Es gibt noch etwas anderes als Zocken und Co.

 

Die 21-jährige Franziska Probst macht eine Ausbildung zur Heilerziehungspflegerin. Mit dreien ihrer Schützlinge macht sie ein Projekt. Ein 13-Jähriger baut dabei seine erste Waldhütte

Leise schleicht er sich heran und versteckt sich hinter einem Baum. Das Holz knackt unter seinen Füßen, also versucht er, nur auf Moos zu treten. Er kommt unbemerkt näher – und erschreckt dann seine Betreuerin und seine beiden Freunde. Alle lachen und haben Spaß. Das ist es, was Franziska Probst zeigen will: eine Alternative zu Medien, die das Leben von Kindern und Jugendlichen mittlerweile viel zu sehr prägen.
Die 21-Jährige aus Gersthofen ist in ihrem zweiten Ausbildungsjahr. Am Frère-Roger Kinderzentrum im Augsburger Stadtteil Oberhausen betreut Franziska Kinder und Jugendliche, die es im Leben nicht immer leicht haben. Im Zuge ihrer Ausbildung zur Heilerziehungspflegerin muss sie ein Projekt gestalten. Den Inhalt dafür hat sie selbst wählen dürfen. Ihr Thema lautet: „Ausbruch aus der medialen Welt – Alternativen zu Handy und Co.“ Ihr ist das ein ganz wichtiges Anliegen: „Die Kinder sollen sehen, dass es auch andere Sachen gibt, die Spaß machen.“
Denn vor allem das Smartphone und die Spielkonsole stehen in der Freizeit von Franziskas Schützlingen im Mittelpunkt. Im Kinderzentrum, in dem einige von ihnen leben, ist ab 17 Uhr sogenannte Zockzeit. „Das ist immer ein ganz großes Thema“, weiß die Auszubildende. Der 13-jährige Tomass Schellenberg bestätigt das: „Die meiste Zeit bin ich am Zocken.“ In der dafür vorgesehenen Zeit bevorzugt Tomass dabei strategische Spiele.
Bei Franziskas Projekt sind Tomass und seine beiden Freunde Nils und Matthias aber meist Feuer und Flamme. Bisher haben sie schon eine Leinwand aus Mosaik gestaltet und selbst Diskokugeln gebaut. Der elfjährige Matthias Bosch fand die Diskokugel aus Steropor und kleinen Spiegelteilen ziemlich gut. „Als wir das Licht angemacht haben, hat es toll geleuchtet“, erzählt er. Im Kinderzentrum gibt es eine Disko, die ist aber erst ab 12 Jahren. Nils Heller ist schon 12 Jahre und darf nun daran teilnehmen.
Am dritten Projekttag ging die kleine Gruppe in einen Wald in Stettenhofen (Gemeinde Langweid). Franziska ist hier aufgewachsen und kennt sich aus. Dort baut sie mit den drei Jungs eine Hütte aus Ästen und Moos. Für Tomass ist das die erste Waldhütte, die er je selbst errichtet hat. Er sagt: „Ansonsten gehe ich nur im Wald spazieren mit meinem Hund Jacky.“ Sowohl Nils als auch Matthias haben schon eine Hütte in der Natur gebaut. Die drei sind sich einig: In der Natur spielen macht Spaß.
Franziska freut sich, dass alles reibungslos klappt: „Sie machen bei allem mit und sind echt fit.“ Klar, dass es auch mal zu Streitigkeiten kommt. Doch es artet nicht aus, wie es im Kinderzentrum schon das eine oder andere mal passiert ist. Die frische Luft und das Spielen in der freien Natur scheint Franziskas Schützlingen gut zu tun. Matthias sagt: „In der Natur sein, das fand ich schon immer cool.“ Mit Nils geht er am Nachmittag auch oft nach draußen um Inlineskates zu fahren. Auch sein Freund findet die Aktion im Wald toll und erzählt: „Bei einem Baumstamm war es total schwierig, ich musste ihn um 15 Kurven tragen.“
In kürzester Zeit bauen die drei gemeinsam mit Franziska eine Hütte und legen sie innen mit Moos aus. Sie sind stolz auf ihr Werk. Damit ist das Projekt aber noch nicht beendet: An zwei weiteren Tagen wird Franziska mit ihnen eine Fahrradtour an einen Weiher machen und aus Alltagsgegenständen ein Musikinstrument bauen. Zum Abschluss gibt es dann noch ein Lagerfeuer. Franziska sagt: „Da werden wir Würstchen und Marshmallows grillen.“ Der Medienaspekt wird aber nicht ganz zur Seite gelegt. Schließlich ist das Handy aus der heutigen Zeit nicht mehrwegzudenken. „Ich nehme immer mein Smartphone mit und mache damit Fotos“, sagt Franziska. So sehen die Jungs, dass man die Medien auch anders nutzen kann.
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