit viel Geschick das Leben auf einem Bauernhof, das zunehmend unter den Marotten der Moidl Mam leidet.

Nach dem 2. Akt kommt die Geschichte richtig in Fahrt. Das Hoffaktotum Krautinger (Oliver Klein) läuft zur Hochform auf. Er leidet unter den obskuren Aufträgen, der Oma Weihnachten, obwohl schon längst vorbei, vorzugaukeln. Er schreit und heult sein Elend herzzerreißend in die gut besuchte Stadthalle. Sehr überzeugend, Mitleid kommt auf. Wenn aber Tochter Regina ihre weiblichen Reize einsetzt, macht Krautinger alles. Den Weihnachtsrummel kann der Giggerl Girgl, routiniert gespielt von Peter Eder, nicht verstehen. Köstlich seine Irritationen, verursacht durch das Hören von Weihnachtsliedern im August. Hier hätte man vielleicht noch eins drauf setzen können, in dem man eine Begegnung mit dem Nikolaus arrangiert hätte. Die Stimme des Volkes wird durch die "Dandlerin" (Christiane Gabel) mit umgangssprachlicher Offenheit verkörpert.

Zum Schluss klärt sich alles auf. Nur das Wort "Weihnachten" kann man nicht mehr hören. Weniger zu hören als sonst in Stücken dieser Art war von Peter Eder. Seine Rolle bescherte ihm diesmal keinen wie bisher gewohnten großen Bühnenauftritt. Dadurch konnten sich andere Darsteller mehr ins Rampenlicht spielen. Ein Beweis, dass das Theater Gersthofen auf genügend gute Schauspieler zurück greifen kann...
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Weiterveröffentlichungen:

myheimat-Stadtmagazin gersthofer | Erschienen am 07.06.2014
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