Bayerischer Jedermann in Gersthofen: ein Erlebnis

Ausverkauft: Etwa 400 Besucher waren in der Premiere
 
Julian Poppe eröffnet das Spiel
Ein abendlicher Gersthofer Rathausplatz mit ungewohntem Anblick: Lange Stuhlreihen kündigen ein besonderes Ereignis an. Nach und nach füllt sich der Platz. Stimmengewirr, erwartungsvolle Gesichter. Dazwischen Leute vom Kulturamt, geschäftig hin und her eilend. Erster Bürgermeister Michael Wörle und Kulturreferent Helmut Gieber im Gespräch mit Besuchern. Langsam legt sich Dämmerung über den Platz und Scheinwerfer tauchen die Bühne vor dem Rathaus in milchiges Licht. Der „Bayerische Jedermann“ wird jede Minute erwartet.

Gieber begrüßt die Gäste. Er weist darauf hin, dass das Theater Gersthofen bereits 1998, 2000 und 2002 dieses Theaterstück mit großem Erfolg aufgeführt hat. Aus Anlass des 20-jährigen Jubiläums der Stadthalle wurde eine Neuinszenierung mit über 60 Mitwirkenden durchgeführt, deren Premiere jetzt zu sehen ist. Abschließend wünscht er, dass ein „Hauch“ vom Salzburger Jedermann nach Gersthofen weht

Um es gleich vorweg zu sagen. Dem Publikum wurde ein Bayerischer Jedermann serviert, der ohne Salzburger Hauch auskam und dank hervorragender Schauspieler geeignet war, sich noch lange an diese Aufführung zu erinnern. Dazu beigetragen haben alle Mitwirkenden, die vorwiegend aus Gersthofer Vereinen kamen. Vielleicht hat gerade diese Gersthofer Besetzung das Theaterstück mit dem gewissen „Etwas“ versehen, das den schwierigen Stoff, hier pralles Leben, da Konfrontation mit dem Tod, leichter zu handeln ließ. Es ist leider nicht möglich, die Leistung aller sechzig Mitwirkenden gebührend zu würdigen. Der Handlungsfaden des Stückes darf als bekannt vorausgesetzt werden. Trotzdem kommt man an einigen Protagonisten nicht vorbei. Einer davon ist Peter Eder, der den „reichen Mann“ mit viel Verve spielte. Ein selbstbewusster Mann der sich vom Leben nahm was er konnte. Dann der Abstieg zum Bittsteller angesichts des Todes. Er will sein „Schuldenbuch“ noch ausgleichen - ein Verzweifelter, mit dem man Mitleid hat. Freunde und Freundin haben ihn verlassen. Wohltuend Regina Stangelmeier als Freundin Jedermanns: ihren natürlichen Charme konnte sie bei den Aufheiterungsversuchen von Jedermann während des Festes voll ausspielen. Und dann der krasse Gegenpunkt: Wolfgang Schwarzer als Tod. Es lief schon eine kleine Gänsehaut über den Rücken, als er sich plötzlich ins Spiel brachte. Schaurig schön. Es war auch mucksmäuschen still, als er mit Jedermann über einen Aufschub diskutierte. Zum Ende des Spieles kam mit Blitz und Donner der Teufel auf die Bühne um die Seele Jedermanns zu holen. Doch dank der Gnade Gottes gelang es ihm nicht. Rot gewandet, mit Hörnchen und Pferdefuß – eine Paraderolle für Herbert Lenz. Ein dickes Lob an die Schminkabteilung; man musste schon zweimal hinschauen um Lenz zu erkennen.

Gut gelungen sind die Auftritte der TSV-Turner (perfekte Akrobatik) und des Heimat- und Volkstrachtenvereins (flotte Volkstanzeinlagen). Sie sorgten für das Gersthofer Lokalkolorit. Aufsehenerregend der Einsatz eines kleinen Pferdefuhrwerkes und das Zünden eines Feuerwerkes. Stimmungsvoll wurde Anfang und Ende das Theaterstücks durch den den Chor der Pfarreiengemeinschaft Gersthofen gestaltet. Einen kleinen Wermutstropfen zu nennen sei erlaubt: Für einen prunkvollen, bestausgestatteten Gutshof , wie im Programm benannt, war die Begrünung etwas armselig. Das aber nur am Rande. Alles in allem: Der Bayerische Jedermann, in Gersthofen gespielt, war ein Glanzlicht am Theaterhimmel der Stadthalle und wurde seinem Anlass, dem 20-jährigem Jubiläum der Stadthalle, mehr als gerecht.
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Unser "Plus" kennzeichnet alle Beiträge, die durch den Abdruck bei unseren Partnerverlagen noch mehr Aufmerksamkeit bekommen.gersthofer | Erschienen am 05.09.2015
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2 Kommentare
896
Gabriele B. aus Gersthofen | 08.08.2015 | 13:04  
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Herbert Lenz aus Gersthofen | 12.08.2015 | 22:30  
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