Notruf 112 - Einsatz der Gersthofer Feuerwehr - Teil 1

Die Freiwillige Feuerwehr Gersthofen lädt zum Tag der offenen Tür ein
 
Wolfgang Baumeister (3. von links) ist gerne Feurwehrmann
Die Feuerwehr: ein Synonym für schnelle und kompetente Hilfe bei Unglücksfällen. Ihre Mitglieder setzen ihr Leben auf das Spiel, um bei Brand, Unfällen oder Naturkatastrophen zu helfen. Nicht verwunderlich, dass die Öffentlichkeit in ihnen gerne "Helden" sieht. Noch dazu, wenn das Erscheinungsbild von Feuerwehrmännern in den Medien leicht getrübt wird - wahrscheinlich durch "Rauchentwicklung". Wer kennt z. B. nicht die TV-Bilder aus Spielfilmen, bei denen bereits leicht angekokelte Feuerwehrmänner Personen auf Händen tragend (meist attraktive Frauen), mit letzter Kraft das brennende Haus verlassen. Sie werden oft als Einzelkämpfer dargestellt, die sich trotz aussichtsloser Lage in höchste Gefahr begeben. Stimmt dieses Bild oder handelt es sich um ein gerne gepflegtes Klischee?

Die Realität stellt sich anders dar. Der "Feuerwehralltag" ist nicht geprägt von spektakulären Einsätzen, wo es um Leben oder Tod geht. Es sind zumeist Hilfeleistungen bei Brand oder Verkehrsunfällen, bei denen schwere Personenschäden glücklicherweise eher selten sind. Trotzdem ist auch hier schnelles und überlegtes Handeln erforderlich. Den Pressemann hat schon immer interessiert, was beim Wählen der Notrufnummer 112 passiert. Der Erste Kommandant der Gersthofer Freiwilligen Feuerwehr, Wolfgang Baumeister, war gerne bereit den Ablauf eines Einsatzes zu schildern.

Ein Sonntag im September. Die Feuerwache in Gersthofen ist unbesetzt. Nichts deutet darauf hin, dass den Männern und Frauen der Freiwilligen Feuerwehr ein Sonntag bevor steht, den sie nicht so schnell vergessen werden. Der erste Alarm erfolgte kurz vor 7 Uhr durch die integrierte Leitstelle Augsburg. Diese Leitstelle ist eine Zentrale, deren Zuständigkeit bis Nördlingen reicht. Bei ihr laufen die Notrufe von vier Landkreisen und der Stadt Augsburg zusammen. Der Leiter der Feuerwehr Wolfgang Baumeister: "Gemeldet wurde „Wohnungsbrand“ im Akazienweg 4. Wir rückten mit ca. 20 Kräften und fünf Fahrzeugen aus"; mit Ausschlafen war nichts mehr drin. Das Stichwort “Wohnungsbrand“ impliziert intern, mit welchen Kräften und Fahrzeugen auszurücken ist. Vor dem betroffenen Anwesen war die Polizei bereits mit der Evakuierung der Bewohner beschäftigt. Aus einem Dachfenster quoll dichter Rauch. "Wir gingen mit Atemschutz in das Haus und hatten nach ca. 10 Minuten den Brandherd, der sich im Dachboden befand, gelöscht", erinnert sich Baumeister. Für die Profis war der Brand keine besondere Herausforderung. Was danach kam schon eher. Nach dem mit einer Wärmebildkamera einzelne Glutnester in der Dachisolierung entdeckt wurden, musste die Dachisolierung entfernt werden, um an sie ran zukommen. Da kam es sehr gelegen, dass für den Einsatz zwei Drehleitern zur Verfügung standen. Das Entfernen der Glutnester war anstrengend, da dies unter Atemschutz geschah. Zudem mussten die Männer wegen Absturzgefahr von den Kameraden der Höhensicherungsgruppe mit Seil und Haken gesichert werden.

Anschließend mussten die heraus gelösten Stücke der Dachisolierung abgelöscht werden. Um große Wasserschäden in den darunter liegenden Wohnungen zu vermeiden, geschah dies im Freien. Das bedeutete, dass für den Abtransport ca. 30 mal der Dachstuhl des 3-stöckigen Hauses "erklommen" werden musste. “Da konnte man schon einen "Knieschnackler" bekommen", meint Gersthofens oberster Brandhüter. Später lobte die Hausbesitzerin das umsichtige Vorgehen der Feuerwehr; es gab keine großen Wasserschäden bei den oberen Wohnungen. Der Dank war verbunden mit einer Spende. Baumeister: „Das kommt nicht allzu oft vor, dass wir Dank erhalten.“ Zu guter Letzt musste das beschädigte Dach wieder zumindest notdürftig dicht gemacht werden.

Mittlerweile betreuten die Rettungsdienste von Malteser und BRK die Bewohner in einem von der Berufsfeuerwehr Augsburg zur Verfügung gestellten Großraumrettungswagen. Sie erhielten dort Essen, konnten sich mit Gesprächen "abreagieren" oder einfach ausruhen.

Baumeister lobte die Nachbarschaftshilfe. Die Anwohner versorgten die Brandschützer mit Kaffee, Butterbrezen u.a. mehr. "Das hat uns gut getan". Die guten Gaben konnten die Einsatzkräfte in einem eigens aufgebauten Zelt -ausgestattet mit Bierbänken- zu sich nehmen. Der Pressemann konnte sich das Lästern nicht verkneifen. "Gehören Bierbänke zur Standardausrüstung der Löschfahrzeuge?" Nein. das sei eine Idee der Gersthofer Feuerwehr gewesen. Schließlich benötigen die Truppmänner im Einsatz auch mal eine Verschnaufpause. Besonders die Atemschutzkräfte wurden intensiv gefordert; immerhin wurden in diesem Einsatz zwei Geräte leer gemacht. Wenn Ruhepause angesagt ist, wird eine Sitzgelegenheit -und sind es auch nur Bierbänke- dankbar angenommen. Logisch.

Baumeister hat so seine Zweifel, ob der Dachstuhlbrand tatsächlich einer war. "Das war auf keinen Fall ein klassischer Dachstuhlbrand." Untrügliche Kennzeichen wären lodernde Flammen aus dem Dach oder zerbrochene Dachziegel auf der Straße gewesen. Er steht mit seinen Zweifeln nicht allein; Brandexperten der Polizei haben Ermittlungen zur Brandursache aufgenommen. Mehr dazu kann er nicht sagen.

Baumeister erinnert sich an diesen Sonntag gut. "Kaum waren wir halbwegs fertig, kam die nächste Meldung". Eine Unwetterfront, für 13:30 Uhr angekündigt, kam entgegen sonstiger Wettervorhersagen pünktlich. Heftige Sturmböen, verbunden mit Starkregen, fegten über Gersthofen. Bei einer Baustelle an der Augsburger Straße wurde eine am Gerüst befestigte Abdeckplane los gerissen. Einzelne Gerüstteile hatten sich bereits gelöst und waren abgestürzt. Da keine Zeit zu verlieren war und die Einsatzkräfte durch den Dachstuhlbrand schon sehr gefordert wurden, alarmierte man die Werkfeuerwehr von IGS. Zusammen mit den Kollegen der Werkfeuerwehr wurden die losen Gerüstteile entfernt.

Inzwischen waren die Feuerwehrmänner seit ca. 7:00 Uhr im Einsatz, verstärkt durch Kräfte aus Batzenhofen. Langsam kamen die vom Regen durchnässten Männer an ihre Grenzen. Baumeister: "Zwei Einsätze an einem Tag sind schon etwas heftig. Noch dazu an einem Sonntag." Er beobachtet schon länger, dass die Sonntagsalarmierungen häufiger werden – Tendenz steigend. Zumeist handelt es sich um technische Nothilfe wie z. B. bei Verkehrsunfällen. Nachdem das Gerüst gesichert war bedankte sich der herbei gerufene Bauherr mit einer Runde Pizzen als Anerkennung für die schnelle Hilfe. Am Einsatzort "Akazienweg" waren die Abschlussarbeiten inzwischen fast beendet; das Dach musste noch notdürftig abgedeckt werden. Dann konnte man an das Abrücken denken.

Fortsetzung in Teil 2
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Unser "Plus" kennzeichnet alle Beiträge, die durch den Abdruck bei unseren Partnerverlagen noch mehr Aufmerksamkeit bekommen.gersthofer | Erschienen am 08.11.2014
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Werner Aßner aus Affing | 24.10.2014 | 18:42  
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