Hausbrand, was nun?

  Gersthofen: Musikerviertel |

Ein Erfahrungsbericht

Fast täglich liest man in der Zeitung Schlagzeilen, wie "Brand im Keller eines Hauses....", so auch Anfang Oktober 2013. Es kam zu einem Kellerbrand in der Gersthofer Brahmsstraße, mit 3 Verletzten. Meist überlegt man kurz, wo diese Straße ist und ob man zufällig Bekannte oder Freunde in dieser Gegend hat. Ich wollte einmal hinter die Kulissen schauen, einmal nachfragen, woher Hilfe kommt (wenn überhaupt) und wie das Leben danach aussieht.
Also hab ich mich auf Spurensuche begeben. Optisch sieht man dem Haus sofort an, dass es erst kürzlich gebrannt haben muß. Das Ausmaß der Tragödie erzählt die schwarze Fassade leider nicht. Ich gehe in das Haus, welches zur WBL gehört, und erschrecke sofort über den Zustand des Treppenhauses und der Brandgeruch steigt mir gleich in die Nase und reizt meine Schleimhäute, obwohl der Brand bereits einige Tage her ist. Ich traf dann auch gleich einige Bewohner des Hauses, die mir gegenüber sehr offen gegenübertraten und mir sehr gern auf meine Fragen antworteten. Sie berichten mir, dass am besagten Dienstag alles sehr schnell ging. Auf einmal gab es am frühen Abend überall Rauch und ganz, ganz viel Angst. Die Feuerwehr, die Polizei und med. Rettungskräfte waren sehr schnell vor Ort und bargen alle Hausbewohner. Die unmittelbare Nachbarschaft bot sofort Hilfe an.
Drei Personen kamen vorsorglich, mit Verdacht auf CO-Vergiftung, ins Krankenhaus, wurden aber noch am selben Tag wieder entlassen. Die Polizei geht von fahrlässiger Brandstiftung aus.
Die WBL bemüht sich am folgenden Tag um Schadensbegrenzung, läßt beispielsweise das gesamte Treppenhaus reinigen (Fenster und Türen reinigen die Bewohner selbst ). Leider stehen, seitens der Wohnungsbaugesellschaft, keine Ersatzwohnungen zur Verfügung. Ich bin geschockt, weil auch kleine Kinder in dem Haus wohnen. Für die Reinigung des Treppenhauses wurde also gesorgt, aber was geschieht hinter den Wohnungstüren?

Das ist der überraschte Herr M., der nach einem längeren Urlaub nach Hause kommt und gar nicht so recht weiß, was passiert ist. Er wollte in seine Wohnung und mußte die Polizei rufen, weil seine Wohnungstür aufgebrochen und ein neues Schloß eingebaut wurde. Die Beamten erklärten ihm die Situation und er kann verspätet in seine Wohnung und mußte erstmal tief durchatmen. Zum Glück ist nichts Schlimmeres passiert. Durch das Gespräch ist die vierköpfige Familie aus dem 2.OG aufmerksam geworden. Auch sie haben Gesprächsbedarf. Mir fällt sofort auf, dass die Kinder (2. und 5. Klasse) Mundschutz tragen, damit sie nicht zu viel CO einatmen. Sie berichten ganz aufgeregt vom Brandtag. Wir verabreden uns für die kommenden Tage, um ausführlicher zu reden.
Drei Tage später stehe ich vor ihrer Tür. Mir fällt sofort auf, dass das Treppenhaus erneut von der WBL gereinigt wurde und der Geruch fast normal ist. Ich werde sehr freundlich in die sehr kleine 2-Zimmerwohnung gebeten. Im Flur fällt mir gleich der kleine Drache ins Auge, der von einer Freundin an die Wand gemalt wurde. Er sollte wohl die Familie beschützen, was ihm an dem Brandtag nur ein bisschen gelungen ist. Stolz zeigen mir die beiden Kleinen ihr Kinderzimmer, ein Mädchentraum in rosa. Dann zeigen mir die Eltern die restliche Wohnung. Sie haben versucht, alle Brandspuren zu beseitigen. Überall hängen zahlreiche Familienfotos und selbstgemalte Kinderbilder. Die viel zu kleine Wohnung ist zweckmäßig, aber mit sehr viel Liebe eingerichtet. Die Eltern erzählen mir von Ihrer Angst, dass es wieder brennen könnte und das beim nächsten Mal nicht alle so glimpflich davon kommen. Sie wohnen zwar sehr gern in diesem Haus, wären aber sehr froh über eine andere, größere Wohnung im Musikerviertel. Da werde ich sehr hellhörig. Sie sagen mir, dass sie von Hartz IV leben und somit keine Chance auf ein neues Zuhause haben. Trotz des geringen Nebenverdienstes als Prospektverteiler, können sie sich keine größere Wohnung leisten. Die WBL hat zur Zeit leider auch keinen geeigneten Wohnraum zur Verfügung. Die Familien beider Eltern unterstützen sie regelmäßig. Gerade jetzt, wo der Winter vor der Tür steht, sponsern sie die Winterstiefel der Kinder. Sie bezahlen auch den neuen Farbanstrich im kleinen Flur. Das alles ist nur möglich, weil sie selbst ihren fälligen Bausparer opfern, damit es den Kindern und Enkelkindern gut geht. Aber eine neue Wohnung, einen festen Arbeitsplatz, eine brandsichere Wohnung können sie ihnen leider nicht bieten. ABER: sie schaffen es immerhin, ein Leuchten in die Augen der Kinder zu zaubern....auch wenn sie auf den Schaden, den sie nicht verursacht haben, sitzen bleiben, weil jeder Cent für das Überleben gebraucht wird.

Meine Recherche hat mir einmal mehr gezeigt, dass es sich immer lohnt, zweimal hinzuschauen. Jeder liest täglich ähnliche Schlagzeilen, ohne sich weiter Gedanken über die Folgen zu machen. Mich hat genau dieser Brand nachdenklich gemacht. Viele Dinge sind für mich selbstverständlich, aber für andere unbezahlbar. Ich werde weiterhin ein Auge auf diese Familie haben. Schön wäre es auch, wenn es einen neuen Vermieter für diese junge Familie geben würde, damit die Eltern wenigstens wieder ohne Angst schlafen können. Auch wenn es nur eine Sorge weniger wäre....!
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