Ist der Ärztemangel im Landkreis Pfaffenhofen angekommen?

Claudia Jung, Kreisrätin, AUL - Aktive Unabhängige Liste, Landkreis Pfaffenhofen a.d. Ilm
In der gestrigen Pfaffenhofener Ausgabe (GZ) stellt unsere Heimatzeitung die Frage: „Droht der Stadt Geisenfeld ein Engpass bei der Ärzteversorgung? Im Rathaus spricht man mit Blick auf dieses Thema von einer „schwierigen Situation“. Hintergrund: Die Praxis von Dr. Gerd Jennerwein hat ihre Pforten zum 1. Juli offenbar für immer geschlossen. Die Kapazität der verbleibenden Hausärzte, die ja Fachärzte seien, reicht aus Sicht von Dr. Matthias Fleige aus, um die von der jetzigen Schließung potenziell betroffenen Patienten am Ort „fachgerecht zu betreuen“. Werde eine ambulante oder stationäre Weiterbehandlung nötig, so seien die entsprechenden Angebote in relativer Nähe „in einer Viertelstunde erreichbar“. Dr. Lorenz Eberle sieht sich und seine Kollegen vor Ort ebenfalls „gut aufgestellt“, um auch alle bisherigen Patienten der Praxis Jennerwein betreuen zu können. Nach Angaben des PK sieht der Geisenfelder Apotheker Ralf Reisinger allerdings „dringenden Handlungsbedarf“ und Bürgermeister Christian Staudter (USB, Fraktionsvorsitzender der „AUL- Aktive Unabhängige Liste“ im Kreistag Pfaffenhofen verweist darauf, das kaum ein junger Arzt mehr bereit sei, sich auf dem Land niederzulassen und so drohe angesichts der Altersstruktur der noch verbleibenden Mediziner hier womöglich ein Engpass.

Bekannt ist, dass in den nächsten Jahren nach Prognosen der Verbände über 40.000 Ärzte in den Ruhestand gehen. Seit Jahren warnen auch Regierungsberater immer wieder vor zu wenig Allgemeinmedizinern. Die Politik demonstriert seit Jahren, wie geschäftig sie daran arbeitet, mehr Ärzte zur Arbeit auf dem Land zu bewegen. Anfang 2012 war das Versorgungsstrukturgesetz in Kraft getreten. Die damalige schwarz/gelbe Koalition wollte dem drohenden Ärztemangel begegnen, der GBA (gemeinsamer Bundesausschuss von Ärzten Krankenkassen und Krankenhäusern) sollte eine flexiblere Ärzteplanung machen.

Der Mangel an Hausärzten droht auch im Landkreis Pfaffenhofen in naher Zukunft zum Desaster zu werden: Immer weniger junge Mediziner streben diese Laufbahn an, aktuelle Zahlen offenbaren einen Rekord-Tiefstand. Mit der Freien Wähler Landtagsfraktion habe ich stets daraufhingewiesen, dass wenn die Praxen schließen, die Bundes- als auch Staatsregierung aber nicht gegensteuern, wären immer mehr Menschen wegen fehlender Grundversorgung auf Krankenhausaufenthalte angewiesen.

Ich fordere unsere bayerische Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) und die bayerische Staatsregierung als Kreisrätin weiter auf, ihrer Verantwortung auf Bundes- und Landesebene endlich Rechnung zu tragen und den Haus- und Fachärztemangel politisch zum Kernthema zu machen. Gesundheitspolitik „näher am Menschen“ sieht anders aus.
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