Eine musikalisch-optimistische Tonleiter

Sommerkonzert des Carl-Spitzweg-Gymnasiums / Bild: Mara Feßmann, Q11, Chefredaktion der Schülerzeitung SPITZ
Früher war ja alles besser. Anstatt das zu bestreiten, machen wir einen auf YOLO und feiern. Am besten mit Musik. Die rockt 2014 nämlich mehr denn je! Acht Argumente dafür im Tonleiterstil:

C- ool. Musik heute ist cool. Das ist ein total subjektiver Eindruck ohne Begründung, den ich trotzdem einbringen möchte, auch weil mir zu C nicht viel mehr eingefallen ist. Als Ausgleich jetzt ein richtiges Argument, für das ich sogar Zahlen nachgeschaut habe:

D- igital. Remember Musikkassettenbandsalat? Oder CDs, auf die einfach nur so 20-30 Lieder draufpassten? Ein Hoch auf die Technik! Auf Logarithmen für Rhythmen! Wir können locker 4000 Lieder auf eine Speicherkarte ziehen, die so groß ist wie unser Daumennagel. Und mit Geräten abspielen, die in unsere Hosentasche passen. Außerdem kann man Musik sekundenschnell verschicken und runterladen, seine CDs auf den Computer spielen, Musik mit Programmen verändern oder so sortieren, wie man möchte.
Besonders nützlich ist, dass man Musik aus dem Internet nicht zwangsläufig runterladen muss, sondern auch nur abrufen kann und somit nicht einmal viel Speicherplatz braucht oder irgendwas bezahlen muss:
Man kann sich das als “Radio auf Anfrage” vorstellen: Musik wird in Echtzeit aus dem Internet übertragen. Das bezeichnet man auch als “Streaming”, was sich mit “Strom” (von Daten) übersetzen lässt.
Spotify ist mit derzeit 50 Millionen Usern weltweit der bekannteste Musikstreamingdienst.
Man loggt sich ein und macht Playlists, sieht, was die Freunde hören und kann gezielt Interpreten, Alben und Titel suchen. Aber man bekommt auf seiner Startseite auch Lieder und Künstler vorgeschlagen, die denen ähneln, die man bereits gehört und gelikt hat. Einerseits ist es einfach spannend und bequem.
Aber irgendwie ist es natürlich schon seltsam, wenn eine Maschine oft bessere Empfehlungen hat als die eigenen Freunde (Leute, ganz ehrlich: Volksmusikreggae?!).

E- igenproduktion: In prähistorischen Zeiten ohne www musste man als Musiker so viele Konzerte wie möglich geben und beten, irgendwann zufällig “entdeckt zu werden”. Auch heute muss man sich bemerkbar machen, allerdings geht das theoretisch ohne die Wohnung zu verlassen: mit verhältnismäßig günstiger Technik kann man sich selber beim Singen oder Triangelspielen aufnehmen und kann dann beispielsweise über das Videoportal YouTube berühmt werden. Die Videoplattform ist für circa zehn Prozent des gesamten Datenverkehrs im Internet verantwortlich; jeder kann sich kostenlos registrieren, kommentieren und eigene Werke reinstellen. Man ist hierbei nicht nur auf Musik beschränkt; vor allem auf die Originalität des Beitrags kommt es an. Oder ob er ein nerviger Ohrwurm ist (“What does the fox say?!”) Ein Nachteil: Zwar kann jeder seine musikalischen Versionen und Visionen ins Internet stellen. Ob man damit Geld verdient oder besonders gute Ideen geklaut werden, ist allerdings fragwürdig.

F- ***ing Freedom: “Fuck You Music” von Avicii, “Fuck You” von Lily Allen; es gibt sogar eine Indie-Band namens Fuck. Ja Ogottogottogott! Oder alles halb so wild? Oft werden “schlimme” Wörter einfach nur zur Provokation eingesetzt. Natürlich gibt es viele Hits, die ausländer/frauen/menschen-feindlich oder blöd sind, aber oft sind das gar nicht die Passagen, in denen “Fuck” o. ä. benutzt werden, sondern das geht viel unterschwelliger.
Außerdem kann man Flüche auch als Zeichen der freien Meinungsäußerung sehen und wen's stört, der muss nicht zuhören. Wir leben in einer Zeit, in der (zumindest in unserem Land) auch kritische und freche Liedtexte zugelassen werden, die nur auf den ersten Schimpfworteindruck prollig wirken, eigentlich aber eine ziemlich kluge Botschaft haben. Oder halt geil klingen. Mainstreambeispiel: Alligatoahs “Willst du mit mir Drogen nehmen” ist ironisch und das wissen wir (hoffentlich). Ein Hoch also auch auf die Meinungsfreiheit in der Musik! Anmerkung: Man darf vor lauter liberaler Euphorie aber nicht vergessen, dass es eben wirklich blöde Kackbands gibt, die uns mittelalterliche Werte und Nazis verkaufen wollen. Also: listen with your ears and think with your brain.

G- ratis: Kennt ihr diesen Moment auf Hauspartys, so gegen halb zwei, wenn endlich mal irgendwer tanzt? Und dann: “Mit SpotifyFree hast du mehr Lieblingsmusik...”
Alles flüchtet von der Tanzfläche und sitzt wieder auf dem Sofa. So schön es ist heutzutage wenig bis nichts für Musik zahlen zu müssen, so blöd ist es, dauernd Werbung ertragen zu müssen. Auf YouTube kann man sie überspringen, auf Spotify dauert sie nur wenige Sekunden, aber sie macht trotzdem eine... Atmosphäre kaputt. Also, sollen wir alle Opas Schallplatten mopsen und Oldschool-DJs werden?
Natürlich nicht. Allerdings denke ich nicht nur aus egoistischen Gründen (Werbung loswerden, schlechter Internetempfang im Klassenzimmer) manchmal daran, mir meine Lieblingsmusik dann doch runterzuladen, sei es bei Amazon oder wo auch immer:
Musik wird immer bodenloser brotlos. Unter E-igenproduktion wurde dieses Thema schon angeschnitten: Musiker kriegen viel, viel weniger für gestreamte Musik als für verkaufte CDs.
April 2013 hatte der Hessische Rundfunk ermittelt, dass ein Künstler bei Spotify mit etwa 0,00164 Euro pro Stream vergütet wurde; vergleichsweise kriegen professionelle Musiker bei einer verkauften CD mit 13 Liedern drauf so etwa drei Euro des Verkaufspreises ab (Durchschnittswert).
Im Dezember desselben Jahres legte Spotify ganz andere Zahlen vor: sechzig Cent und mehr bekäme man pro gestreamtes Lied.
Die exakte Zahl zu ermitteln wird schwierig. Man kann ja einfach mal so aus Prinzip und Nostalgie die absoluten Lieblingsinterpreten gelegentlich downloaden oder eine CD kaufen. Sieht auch im Regal ganz nett aus.

A- lt ist das neue Neu: Mama und Papa mögen die Musik nicht, zu der Oma das Tanzbein geschwungen hat. Aber wir mischen in unseren Partyplaylists Dubstep mit ABBA, jeder kann ein oder zwei Beatles-Lieder mitsingen oder vielleicht sogar auf der Gitarre begleiten. Disko, Punk, Rock, bliblablu: “zu alt” gibt es nicht mehr. Wir haben Zugriff auf unglaublich viel Musikgeschichte, sowohl in Papis Musikschrank als auch online und es ist überhaupt nicht mehr “peinlich” zu sagen, dass man ein paar seiner Lieblingsbands mit der Elterngeneration teilt. Hier einige persönliche Retrotipps: Pink Floyd; The White Stripes; Cat Stevens; Fleetwood Mac; Supertramp; Eels; Earth, Wind and Fire; Simon and Garfunkel und The Police.

H- its gibt's: Aber sie kümmern keinen! Alle lästern über Mainstream und der besteht wirklich oft nur aus Bummbummtschak und einem Sänger, der mit Standartreimen über Liebe jammert oder erzählt, warum er im Club der härteste Ficker ist.
Diese Lieder sind allerdings nur das Spitzchen des Eisberges, dass die Musik heute ist: Genres und Landesmusik werden durcheinandergewirbelt und dabei kommen dauernd Subgenres raus. Balkanpop, Elektrofunk, Synthpunk, Industrial Metal, Indie... Dazu gibt es dauernd neue Coverversionen von alten Hits, die viel cooler klingen als das Original. Zum Beispiel covern “The Baseballs” Hits von Rhianna und Co im Elvis-Presley-Stil. Über das Internet verbreiten sich Hits aus anderen Ländern bis zu uns, auch wenn niemand den Text versteht, siehe Gangnam-Style.
Aus all diesen Musikrichtungen aus allen Ländern der Erde kannst du dir frei deinen Geschmack zusammenpicken.
Mainstream ist tot.

C- SG-Sommerkonzert: Das Beste kommt zum Schluss.
Frühere Generationen mussten noch ohne das Sommerkonzert auskommen. Woodstock kann einpacken.

Julia Kicherer, Q11, Chefredaktion Schülerzeitung SPITZ

Weitere Informationen zur Schülerzeitung und zur aktuellen Sonderausgabe finden sich hier

http://www.csg-germering.de/index.php?site=schueler&sub=schuelerzeitung&subsub=main&subsubsub=main&showsub=1

und hier:
http://www.marawandelbar.de/
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