Schulbusbegleiter - kein leichter Job

Schulbusbegleiter Alexander Wiedemann mit Weste von der Verkehrswacht
 
Der Schulbus kommt...
Es gibt bestimmt viele Leser(innen), die noch die klassischen Sommer- und Winterschlussverkäufe bei den großen Kaufhäusern kennen. Rentner und Hausfrauen fieberten dem Starttag entgegen. Öffneten sich die Eingangstüren der Konsumtempel, legte die wild entschlossene Käuferschar einen olympiareifen Blitzstart Richtung Wühltische, Regale, Rolltreppen - oder auch Toiletten, hin.

An solche Bilder fühlte sich der Pressemann erinnert, als er an einem Freitag mit dem Linienbus sich dem Schulzentrum Neusäß näherte. Es war Unterrichtsschluss und die Schulbushaltestelle war dicht umlagert von Schülern aller Altersklassen. Angesichts des nahenden Busses versuchten einige der „lieben Kleinen“ durch Schubsen und Drängeln eine gute Poolposition zu erlangen. Wichtig, bei dem Kampf um einen Sitzplatz. Als die Türen sich öffneten, stürmten die Kids den Bus. Während der Fahrt entwickelte sich lautstarke Unterhaltung, kreuz und quer durch den Bus. Der Fahrer war von bewundernswerter Gelassenheit; er ließ sich nicht aus der Ruhe bringen.

Ungewollt passte diese Fahrt gut zu dem Thema „Schulwegsicherheit“, das wir in der letzten Ausgabe des „gersthofer“ angeschnitten haben. Diese Fahrt zeigte gleich mehrere „Sünden“ der Schulkinder auf. An der Haltestelle wurde gedrängelt, das Einsteigen glich einem „Entern“, es wurde geschubst und gestoßen. Sturzgefahr! Ein Schulbuslotse oder Schulbusbegleiter - beide Bezeichnungen sind richtig - hätte hier die Schüler zu mehr Ruhe anhalten können, schon durch seine Anwesenheit. Wie es der Zufall will, lernte der myheimat-Mann kurz darauf während einer Busfahrt einen jungen Mann kennen, der als ehrenamtlicher Busbegleiter im Einsatz war.

Alexander Wiedemann, Schüler der 9. Klasse Realschule in Meitngen. Er fährt regelmäßig mit der AVV-Linie 420 von Gablingen nach Meitingen und zurück. Er hat als Busbegleiter ein Auge auf die Schüler(innen) im Bus und an der Haltestelle. Das hört sich recht einfach an, ist es aber nicht. Busbegleiter sollen z. B. bei Rangeleien und Streit vermitteln. Das können sie in der Regel besser als Erwachsene, da sie den in Jugendkreisen üblichen Jargon sprechen und Situationen anders einschätzen. Trotzdem: „Es gehört schon Zivilcourage dazu, sich in Konflikte als Vermittler einzuschalten“, gibt Wiedemann zu bedenken, „Oberstes Gebot ist aber, sich nicht selbst zu gefährden.“ Er darf sich nicht als „Hilfspolizist“ aufspielen, wie z. B. den Verkehr stoppen, um ein sicheres Queren der Straße zu ermöglichen; Schulwegbegleiter dürfen das. Bei dem eingangs erwähnten Schulbus mit hohem Lärmpegel hätte Wiedemann erst dann die Schüler angesprochen, wenn ihn der Busfahrer darum gebeten hätte.

Eine Ausbildung durch Polizei informiert über Rechte und Pflichten eines Busbegleiters. Warum hat er sich freiwillig für diese ehrenamtliche Arbeit gemeldet? „Ich sehe diesen Job als Herausforderung an und habe vielleicht später mehr Erfahrung im Umgang mit Menschen.“ Die Schule unterstützt das Projekt in dem eine Lehrkraft die Busbegleiter einteilt und versucht, bei Bedarf kritische Fälle gemeinsam zu lösen. Außerdem wird im Zeugnis auf die, als Schulbusbegleiter erworbene Sozialkompetenz, hingewiesen.

Der 15-jährige Schulbusbegleiter hat noch mehr Interessen. Er ist Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Gablingen und hält sich in seiner Freizeit mit Taekwondo, einer koreanischen Kampfsportart fit.. Eine Rückversicherung, wenn Gewalt ins Spiel kommt? „Nur im äußersten Notfall“, lautet nach kurzem Überlegen seine Antwort. „Ansonsten wäre es eine überzogene Maßnahme.“ Mit einem „Hoffentlich tritt dieser Notfall nicht ein“ verabschiedet sich der Pressemann von dem sympathischen jungen Mann.

Hinweis in eigener Sache: Der Pressemann unterhielt sich mit Wiedemann im Bus und bei der Haltestelle in Gablingen. Dort wurden auch die Fotos gemacht, misstrauisch beäugt von dem Fahrer des Busses, dem Wiedemann entstieg. Er wollte genau wissen, was da fotografiert wird. Sein Verhalten war völlig in Ordnung. Lieber einmal zu viel nachgefragt als zu wenig. Auch das kann zur Schulwegsicherheit beitragen...
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Weiterveröffentlichungen:

Unser "Plus" kennzeichnet alle Beiträge, die durch den Abdruck bei unseren Partnerverlagen noch mehr Aufmerksamkeit bekommen.gersthofer | Erschienen am 07.05.2016
Unser "Plus" kennzeichnet alle Beiträge, die durch den Abdruck bei unseren Partnerverlagen noch mehr Aufmerksamkeit bekommen.meitinger | Erschienen am 07.05.2016
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