Ein Sprichwort sagt, er sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht.
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Ich sehe es jedoch genau umgekehrt.
Man sieht den Baum vor lauter Wald nicht!
Das fehlt in unserer Zeit besonders. Und es ist längst nicht so einfach getan, wie gesagt ist:
Auf das Einzelne blicken, sich in Ruhe darauf einlassen.
Sich Zeit nehmen für diesen einen Baum vor den Augen.
Und daran wieder staunen lernen. Aber genau dadurch kann man so reich beschenkt werden, eine ungeahnte Fülle des Lebens erfahren.
Ich gebe zu: Das ist eine große Kunst.
Und es bedarf viel Weisheit, um sich nicht von der umgebenden Buntheit und Vielfalt ablenken zu lassen.
Doch es rentiert sich!
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Ja, Stephan, das trifft allerdings ein Phänomen, das leider oft zu beobachten ist: sich auf das Besondere einlassen, eintauchen in das Ganze durch das Konkrete!
Wer vorbeiläuft, da er schon am Vagen-Ganzen (sprich: Oberflächlichen) sich begnügt, zeigt, dass ihm das Ganze nichts bedeutet, denn das Ganze entsteht durch das konkrete Einzelne.
Der Grund für dieses sonderbare Verhalten? Vor allem: Viele haben verlernt (oder nie gelernt), was es bedeutet, sich zu erleben, wahrzunehmen, bewusst zu entdecken.
Paradox: Wer den Wald im Baum nicht erkennt, wird den Wald selbst nicht verstehen; wer nicht immer wieder im Besonderen das Ganze erlebt, erlebt gewiss das Ganze nie.
... und das beschreibt auch eine signifikante Tendenz, eine Bestrebung, die wir im Grunde alle in uns tragen: Der Verstand, der durch Analyse des Einzelnen arbeitet, kann aus sich heraus das Einzelne nicht verbinden zum Ganzen.
Ganz im Sinne dieser menschlichen Intelligenz tendiert der Analytiker dahin, aus der Fülle einzelner Inhalte nicht mehr heraus den Kreis des Verstehens zu schließen, indem nach hinlänglicher Analyse die Vernunft aus der Vielfalt des Einzelnen nach deren E i n h e i t sucht, nach dem Wesen, das durch das Viele sich manifestiert ... .
Da das Viele und das Einzelne immer durch Zusammenhänge erst letzte Bedeutung erlangt im Kosmos, müsste der Analytiker sich fragen: "Was sagst Du mir, Du Blatt? Du Phänomen im Einzelnen?"
Dann könnte der Analytiker die Einseitigkeit seiner intelligenten Grundhaltung erweitern und ergänzen: Bald fände er Genugtuung darin, erst zu ruhen, wenn er durch Verknüpfung des Einzelnen zum Wesen des Ganzen gelangt wäre ... .
:-)
Viele Grüße
Wolfgang
Ps: Dies klingt abstrakt, ist aber ziemlich häufig anzutreffen - im Naturbetrachten: "Müsset im Naturbetrachten, eins wie alles achten!"
... meinte einmal der alte Herr aus Weimar ... :-)
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