Wenn ein Socke fehlt

Kleine und mittlere Katastrophen

… oder Spiritualität auf dem Prüfstand


Dienstags ist mein Wäschetag. Ich mach das gerne. Ich kann das gut. Zugegeben, ich bin etwas pingelig. Meine Wäsche hängt sehr genau sortiert auf dem Wäscheständer. Meine Klammern sind in einheitlicher Größe und Farbe und natürlich aus Holz.
Ersten Reihen meine T-Shirts, dann Unterwäsche und zum Schluss, die letzten beiden Reihen meine Socken…. von Puma, alle gleich, …. alle mit der Spitze in eine Richtung ausgerichtet.

Das sieht ordentlich aus.

Wie im Innen, so im Außen.

Doch heute klafft ein riesiges Loch in meiner Sockenreihe.

Einer fehlt!!!!!!

Ich kontrolliere noch mal die Waschtrommel, meine Wäschetruhe, den Boden unter dem Wäscheständer … nichts.
Ich schaue noch mal im Schlafzimmer, im Flur, drehe mich links und rechts … nichts!

Na gut, kann mal passieren, das wäre jetzt nach 20 Jahren das erste Mal.

Das erste mal?

Ich werde ganz kribbelig. Warum passiert das mir? Es kann nicht sein, dass eine Socke fehlt!!! Ich laufe doch nicht mit einem einzigen herum. Bin ich etwas bestohlen worden? Wer klaut Socken, und noch dazu nur einen einzigen. Eine Verschwörung? … man liest ja viel. Verschwörungstheorien gibt es genug.

Ich versuche mich zu beruhigen, jetzt nur nicht reinsteigern… sondern atmen, langsam, gleichmäßig, ruhig…

„Egal jetzt habe ich eine Socke in Reserve“, … versuche ich mich zu beschwichtigen. Im selben Moment fragt eine andere innere Stimme, wo ich diesen Einzelgänger denn nun hin tun soll. Ich packe sie doch immer schön in Paaren zusammen. Mein Kopf wird heiß. So, jetzt bekomme ich Zwangsgedanken. Ich suche alles noch mal ab, vergebens. Hat ihn die Waschmaschine gefressen? Am liebsten würde ich sie zerlegen … lohnt sich der Aufwand? Es ist eine Socke von meinen Tanzsocken. Die habe das Puma-Zeichen an der Ferse.

Blödsinn, alles dummes Zeugs, was ich mir da zusammenreime. Und ich mach mir so ein Thema draus!


Ich versuche es wegzumeditieren. Habe eine geführte Meditation von Tepperwein … soll mir vorstellen, ich sei ein Tier, dass durch eine urwüchsige Landschaft streift …. streift … streift. Ich kann mich nicht konzentrieren, meine Gedanken sind bei der fehlenden Socke. Ich lasse es sein, mit der Entspannungsübung.
Was würde ein Osho oder ein Dalai Lama in solch einer unglücklichen Lage tun?
Vermutlich nichts, die haben keine Socken.

Ich muss es von einer anderen Ebene anschauen, …. spiegeln, … reflektieren.

Was hat diese einzelne Socke mit mir zu tun?

Vermutlich: „Angst vor dem Allein sein“, „sich nur als Paar vollwertig fühlen“, „Einsamkeit“

Boahhh ….. da hat mich doch meine Socke voll erwischt.

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Kurt Battermann aus Burgdorf am 13.02.2011 um 11:28 Uhr  
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